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genommenen Weges von der Wirklichkeit abweichen. Kurze Wegstückchen lassen sich aber schwer im richtigen Längenverhältnis wiedergeben. Dazu müßte man entweder die Schritte zählen oder die Anfangs- und Endzeiten jedes Wegstücks auf . Sekunden genau ablesen, was in der Praxis viel zu • umständlich ist und bei der Konstruktion, selbst in ■ ziemlich großem Maßstabe, gar nicht ausgenützt werden kann. Es kommt also durch die vielen Marschpausen eine neue Fehlerquelle für die Weglänge und mittelbar auch für die Wegrichtung hinzu, welche die durch die Zahl der Richtungs- .j messungen gewonnene Genauigkeit wieder zerstört, j Man muß daher generalisieren. Unter Ver- j nachlässigung kleiner Krümmungen messe man die einzuschlagende Wegrichtung für eine möglichst o-roße Strecke. Ist in übersichtlichem Gelände der
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Weg weithin zu sehen, so messe man nur seine Durchschnittsrichtung, diese aber durch sorgfältige Handpeilung auf i° genau. So erreicht man für die Gesamtrichtung mit viel geringerer Mühe dasselbe wie durch die vielen Richtungsbestimmungen kurzer Strecken. Aber wenn man auch nur auf 5 oder 10° genau messen kann, so genügt dies für eine Wegstrecke von vielleicht *4 Stunde und man braucht ; kleinere Richtungsänderungen nicht zu berücksichtigen. 1
Der Marsch auf dem gekrümmten Wege dauert j länger, als er in der gemessenen geraden Richtung dauern würde. Man muß daher die aus der Marschdauer abgeleitete Wegstrecke entsprechend verkürzen, um den richtigen Abstand von Anfangsund Endpunkt zu erhalten. Um wieviel zu verkürzen ist, läßt sich nur schätzen. Diese Schätzung ist auch durch die eingehendsten Aufnahmen selten zu vermeiden. Denn über die kleinsten Krümmungen, welche die Wege in bewachsenem Gelände zu machen pflegen, wird man stets generalisierend hinweggehen müssen und ihren Einfluß auf die Weglänge nur durch Schätzung berücksichtigen. Die Abschätzung etwas größerer Krümmungen erzeugt keine größeren Fehler als die der kleinsten. Auch die Geschwindigkeitsänderungen lassen sich meist nur schätzungsweise angeben.
Diese nicht zu vermeidenden Schätzungen sind wohl die größte Fehlerquelle bei Wegaufnahmen. Ihr wird am besten entgegengearbeitet, indem man eine Anzahl von Punkten des Geländes .öfters anpeilt. Die Marschlinie läßt sich dann zwischen diesen Punkten „einrenken“. Durch diese mehr generalisierende Aufnahme der Marschlinie gewinnt man viel kostbare Zeit. Ich habe auch in Gelände, wo eine wechselvolle Topographie viel aufzunehmen gebot, nicht sehr viel länger gebraucht als meine
Karawane, sofern ich nicht durch anderweitige Arbeiten, wie geologische Untersuchungen, aufgehalten wurde. Auch hat sich bei der Konstruktion vielfach gezeigt, daß die Richtungen trotz der Vernachlässigung kleinerer Krümmungen gut getroffen waren. Bei Schleifen z. B. stimmte Anfangs- und Endpunkt gut zusammen.
Längere Wegstrecken durchzupeilen ist nur in übersichtlichem Gelände möglich. Wenn sich der Weg durch dichten Busch oder Wald windet, in dem man oft nur wenige Meter weit sieht, muß man sich anders helfen. Je weniger das Land zu übersehen ist, desto weniger gibt es auch darüber zu beobachten, daher kann man in diesem Falle eher auch kleinere Windungen aufnehmen. Ich habe dies bei der Durchquerung der südöstlichen Massaisteppe getan. Diese Aufnahme konnte nur den Zweck haben, den mathematischen Zusammenhang der Marschlinie zu wahren, denn vom Gelände war schlechterdings nichts zu sehen, als daß es mit Busch bewachsen war. Dieser Zweck wurde aber nur sehr mangelhaft erreicht. Die Aufnahme wäre kaum ungenauer geworden, wenn ich die Richtung nur nach der Sonne beurteilt und auch die Entfernung nur aus der Gesamtmarschdauer geschätzt hätte. Daß die Aufnahme dennoch ein gutes Ergebnis geliefert hat, war nur dadurch möglich, daß ich manchmal auf einen Inselberg oder auf einen überragenden Affenbrotbaum stieg und von da alle Inselberge der Landschaft anpeilte. Diese rohe magnetische Triangulation hat die Inselberge gut festgelegt. Die eigentliche Wegaufnahme konnte nicht einmal der Konstruktion als Längenmaßstab dienen, das Triangulationsnetz mußte vielmehr durch Fernpeilungen und astronomische Breitenbestimmungen eingepaßt werden. In solchem Gelände versagt die Wegaufnahme fast völlig.
Aufnahme des Geländes.
Die Marschlinie an sich ist in der Regel ziemlich gleichgültig — häufig folgt sie ja nicht einmal einem Fußpfad —, sie ist nur das Mittel zu dem Zweck, das Gelände in seinen Lagenverhältnissen richtig darzustellen. Auf die Wiedergabe des Geländes kommt es an. Wenn ich nur einen Strich durch die Natur ziehe, so ist gar nichts gewonnen. Das Gelände kann um so genauer dargestellt werden, je peinlicher die Krümmungen aufgenommen sind, in denen sich der Weg den kleinen Falten des Geländes anschmiegt. Aber was nützt es, solche Einzelheiten aufzunehmen, solange nicht die größeren Züge genau festgestellt sind? In den seltensten Fällen wird es Aufgabe des Wegaufnehmers sein, Einzelheiten zu bringen, die nicht einmal auf Karten