Die Aufteilung Afrikas von 1870 bis zur Gegenwart
zusetzen vermochten, Australien war bereits vollständig in englischem Besitz, und so blieb außer den Südseeinseln der dunkle Erdteil allein übrig als Objekt der europäischen Expansion.
Der Gang der Aufteilung Afrikas ist, abgesehen von der bereits besprochenen Einwirkung der Afrikaforschung, noch durch verschiedene andere Ereignisse beeinflußt und beschleunigt worden. Die Entdeckung von Diamanten und Gold im Süden des Erdteils zeigte, welche Schätze im Inneren Afrikas schlummerten, und ließ vermuten, daß ähnliche Funde auch noch in anderen Gebieten gemacht werden könnten. Die Eröffnung des Suezkanals verstärkte die an und für sich schon so große weltpolitische Bedeutung Ägyptens, rückte das bisher von den Europäern sehr vernachlässigte Ostafrika in leicht erreichbare Nähe, und bedingte überhaupt eine Neuorientierung der Weltpolitik in mehrfacher Hinsicht. Der Orientkrieg 1877/78 und die darauffolgende Länderverteilung auf Kosten der Türkei brachte verschiedenen europäischen Mächten territorialen Gewinn, und reizte dadurch andere an, zur Herstellung des Gleichgewichts Ausschau nach Kompensationen zu halten. Endlich haben die Entdeckungen Stanleys im Kongogebiet den Stein vollends ins Rollen gebracht.
2. Die Wiederaufnahme der Ausbreitung Englands und Frankreichs in den siebziger Jahren.
Die oft gehörte Behauptung, daß die Gründung des Kongostaats und der Eintritt Deutschlands in die Reihe der Kolonialmächte die endgültige Aufteilung Afrikas veranlaßt hätten, entspricht nicht ganz den Tatsachen.
Bereits Ende der sechziger Jahre können wir in England ein Wiederaufleben der ja nie völlig verschwundenen, auf Ausbreitung gerichteten Strömung feststellen. Ein beachtenswertes Symptom war die Gründung des Ko^al Oolouial Institute (später Imports! Institute genannt) im Jahre 1868. Neben den allgemeinen Tendenzen, die um diese Zeit wieder hervortraten, hat unzweifelhaft die Entdeckung der Diamanten die südafrikanische, die Durchsuchung der Landenge von Suez die nord- und ostafrikanische Politik Englands in neue Bahnen gelenkt. Wir sahenZ, wie die Engländer 1868 das Basutoland und 1871 das Griqualand an-
y Bd. 1, S. 271ff. u. 290.