Für hydrographische .Untersuchungen hatten wir uns mit einem Faltboot aus Segeltuch versehen, das in zwei Teilen getragen werden konnte. Eine Rolle, auf der eine Lotschnur von 50 m aufgewickelt war, konnte am Rande des Faltboots befestigt werden. Ein Kippthermometer von N e - o- r e 1.1 i und Z a m b r a , ein Aräometersatz von M uenc k e , Berlin. ,
Von großer Wichtigkeit ist das Schreibmaterial. Sowohl für die Tagebücher, in die j abends zusammenhängende Beschreibungen von Land und Leuten eingetragen wurden, als auch für ! alle sonstigen Notizen und Sammlungsverzeichnisse j verwendeten wir Durchschreibehefte, in die mit I Bleistift eingeschrieben wurde. Die durch Blau- j papier erzeugte Durchschrift wurde bei jeder Ge- j legenheit aus den Büchern abgetrennt und als Brief ; in die Fleimat geschickt. Das ist eine gute Siche- ! rung gegen Verlust von Notizen, der glücklicher
II. Verlauf
Eigentlich begann unsere wissenschaftliche Arbeit schon in Neapel. Es waren nicht nur Photographierübungen, sondern namentlich auch geologische Vorstudien, die uns hier in Anspruch nahmen. Gerade vor einem Monat hatte der Vesuv den großen Ausbruch gehabt, bei welchem ein großer Teil des Berges in die Luft gesprengt und ein großer Krater gebildet wurde. Den damals aus- gellossenen Lavaströmen entstiegen noch Dämpfe und wir konnten ganz frisch die zerstörenden Wirkungen dieses Ausbruchs, der Lavaströme und des Aschenregens beobachten. Da wir hauptsächlich Vulkangebiete zu erforschen hatten, war dies eine wertvolle Einführung.
Am Abend des 14. Mai 1906 lichtete der „Prinzregent“ in Neapel die Anker und führte sowohl E d u a r d Gehle r und mich als auch Prof. W e u 1 e , der ja den ersten Teil seiner Reise mit uns gemeinsam marschieren sollte, den ersehnten Gestaden Ostafrikas zu. Am 1. Juni setzte er uns mit all unserer Habe in Daressalam ans Land. Die nächsten Wochen waren der Vollendung der Ausrüstung und der Beschaffung der Karawane gewidmet. Da schien es, als würde uns ein Strich durch die ganze Rechnung gemacht. Kurz bevor wir aufbrechen wollten, kam die Nachricht, daß in Iraku, im Herzen der Länder, die wir besuchen wollten, ein Aufstand ausgebrochen sei. hinter diesen Umständen war an Forschungsarbeit dort
weise nie eintrat. Alle gesammelten Gegenstände erhielten eine Etikette nur mit der Nummer. Unter dieser Nummer wurde dann der Fundort und sonstige Angaben in ein Verzeichnis eingetragen (über photographische Aufnahmen, die geologische, botanische und ethnographische Sammlung führten wir gesonderte Verzeichnisse). Diese Methode ersparte die Arbeit, ausführliche Etiketten mehrfach schreiben zu müssen und ermöglichte vor allem die Übersicht über das bereits Gesammelte.
An Karten nahmen wir mit, was über das Gebiet veröffentlicht war, während wir uns mit Bücher n auf das Allernotwendigste beschränkten.
Im übrigen waren wir für ostafrikanische Verhältnisse einfach ausgerüstet und reisten daher ziemlich billig. Unsere Karawane zählte durchschnittlich etwa 65 Köpfe, was für ein solches Unternehmen sehr wenig ist.
der Reise.
nicht zu denken, unser Plan ließ sich nicht durchführen. „Dann muß es eben anders gehen,“ sagte ich und beschloß, nach einigen Besprechungen, zunächst an den Kilimandscharo zu marschieren und die dort geplanten Forschungen auszuführen. Waren diese vollendet, so konnten wir, je nach den Nachrichten aus Iraku und den politischen Verhältnissen der Gegend, diesen oder jenen Teil unseres Forschungsgebiets aufsuchen. Prof. W eule aber mußte damit rechnen, daß auch im Falle baldiger Beendigung des Aufstands das Mißtrauen der Bevölkerung ihm ersprießliches ethnographisches Forschen unmöglich machen würde. Er hat daher seinen ganzen Plan aufgegeben und statt dessen eine Forschungsreise in den Südosten der Kolonie unternommen.
Am 21. Juni führte der kleine Gouvernementsdampfer „Rovuma“ uns und unsere Karawane aus Daressalam. Nachdem er an den Korallenriffen vor Sadani sich ein Leck geholt hatte, so daß wir beinahe Schiffbruch gelitten hatten, landeten wir am 23. glücklich in Tanga. Die Beschaffung von Proviant, Führern und anderen Dingen hielt uns noch so lange auf, daß wir erst am Nachmittag des 27. Juni von der Station Maurui der Usambarabalm abmarschieren konnten. Ich wollte nicht auf der vielbegangenen und auch mir schon bekannten Karawanenstraße nach Moschi am Kilimandscharo ziehen, sondern wenigstens einen Abstecher in die