England, Frankreich und Italien im Nordosten und Osten Afrikas 101
So erstreckte sich jetzt ein zusammenhängendes britisches Territorium vom Kap über den Zambesi hinaus bis zu den Ufern des Njassa- und Tanganjikasees, ein ungeheures, im grotzen und ganzen fruchtbares, an Mineralien reiches und in weitem Umfang für europäische Siedlung geeignetes Land.
10. England, Frankreich und Italien im Nordosten und Osten Afrikas (1885-1891).
Bgl. G. L. Rein, Abessinien, 3 Bde., Berlin 1918 f. Vd. 1 enthält den histor. Teil.
In Ägypten beschränkten sich die Engländer, nachdem der Entsatz Gordons mißlungen und Khartum gefallen war, auf das Niltal nördlich von Wadi Halfa und auf die Küste des Roten Meeres bis nach Suakin. Gelegentliche Vorstöße der Mahdisten wurden zurückgewiesen, ja im Februar 1891 wurde das wichtige Tokar in der Nähe von Suakin von den Engländern wieder besetzt. Das britische Somali-Protektorat wurde 1889 über die ganze Küste vom Ras Djibuti bis Bender Ziadeh ausgedehnt.
Auch am Roten Meer suchten die Franzosen im Wettbewerb mit den Engländern ihr Gebiet zu vergrößern. Da sich die Hafenverhältnisse in Obok als ungünstig herausstellten, ergriffen sie 1888 Besitz voll dem besser gelegenen Djibuti, das seitdem der Hauptplatz der französischen Somalikolonie geworden ist. Die englische Interessensphäre wurde der französischen gegenüber in dem Abkommen vom 2./9. Februar 1888 abgegrenzt^), in dem überdies bestimmt wurde, daß keine der beiden Mächte Harrar okku- - Pieren sollte; sie behielten sich indes das Recht vor, sich der Besitznahme dieser Landschaft durch eine dritte Macht zu widersetzen, eine Bestimmung, die zweifellos gegen Italien gerichtet war.
Außer den Engländern und Franzosen wünschten auch die Italiener ihr Herrschaftsgebiet am Roten Meere zu erweitern. Von Massaua aus, das sie 1886^) besetzt hatten, dehnten sie ihre Herrschaft längs der Küste nach Norden bis zum Kap Kasar, nach Süden bis zur Grenze der französischen Somalikolonie aus. Aber die Italiener hatten noch weitergehende Pläne: Sie wollten für ihre Kolonie ein möglichst großes Hinterland erwerben, sowohl nach dem ehemals ägyptischen Sudan, wie namentlich nach dem für Siedlungszwecke geeigneten Hochland von Abessinien hin. Nach manchen Reibereien kam es anläßlich der Besetzung von
y Rein 1, 305 ff. y Siehe S. 31.