Teil eines Werkes 
T. 1 (1911) Aufgaben und Verlauf, die Karte, Ergebnisse der Sammlungen, Ethnographisches / von Fritz Jäger. Mit Beitr. von A. Wedemeyer ...
Entstehung
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Charakter und die Ausdehnung der Yegetations- formationen kennen zu lernen. Wir haben deshalb beim Sammeln nicht nach neuen Arten gefahndet und deswegen den Botanikern eine kleine Enttäu­schung bereitet, sondern vielmehr Charakterpflanzen gesammelt. Wir haben die Vereinigung der Pflanzen zu Vegetationsformationen beobachtet und deren Verbreitung kartographisch aufgenom­men. Da zoologisches Sammeln einen großen Apparat und besondere technische Schulung vor­aussetzt, geographisch aber weniger bedeutsam ist, so haben wir uns grundsätzlich darauf beschränkt, die P 1 a n k t o n f a u n a der Gewässer zu sammeln, die vielleicht auf die Entstehung der Salzseen einiges Licht werfen konnte. E thnographi- s c h e F o r s c h u n g e n lagen nicht in unserm Plan. Denn gleichzeitig mit uns sollte Prof. W e u 1 e im Auftrag der Kolonialabteilung eine Forschungs­reise ins abflußlose Gebiet unternehmen, zur ein­gehenden Erforschung der Völkerschaften jener Gegenden. Wenige Tage bevor wir von Daressalam gemeinsam dorthin aufbrechen wollten, wurden unsere Pläne durch den Aufstand in der Landschaft Jraku gestört, der Prof. W e u 1 e veranlaßte, sich dem Südosten von Deutsch-Ostafrika zuzuwenden. 1 ) Oehler und ich waren für ethnographische For­schungen nicht ausgerüstet und konnten sie nur ge­legentlich nebenher betreiben. Beobachtungen und Erkundigungen über das wirtschaftliche Leben der Eingeborenen haben mich dabei vom geographi­schen Standpunkt am meisten interessiert.

Reiseplan.

Oehler und ich wollten zusammen mit Prof. W e u 1 e im Juni 1906 von Tanga aufbrechen und westwärts durch die südliche Massaisteppe nach Kondoa Irangi marschieren. Nach Erforschung des \ ulkans Ngurue wollten wir uns den Hoch­ländern westlich der großen Bruchstufe Deutsch- Ostafrikas zuwenden. Hier gedachten wir die Gräben des Hohenlohesees und des Njarasasees (besonders den letzteren) eingehender zu er­forschen. Nach einem Abstecher an den Victoria­see nach Muansa, sollte dann das Gebiet der großen Vulkane nordöstlich des Njarasasees studiert wer­den. Dem Njarasasee war noch ein zweiter Besuch in der Regenzeit zugedacht. Auf dem Rückweg nach der Küste beabsichtigten wir, den Gletschern an der Westseite des Kilimandscharo, bei genügen­der Zeit auch dem Meru einen Besuch abzustatten. Die einzelnen Programmpunkte sind im wesent-

Ö Karl Wculc, Wissenschaftl. Ergebnisse meiner ethno­graphischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas. Mitt. a. d. Deutsch. Scluitzg. Ergh. r. 1908.

liehen durchgeführt worden, allerdings in ganz an­derer Reihenfolge.

Wissenschaftliche Ausrüstung.

Die für die astronomische Ortsbestimmung, die topographische Aufnahme im weitesten Sinne und die meteorologischen Beobachtungen verwand­ten Instrumente sind in den betreffenden Abschnit­ten aufgezählt.

Photographische A u s r ü s t u 11g : 2

Stege m a n n sehe Handkameras 9 X 12 mit M a y e r sehen Objektiven von 15 cm Brennweite. 1 Auszugbalg, der an die Handkamera angesetzt werden konnte, um sie für 13 X Aufnahmen und verschiedene Brennweiten zu verwenden. Ein Ansatz­objektiv für Teleaufnahmen. Die beiden Objektive waren lichtstark und zeichneten vollkommen scharf, wenn die ganze Kombination verwendet wurde, also bei allen 9 X 12 Aufnahmen und Weitwinkelauf­nahmen im 13 X 18 Format. Dagegen waren die Einzellinsen, die bei 13 X 18 Aufnahmen der größe­ren Brennweite wegen oft verwandt wurden, ziem­lich lichtschwach, da sie wegen unscharfer Zeich­nung stark abgeblendet werden mußten. Ein Z e i ß sches Objektiv hätte hier bessere Dienste geleistet. An Platten verwandten wir hauptsäch­lich orthochromatische Agfaplatten, die aber trotz derTropenemulsion gegen Schluß der Reise leicht verschleierten. Wir ließen uns dann mehrfach frische Lumiereplatten durch die Daressalamer Firma V i n c e n t i kommen. Alle Platten hat Oehler auf der Reise selbst entwickelt.

Die botanische Ausrüstung hat das Botanische Museum in Dahlem bei Berlin uns in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt. Sie bestand in Pflanzenpressen, Kisten mit Blechein­satz, Pflanzenpapier, 50 1 reinem Alkohol. Die ge­sammelten Pflanzen wurden nach leichtem Pressen in gesonderte numerierte Papierbogen gelegt, in diesen in die Kisten verpackt und mit Alkohol durchfeuchtet. Die vollen Kisten wurden luftdicht verschlossen an das Botanische Museum zurück­gesandt, wo dann die Pflanzen getrocknet wurden. Herrn Geheimrat E ngle r und namentlich Herrn Prof. V o 1 c k ens haben wir für freundliche Rat­schläge und Unterweisungen zu danken.

Für zoologische S a m in 1 u n g e n hatte uns das Zoologische Museum zu Berlin, Direktor Prof. Brauer, freundlichst versehen mit Gläsern, Netzen und Reusen.

Etliche Hämmer, ein Erdbohrer, Salzsäure­flasche, waren das geologische Handwerkszeug. Herrn Oberbergrat B o r n h a r d t verdanke ich freundliche Ratsch 1 ägc.