3. Wirtschaftsgeographischer Überblick.
Die wirtschaftliche Bedeutung der deutschen Kolonialpolitik und der deutschen Schutzgebiete.
Förderung des Handels und Hebung des Volkswohlstandes, Stärkung und Verbreitung der eigenen Nationalität sind die mächtigen Triebfedern überseeischer Politik, und nicht Abenteuerlust oder Ländergier, sondern wirtschaftliche Ursachen sind es gewesen, die zur Entstehung der deutschen Kolonialbewegung und der kolonialen Unternehmungen aller Völker überhaupt Anlass gegeben haben. /Die heimische Bevölkerung ist so gewaltig gewachsen, dass unsere Landwirtschaft nur noch Dreiviertel dieser Volksmenge zu ernähren vermag. /Daher gewinnt die Auswanderungsfrage immer mehr an Bedeutung, weil den Auswanderern neue Ziele eröffnet und sie zugleich den Interessen des Vaterlandes erhalten werden sollen. Dann erheischte die wirtschaftliche Notlage dringend Abhilfe. Der Absatz der massenhaft hergestellten Fabrikate wurde immer schwieriger, und es galt nicht bloss, den deutschen Kaufmann vor fremden Übergriffen zu schützen, sondern man musste im Wettbewerb mit den ebenfalls unter wirtschaftlicher Übererzeugung leidenden Nachbarstaaten der heimischen Industrie zugleich die alten Märkte sichern und ihr neue Absatzgebiete aufschliessen. Endlich war es ein naheliegender Gedanke, die vielen Millionen, die wir alljährlich für Kaffee, Tabak, Baumwolle und andere Kolonialwaren ausgeben, uns selbst zu erhalten und uns dadurch vom Ausland unabhängig zu machen.
Wegen der politischen Zersplitterung unseres Vaterlandes war bis in die neueste Zeit hinein an ein kolonialpolitisches Vorgehen nicht zu denken, und die traurigen Zustände der Vergangenheit hatten den Gesichtskreis so eingeengt, dass die deutschen Kolonialbestrebungen von Anfang 'an mit Vorurteilen zu kämpfen hatten. Zahlreiche Gegner eiferten und eifern noch heute gegen alle kolonialen Erwerbungen, die sie als kostspielig, nutzlos, schädlich und gefährlich betrachten. Aber trotz aller gegenteiligen Ansichten und Befürchtungen sind diejenigen