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Bohne Nr. 5002. Beide wurden durch Siedether- mometermessungen kontrolliert. Näheies datiibei im Abschnitt über die Höhenmessungen.
Verfahren der Aufnahme.
Die Wegaufnahme habe ich in der üblichen Weise ausgeführt. Die Wegstrecke wurde durch die Marschdauer und -gesclnvindigkeit, die Azimute mit dem Kompaß, die Höhen mit dem Aneroid und Siedethermometer gemessen. Zahlreiche Peilungen sicherten die mathematische Grundlage. Meine normale Marschgeschwindigkeit habe ich öfteis bestimmt, nicht nur nach den Kilometei steinen ^ deutscher Landstraßen, sondern auch in Afrika an ; vermessenen Strecken, z. B. an meinei Standlinie ; (Abschnitt V). Gleichzeitig bestimmte ich die nor- 1 male Schrittzahl in der Minute. Da bei der Auf- nähme je nach Gelände, Wegbeschaffenheit usw. die | Marschgeschwindigkeit oft von der normalen abweicht, gilt es, auch diese Abweichungen zu berücksichtigen. Bei gleicher Schrittlänge ist die Geschwindigkeit proportional der Anzahl der Schritte ; in der Minute. Diese Anzahl habe ich unterwegs öfters notiert. Abweichungen von der normalen Schrittlänge habe ich stets geschätzt und habe angegeben, um welchen Bruchteil die betreffende : Strecke zu verkürzen ist.
Um Peilungen aus freier Hand auszuführen, ist der Meißnersche Fluidkompaß besonders geeignet. Doch habe ich auch möglichst viel auf dem ; Stativ gepeilt, wobei man auf 1 / 10 ° ablesen kann. | Wesentlich korrigiert und in ihrer absoluten Lage ! festgelegt wurden die Wege durch die Einpassung in das Triangulationsnetz (Abschnitt VI) und durch 1 einige Bestimmungen der astronomischen Breite , (Abschnitt VII). Ich habe auch absolute Längen- ! messungen ausgeführt durch Messung von Mond- j höhen. Doch war dies eine vergebliche Arbeit, da diese Messungen mit dem kleinen Hilde b ran d- schen Reisetheodoliten nicht entfernt mit der nöti- i gen Genauigkeit sich ausführen lassen. I
Das Gelände habe ich stets durch Formenlinien ! (Gefühlsisohypsen) angedeutet. Häufige Schätzun- ' gen relativer Höhen, zahlreiche Ansichts- und Situationsskizzen sowie O e h 1 e r s Photographien unterstützten die Aufnahme des Geländes. Hierüber wird in den folgenden Abschnitten noch vieles zu sagen sein, zunächst möchte ich einige Erfahrungen über die Wegaufnahme mitteilen.
Aufnahme der Marschlinie.
Die meisten Wegaufnehmer legen das größte Gewicht auf eine möglichst genaue Aufnahme der zurückgelegten Marschlinie. Um eine richtige
Weglänge zu erhalten, scheut mancher nicht die stumpfsinnige Mühe des Schrittezählens. Auch kleinere und unwesentliche Krümmungen der Marschlinie werden durch mehrere Richtungs messungen festgelegt, um die gesamte Weglänge und Richtung möglichst genau zu bestimmen U h 1 i g hat schon darauf hingewiesen, daß das Schrittezählen nur unter Umständen empfehlenswert ist. 1 ) Meines Erachtens hat das Schrittezählen überhaupt nur dann Zweck, wenn man eine beschränkte Örtlichkeit, z. B. eine Dorfanlage, in größerem Maßstabe aufnehmen will. Dann lassen sich die kurzen Strecken durch Messung der Marschdauer nicht genau wiedergeben. Beim Durchmarsch durch eine Gegend aber ist das Schrittezählen auf die Dauer sehr anstrengend und dazu die Gefahr des Ver- zählens groß. Auch hindert es an viel wichtigeren Tätigkeiten, namentlich am Beobachten. In der Regel wird man daher die Weglänge durch die zur Zurücklegung gebrauchte Zeit — bei bekannter Marschgeschwindigkeit — bestimmen.
Ebenso möchte ich widerraten, allzuviel Zeit und Arbeitskraft auf die Richtungsmessungen zu verschwenden. Eine Messung und Notierung der Wegrichtung erfordert eine Marschpause von etwa i/j Minute. Beim Gebrauch eines Kompaß ohne Fluiddämpfung lassen sich zwar diese rohen Richtungsbestimmungen zur Not im Gehen ausführen. Doch empfieht sich dies nicht, weil man bei der Ablesung unwillkürlich langsamer geht und weil das Aufschreiben im Gehen die Lesbarkeit sehr beeinträchtigt. Was man aber später nicht mehr lesen kann ist wertlos. Bei Gebrauch eines Fluidkompasses ist Stehenbleiben bei der Ablesung unbedingt erforderlich. Wenn man alle 2 bis 5 Minuten die Richtung ablesen muß, verbraucht man daher viel kostbare Zeit.
Entspricht der Erfolg diesem Zeitaufwand? Auf die kleinen Krümmungen kommt es ja nicht an. Aber die Gesamtrichtung der Marschlinie ergibt sich theoretisch um so genauer, je öfters die augenblickliche Richtung gemessen wurde. 1 ) Dies ist jedoch nur dann der Fall, wenn auch die einzelnen Strecken des gekrümmten Weges im richtigen Längenverhältnis zueinander stehen. Andernfalls wird selbst bei absoluter Richtigkeit aller Richtungsmessungen die Gesamtrichtung des auf-
D Carl Uhlig, Die Ostafrikanische Bruchstufe und die angrenzenden Gebiete zwischen den Seen Magad und Lawaja Mweri sowie dem Westfuß des Meru. Mitt. a. d. Deutsch. Schutzg. Ergh. 2. 1909, S. 16.
2 ) Vogel, Aufnahme des Reisewegs und Geländes. E Neumayers Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen. 3. Aufl., S. 119.