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vermessenen Grenzstreifen im Norden und dem Weg von B a u m a n n und D a n t z im Süden und Westen blieb noch ein Gebiet von etwa 80 km ostwestlicher und gegen ioo km nordsüdlicher Ausdehnung auch topographisch völlig unbekannt. Die Gegend zwischen dem Vulkan Ngurue und dem Ejassi- oder Njarasasee war zum Teil auch noch völlig unbekannt, zum Teil erwiesen sich die Kartendarstellungen als sehr mangelhaft. Selbst zwischen dem von B a u m a n n entdeckten Ngorongoro und Lerobi und Lemagrut einerseits, den Vulkanen Loolmalassin, Olmoti und Elaneirobi, die U h 1 i g und ich gefunden hatten, anderseits, fehlte noch der topographische Zusammenhang, der sowohl Bau m a n n als auch uns infolge von Bewölkung verborgen geblieben war. B a u m a n n und wir hatten das Gebiet nur flüchtig durchzogen und berührt. Was wir aber davon erfahren hatten, reizte sehr zu näherer Erforschung. Und wo sonst das Gebiet westlich der Bruchstufe topographisch auch einigermaßen bekannt war, da war es doch nach seinem Aufbau und seiner sonstigen Natur noch* so gut wie ganz unbekannt. So durfte man also erwarten, daß eine Forschungsreise, die sich die Aufgabe stellte, die Länder westlich der Bruchstufe nicht nur topographisch, sondern geographisch, ihrer ganzen Natur nach, zusammenhängend zu erforschen, von Erfolg gekrönt sein würde.
Eduard Oehler.
Als Begleiter schloß sich mir an mein Vetter und treuer Freund Eduard Oehler. Er nahm auf seine eigenen. Kosten an der Expedition teil, mit Genehmigung der landeskundlichen Kommission und der Kolonialabteilung. Von wissenschaftlichen Arbeiten übernahm er die meteorologischen Beobachtungen, das botanische Sammeln und vor allem das Photographieren. Seine Bilder, von denen zahlreiche den zweiten Band dieser Veröffentlichungen schmücken werden, zeichnen sich aus durch großes ästhetisches Verständnis. Er war stets darauf bedacht eine künstlerische Bildwirkung zu erzielen. Dadurch wird in dem Beschauer eine lebhafte Anschauung von der Landschaft hervorgerufen und so sind O eh 1 ers Bilder gerade durch die Berücksichtigung des ästhetischen Moments geographisch besonders wertvoll geworden. Außerdem hat Oehler sich um die Expedition sehr verdient gemacht, indem er einen großen Teil der so zeitraubenden technischen Expeditionsarbeit übernahm. Es ist dies eine undankbare Aufgabe, da sie keine unmittelbaren wissenschaftlichen Früchte trägt, die man nachher veröffentlichen kann. Und doch sind diese technischen Arbeiten für den Erfolg der Expe
dition ebenso notwendig, wie die wissenschaftlichen. Daher darf Oehler einen wesentlichen Teil unseres Erfolges sich zuschreiben. Für alle seine treue Freundschaft und selbstlose Mitarbeit gebührt ihm mein wärmster Dank.
Aufgaben der Expedition.
Die Aufgaben der Expedition waren geographische. Es handelte sich nicht um naturwissenschaftliche Spezialforschung, sondern darum, das Land als Ganzes, die Landesnatur, wie sie sich ergibt, aus der Wechselwirkung der verschiedensten Faktoren, kennen zu lernen. Dafür mußte vor allem durch topographische Aufnahmen eine sichere Grundlage gewonnen werden. Denn ein großer Teil des Gebiets war noch ein weißer Fleck auf der Karte, und wo bereits Karten Vorlagen, waren sie noch höchst mangelhaft. Die topographische Aufnahme gibt außerdem Veranlassung zu einer Fülle geographischer Beobachtungen. Weiter galt es, die Hauptzüge des geologischen Baues zu ergründen. Ich habe deshalb nicht nur Gesteine gesammelt, sondern namentlich danach gestrebt, ihren tektonischen Verband, ihre Lagerungsverhältnisse zu erkennen. Von morphologischen Problemen war z. B. das der Inselberge von vornherein ins Auge gefaßt, konnte aber aus technischen Gründen nicht so eingehend studiert werden, wie es wünschenswert gewesen wäre. Andere ergaben sich erst nachträglich bei der Bearbeitung des Materials. Daß die Gewässer des abflußlosen Gebiets besonders interessant sein würden, war zu erwarten. Wir rüsteten uns deshalb mit einem Faltboot und Instrumenten aus, um die wichtigsten Beobachtungen an Seen vorzunehmen. Uber das Klima einer Gegend läßt sich auf einer Reise nur eine sehr unvollkommene Vorstellung gewinnen, selbst wenn man die Gegend in verschiedenen Jahreszeiten besucht. Längere Beobachtungsreihen an einem Ort können nicht ausgeführt werden. Dennoch lassen sich Wetterbeobachtungen anstellen, die von geographischem Interesse sind. Die örtlichen Verschiedenheiten des Wetters treten gerade dem Forschungsreisenden, der stets den Ort verändert, auffällig entgegen. Wir haben deshalb meteorologische I e r m i n b e o b a c h t u n- g e n in das Programm aufgenommen. Außerdem haben wir den Verlauf des Wetters auch außerhall) der Terminstunden 7a, 2P und 9p sowie die örtlichen Verschiedenheiten beobachtet, ln erster Linie wurden die Terminbeobachtungen nicht klimatologisch, sondern zur barometrischen Höhenmessung ausgenutzt. Auch die Pflanzenwelt suchten wir geographisch zu erforschen, d. h. besonders den
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