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Die Aufteilung Afrikas von 1870 bis zur Gegenwart
Übersehen wir die Lage, wie sie sich im Jahre 1891 im Wettstreit der europäischen Völker um afrikanischen Kolonialbesitz gestaltet hatte, so war es England gelungen, sich im Süden des Erdteils ein großes zusammenhängendes Reich zu schaffen, das vom Kap bis zum Njassa- und Tanganjikasee reichte, aber mit den britischen Besitzungen in den übrigen Teilen Afrikas noch nicht verbunden war. Ein Gegenstück zum britischen Reiche im Süden war das französische im Nordwesten: vom Mittelmeer bis zum Niger und Senegal lag ein zusammenhängendes Territorium. Eingesprengt in das französische Gebiet lagen englische, deutsche, portugiesische und spanische Besitzungen. In Ostafrika war es zu einer Teilung in italienische, britische, deutsche und portugiesische Interessensphären gekommen. Im Norden war Ägypten englischer, Tunis französischer Besitz geworden. In Mittelafrika nahm der Kongostaat einen breiten Raum ein, umgeben von portugiesischen und französischen Besitzungen. Der gesamte Küstenrand Afrikas befand sich, mit Ausnahme von Tripolis, Marokko und Liberia, im Besitz der christlichen Völker Europas. Auch im Inneren des Kontinents waren die meisten Gebiete, wenigstens auf der Landkarte verteilt. Afrika südlich vom Äquator war fast vollständig in bestimmte Interessensphären zerlegt, die voneinander durch Verträge abgegrenzt waren. In West- und Zentralafrika gab es im Hinterland der englischen, französischen und deutschen Kolonien, sowohl im Nigerbogen wie zwischen Tschadsee und Nil, noch weite, unverteilte Länder. Im Nordosten trotzten der ehemals ägyptische Sudan und Abessinien der europäischen Herrschaft. Um diese Gebiete drehte sich der Kampf der europäischen Kolonialmächte im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts.
11. Der Gang der Aufteilung Mittel-Afrikas (1891—1902).
Vgl. außer den mehrfach zitierten Werken von Dukois-Doriior, Derrier- Äloui-s^, Duoas, Nookler - Rerr^man, Hasenclever und IVauters: cle 6aix, Raokoäa, Raris 1899, Ranotaux, Daoliocia, Raris 1899 sowie die Aufsätze von 4när6 Dodou in der Revue ctes cleux wonctes vom 16. März und 16. September 1000 .
Der englisch-französische Vertrag vom 5. August 1890 hatte wohl eine Grenzlinie zwischen den Besitzungen der beiden Mächte vom Niger zum Tschadsee gezogen, aber über das große Gebiet im sog. „Nigerbogen", Zwischen dem 9. Breitengrad und dem