Die koloniale Bewegung in Deutschland
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Für die Erwerbung Ostafrikas ist besonders das Buch von Bruno Kurtze, Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft (Abhandlungen des Staatswissenschaftlichen Seminars zu Jena XII, 1), Jena 1913 heranzuziehen. Nachdrücklich hingewiesen sei noch auf die ausgezeichneten kleinen Schriften von Maximilian von Hagen (von dem ein größeres Werk über Bismarcks Kolonialpolitik zu erwarten ist), die sich durch die Aufhellung der großen weltgeschichtlichen Zusammenhänge besonders auszeichnen. Genannt seien: Voraussetzungen und Veranlassungen für Bismarcks Eintritt in die Kolonialpolitik, Berlin 1914, Geschichte und Bedeutung des Helgolandvertrags (Welikultur und Weltpolitik 6), München 1916 und die S. 28 erwähnte Schrift: England und Ägypten, mit besonderer Rücksicht auf Bismarcks Ngyptenpolitik. Zu erwähnen ist auch eine englische Darstellung der deutschen Kolonialpolitik in Afrika: Lvans Dsvin, Dbs Oorwans and ^krioa, Douclon 1916.
I. Die koloniale Bewegung in Deutschland.
Seit den Tagen des Großen Kurfürsten und Maria Theresias hatte mau in Deutschland nicht mehr ernstlich an die Gründung deutscher Kolonien durch deutsche Staaten gedacht*). Es fehlte zwar nicht an Gesellschaften, die die Kolonisation überseeischer, namentlich amerikanischer Gebiete durch deutsche Auswanderer betrieben?); in der Literatur wurden häufig Klagen darüber laut, daß Deutschland keine Kolonien besäße, und es wurden auch gelegentlich Vorschläge gemacht, das eine oder das andere überseeische Land für Preußen zu erwerben^), aber alle diese Wünsche und Vorschläge waren chimärisch vor der Begründung des neuen Deutschen Reiches.
Nach 1871 wurde von den verschiedenen Seiten und aus den verschiedensten Gründen die Ansicht ausgesprochen, daß das neuerstandene Deutsche Reich Kolonien erwerben müsse. National- ökonomen wie Röscher und Hübbe-Schleiden, Geographen wie Iannasch und Hermann Wagner, Forschungsreisende wie Gerhard
1) In der Zeit der Befreiungskriege wurde namentlich von Nettelbeck gelegentlich der Gedanke ausgesprochen, Kolonien für Preußen zu erwerben. Vgl. darüber Deutsche Kolonialzeitung 1886, S. 170 ff. und Jahrbuch über die deutschen Kolonien, Bd. 6 (1913), S. 153.
2) Am bekanntesten sind: die Kolonisationsgesellschaft deutscher Adliger in Texas, der Hamburger Kolonisationsverein (für Südbrasilien), sowie der Preußische Kolonisationsverein für die Mosquitoküste. Vgl. darüber Koschitzky 1, 92, 121 ff.
3) Aus den sechziger Jahren stammen bereits Vorschläge, Formosa sowie Ostafrika zu kolonisieren. Vgl. darüber Koschitzky 1, 126, Zeitschrift für Erdkunde 1 (1866), S. IlOff. Auch von Südwestafrika, den Suluinseln, Neuguinea u. a. Gebieten war damals die Rede. Vgl. darüber Zimmermann I ff., der auch auf höchst interessante von Lothar Bücher 1867 verfaßte Zeitungsartikel aufmerksam macht.