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Hawaii, Ostmikronesien und Samoa : meine zweite Südseereise (1897 - 1899) zum Studium der Atolle und ihrer Bewohner / von Augustin Krämer
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Erstes Kapitel.

auch. Der Bootsführer kam und ermunterte zur Weiterfahrt, und bald waren wir wieder im alten Zeug, und nach einem kräftigen Frühstück, dem üblichen guten Kaffee, frischen Eiern und Speck, fuhren wir mit frischem Wind nach Livingston zurück, wo wir um 1 Uhr wieder eintrafen. Wir machten einen rührenden Abschieds­besuch bei unserem Quarantänearzt, der uns beglaubigte, dass wir nicht am gelben Fieber erkrankt waren. Schade, dass er uns zur Sicherheit nicht noch acht Tage festhielt, denn um soviel später kam dasselbe wirklich nach Livingston. Ich holte meinen Pass, mein Movimiento maritimo, vom Commandante del Puerto und war nun bereit für den Dampfer nach New Orleans, der am folgenden Morgen fällig war. Endlich war ich dem Erlösungsort San Francisco nahe, dem Tore des Pacific.

Über New Orleans und San Francisco nach Hawaii.

War ich in den verflossenen Monaten auch nahezu stetig am Rande desGrossen" pacifischen Ozeans längs gefahren, so gelang es mir doch erst von San Francisco aus, in das Herz desselben vor­zudringen, und zwar, wie ich schon oben betonte, aus dem einfachen Grunde, weil sich an der ganzen Westküste des langen amerikani­schen Kontinents nirgends eine Fahrgelegenheit nach den Südsee­inseln bot. Man hatte es mir zuvor gesagt, dass es so kommen werde, und ich hatte mich auch darauf gefasst gemacht. Aber ich hoffte doch im stillen auf ein gütiges Geschick, das mir in irgend­einem der Häfen irgendein passendes Fahrzeug in den Weg werfen würde; eine Barke, ein Schoner, ja selbst ein Kutter schien mir köstlich, an einen Dampfer, ein Kriegsschiff oder eine Jacht wagte ich nicht einmal zu denken. Nichts ist bezeichnender für die Kultur­zustände jener spanisch-amerikanischen Länder als das Fehlen jeg­licher expansiver Handelsbeziehungen, die sich eben bei der nahezu vollständigen Produktionslosigkeit nicht aufrichten lassen. Welch ein ungeheurer Unterschied zwischen Valparaiso, dem Handels- emporium des Südens, und San Francisco, der Beherrscherin des Nordens, und wenn erstere Stadt trotzdem sogar im Verhältnis be­trachtet noch eine gewisse Bedeutung beanspruchen darf, so verdankt