Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1904) Die außereuropäischen Erdteile nebst den deutschen Kolonien
Entstehung
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Amerika.

fuhrhafen für die vieh- und getreider eichen Gegenden des obern Mississippi (vgl. folg. Abschn.) und hat sich zu dem Haupt- verkehrspunkte des ganzen Nordens der Vereinigten Staaten ent­wickelt. Nicht weniger als 35 Eisenbahnlinien laufen dort zusammen, so daß Chikago zugleich als der bedeutendste Eisen­bahnknotenpunkt auf der Erde gelten kann.

Die günstige Verkehrslage suchen auch zahlreiche und großartige industrielle Anlagen in den genannten Städten auszunutzen. Die bedeutendste Industriestadt ist Chikago, wo sich namentlich große Fabriken für Eisen- und Stahlwaren, landwirtschaftliche Maschinen, Eisenbahnwagen, Textilwaren, sowie große Viehschlächtereien befinden. In den letztern werden jährlich etwa 4 Mill. Rinder, mehr als doppelt soviel Schweine und etwa 3 Mill. Schafe geschlachtet, die einen Wert von über 1 Milliarde besitzen. Der Wert aller Erzeugnisse Chikagos beträgt etwa 3 Milliarden Mark. Auch Detroit und Cleveland sind sehr gewerbtätig. Da sie in der Nähe des Kohlen­gebiets von Pennsylvanien liegen (vgl. folg. Abschn.), hat sich in ihnen vor allem die Eisen- und Stahlindustrie entwickelt. In Cleveland wird ferner der Schiffsbau rege betrieben, während Milwaukee durch seine großen Bierbrauereien hervorragt. Der Niagara-Fall wird in großartiger Weise zur Erzeugung von Elektrizität benutzt.

Die reiche Entfaltung des wirtschaftlichen Lebens, besonders in den blühenden Städten, ist das Werk der eingewanderten euro­päischen Bevölkerung. In Kanada, das anfangs unter französischer Herrschaft stand, wanderten zuerst viele Franzosen ein. Später wogen die englisch redenden Einwanderer vor, so daß die Franzosen jetzt nur noch 3 /io der Bevölkerung ausmachen. In den südlich von den Kanadischen Seen gelegenen Gebieten, die zu den Vereinigten Staaten gehören, siedelten sich auch viele Deutsche an, namentlich in den Städten. Sie bilden z B. in Chikago fast Vs, in Milwaukee sogar die Hälfte der Bewohner. Die frühere indianische Bevölkerung des Gebietes ist durch die europäische Einwanderung stark zurückgedrängt worden. In ganz Kanada beträgt die Zahl der Indianer nur noch knapp 100 000. Die Bemühungen, dieselben seßhaft zu machen und für den Acker­bau zu gewinnen, haben meistens Erfolg gehabt.

2. Das Gebiet des Mississippi nebst den Alleghanys und dem atlantischen Küstenlande.

a) Das Landschaftsbild.

Südlich von der Mündung des Lorenzstromes zieht sich die atlantische Küste Nordamerikas, nachdem sie noch die stark abgeschnürte Halbinsel Neu-Schottland gestaltet hat, nach SW hin, bis sie zur Gestaltung der weit vorspringenden Halbinsel