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Nachdem noch der Ossinva (3297 m) erstiegen war, dessen Gipfelregion zwei malerische Seelein zieren, besuchten wir noch einmal den romantischen Krater des Elaneirobi zu etwas näherer Ei- forschung.
Am 3. März 1907 wurde die dritte Reise von Ngorongoro aus angetreten. Durch unbekannte Gebiete führte sie nach Iraku, um den Anschluß an die dortigen Forschungen herzustellen. Ubei das Baumannhochland, wo ich vom Gipfel des Malanjavulkans (2864 m) wichtige Aufnahmen vollendete, stiegen wir hinab nach den öden Gestaden des Njarasasees. Am Matetebach, einem staiken Zufluß des Sees, der von den Urwäldern des Deani her gespeist wird, bezogen wir einige Tage ein malet i- sches Lager, da mir wiederum Aufnahmen oblagen und O e h 1 e r von Fieber geplagt wurde. Wiewohl das Fieber nicht nachließ, zwang uns Nahrungsmangel zu einem anstrengenden Marsch ohne Führer und Wasser durch unbekanntes, mit Dornbusch bewachsenes Gelände. Vielleicht deswegen wurde in Iraku Oehlers Malaria chronisch, auch die Kunst des Stationsarztes vermochte nichts dagegen auszurichten. Ich zog im Lande herum, es viel eingehender aufnehmend, als ursprünglich in meiner Absicht lag und auf seine Genesung wartend'. Schließlich war er so geschwächt, daß seine weitere Teilnahme an der Expedition ausgeschlossen war. Aus seinem Feldbett konstruierten wir eine Art Hängematte, in der liegend er die Rückreise nach der Küste antrat. Auf dem Wege dahin ist er, wohl durch die Luftveränderung, allmählich wieder genesen.
Ich mußte die Expedition allein zu Ende führen. Oehlers Mitarbeit habe ich sehr vermißt. Manches hätte ich eingehender untersuchen können, wenn nicht jetzt auch die technische Expeditionsarbeit ganz auf mir gelegen hätte. Uber die unbewohnte, aber als Grenzgebiet von Grundgebirge und vulkanischem Gestein sehr interessante Landschaft Engotiek kehrte ich nach Ngorongoro zurück und vollendete die Triangulation. Am 23. April verließ ich diese so vertraut gewordene Stätte. An der in die Balbal- senke mündenden Duwaischlucht konnte ich noch einen Überblick über den Aufbau der Serengeti- steppe gewinnen, durch die ich nun westwärts marschierte nach Meatu, um von da durch die Landschaften Ussukumas auf Muansa zuzueilen. Dort wurde die Karawane entlassen und für die Europareise alles verpackt, keine angenehme Arbeit. In den Pfingsttagen fuhr ich mit dem Dampfer „Sybil“ über den Victoriasee nach Port Florence, dann von da mit der Ugandabahn hinunter nach Mombasa. In Nakuru und in Nairobi unterbrach ich die Fahrt,
dort, um den Großen Ostafrikanischen Graben in seiner typischen Form, hier, um die Zentrale euro päischer Ansiedlung in Britisch-Ostafrika zu besehen In Mombasa traf ich noch einmal mit Oe hl er zusammen. Leider fügte es sich nicht, daß wir zusammen heimreisen konnten, da ich in Daressalam noch amtlich zu tun hatte. Auf dem „Kronprinz“ verließ ich Ostafrika, das Land, in dem ich ein Jahr erfolgreicher Arbeit soeben vollendet hatte.
Geographische Bedingtheit der Schwierigkeiten
Der Leser erkennt aus obigem Bericht, welche durch die Natur des Landes bedingten Umstände uns die meisten Schwierigkeiten bereiteten. Sie sind auch die geographischen Ursachen dafür, daß das Land bisher so unerforscht geblieben war. Das abflußlose Gebiet des nördlichen Deutsch-Ostafrika gehört zu den trockensten Gebieten der Kolonie. Reicher bewässert ist es nur, wo schwer zugängliche Waldgebirge daraus emporragen. Die Trockenheit macht den größten Teil des Landes für dauernde Besiedlung durch fest ansässige Ackerbauern ungeeignet. Hier schweiften früher die kriegerischen Horden nomadisierender Massai umher und sperrten den Karawanen den Weg. Seitdem zu Anfang der neunziger Jahre dieses Volk infolge der Rinderpest, die es um seine Herden und damit um die Nahrung brachte, beinahe ausgestorben ist, sind diese Gegenden so gut wie unbewohnt. In unbewohntem Lande aber ist es schwierig zu reisen, besonders mit einer größeren Karawane, die nun einmal das Verkehrsmittel der afrikanischen Tropen ist. Es ist vor allem schwierig, die Nahrung für die Träger herbeizuschaffen, die von den nächsten bewohnten Landschaften viele Tage weit hergeholt werden muß. Während des Marsches aber verzehren die Träger bereits einen großen Teil ihrer Proviantlast. Die Ernährung der Karawane war in den unbewohnten Gebieten in der Tat die größte Schwierigkeit, die sich uns entgegenstellte.
Auch die Wasserarmut erschwert das Reisen. Wie oft waren wir froh, wenn wir nach einem anstrengenden Tagemarsch und mühevollem Suchen ein Wassertümpelchen fanden, von dem zu trinken man sich anderswo ekeln würde; wie manches Mal mußten wir auch ohne Wasser unser Lager auf- schlagen! Hätten wir immer gute Führer gehabt,
I so hätte es wohl niemals an Wasser gefehlt. So trocken ist das Land nicht, daß es nicht in Abständen von etlichen Stunden immer wieder Wasserstellen gäbe. Aber man muß sie finden! Und das ist oft schwer, auch wenn man das Land schon so weit kennt, daß man weiß, an welchen Örtlichkeiten Wasser anzutreffen sein könnte. Wie manche doin-