Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1904) Die außereuropäischen Erdteile nebst den deutschen Kolonien
Entstehung
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Amerika.

nicht überschwemmtem und daher trocknern uud festern Boden (der terra firme). In jenem bilden die Palmen mit ihrem lebhaft wechselnden Grün den ganzen Schmuck des Waldes, während sie in diesem unter den dunkelgrünen Laubmassen der sie überragenden hochstämmigen Lorbeer- und Ficus-Arten verschwinden. Dem Über- schweinmungs- oder Uferwalde fehlen ferner fast ganz die Lianen und Schmarotzergewachse, die in dem Hochwalde sehr häufig sind. Von eigenartigen Holzgewächsen der Selvas seien noch eine bis 60 m hohe Myrtacee, deren kopfgroße Früchte die Paranüsse enthalten, die Kautschuk liefernden Euphorbiaceen und der Kakao­baum zu erwähnen. Aus dem Amazonenstromgebiete stammt auch die prächtige Wasserpflanze Victoria regia.

Von großen Tieren kommen im Gebiet des Amazonenstroms Puma, Jaguar, Bären, Tapir, viele Affen, Schlangen und in den Flüssen Kaimans- oder Alligatoren vor, sowie zwei Wassersäugetiere, nämlich der Lamantin, auch Seekuh genannt, und eine Delphinart (üelphinus amazonicus), die sich offenbar allmählich an das Süß­wasser gewöhnt haben und bis an den Fuß der Cordillere vor­dringen. Farbenprächtige Papageien, Kolibris und Schmetterlinge beleben die Wälder. In den Llanos leben Herden von verwilderten Pferden und Rindern.

b) Das Kulturbild.

Für den Pflanzenbau sind die nördlichen Gebiete Südamerikas ebenso hervorragend geeignet wie der tropische Teil der Monsun­länder Südasiens. Auch der Boden läßt nichts zu wünschen übrig. Aber die Gunst des Klimas und des Bodens für das Wachstum der Pflanzen wird erst wenig ausgenutzt. Die geringe Küsten­gliederung, das heiße Klima und der ungeheure Urwald hemmten das Vordringen des Menschen, und diese Schwierigkeiten ließen seine Tatkraft erschlaffen. Der weitaus größte Teil des riesigen Gebiets ist noch unberührt von seinem Schaffen. Noch braust und stürmt der Amazonenstrom ungefesselt dahin, noch düngt er mit seinem fruchtbaren Schlamme nur den dunkeln Urwald, noch werden dessen Reichtümer nur zum kleinen Teil verwertet, und auch im Boden der Gebirge schlummern mineralische Schätze aller Art!

Gleich dem Monsungebiete Südasiens ist der tropische Teil Südamerikas die Heimat mancher Kulturgewächse, z. B. des Kakao, Tabaks, Chinarindenbaumes und von Kaut­schukpflanzen. Die beiden letztgenannten Gewächse sind auch wildwachsend Gegenstand wirtschaftlicher- Ausbeute. Ihretwegen drang der Mensch in die furchtbare Waldwildnis vor, um fern von aller Kultur die wertvolle Chinarinde uud in neuerer Zeit den geschätzten Kautschuk zu sammeln. Der Chinarinden­baum kommt in den Gebirgswäldern des Westens vor, wo das Sammeln der Chinarinde besonders zu Anfang der 2. Hälfte