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Die Aufteilung Afrikas von 1870 bis zur Gegenwart
setzungen so weit gefaßt, daß Deutschland selbst hätte darüber bestimmen können, wann solche Fälle vorlägen.
Der Vertrag soll schon im Mai 1913 in der Hauptsache fertig gewesen sein und hätte im August des gleichen Jahres paraphiert werden können, doch wurde der endgültige Abschluß verzögert, weil von englischer Seite die Veröffentlichung des Abkommens zugleich mit dem deutsch-englischen Vertrag von 1898 und dem englisch-portugiesischen von 1899 gewünscht wurde. Auf deutscher Seite trug man Bedenken, diesem Verlangen stattzugeben*), und erst Ende Juni 1914 wurde die Zustimmung zur Unterschrift erteilt. Damals war es aber schon zu spät: die serbische Krise verhinderte die Vollziehung des Vertrages.
17. Afrika im Weltkriege und Weltfrieden (1914-1919).
Die Aufteilung Afrikas ist — mit Ausnahme des Tripoliskrieges — ohne kriegerische Zusammenstöße zwischen europäischen Mächten vor sich gegangen. Gewiß hat es an diplomatischen Kämpfen nicht gefehlt, und mehrmals, besonders beim Faschoda- Zwischenfall 1898, und zur Zeit der beiden Marokkokrisen 1905/06 und 1911, war man der Kriegsgefahr bedenklich nahe. Indes waren in allen diesen Fällen die Interessen mindestens einer der beteiligten Mächte nicht so groß, als daß sie um derentwillen den Kampf ums Dasein hätte entfesseln wollen.
So viele Ursachen auch für den Ausbruch des Weltkrieges verantwortlich gemacht worden sind, wir können mit Bestimmtheit sagen, daß afrikanische Gegensätze nicht mitgewirkt haben. Ein so schwerer Konflikt, wie der marokkanische, hat eben doch nicht zum Kriege geführt, und unmittelbar vor dem Kriege hatten sich ja England und Deutschland gerade über afrikanische Fragen geeinigt. Nein, der Weltkrieg hat seinen Ursprung in der Zersetzung Osterreich-Ungarns und der Türkei, außerdem in der elsaß-lothringischen Frage. Der Gegensatz zwischen England und Deutschland hätte wahrscheinlich für sich allein nie zum Kriege geführt, und wenn sich dieser Gegensatz seit 1902 so sehr verschärft hatte, so war nicht die deutsche Kolonialpolitik, sondern die Flottenpolitik die Ursache. Wenn man hiergegen einwenden möchte, daß die Kolonialpolitik den Bau einer großen Flotte im
0 Vgl. Hammann, Vorgeschichte, S. 77ff.