Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1904) Die außereuropäischen Erdteile nebst den deutschen Kolonien
Entstehung
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Australien und Ozeanien.

Blätter tragen. Den Anblick des Mallee-Scrubs schildert Jung in folgender Weise:Es ist ein außerordentlich trauriger Anblick, der sich dem Auge des Beschauers von irgend einem höher ragenden Punkte in solcher Landschaft dar­bietet. Soweit der Blick reicht, breitet sich unter ihm, einem düstern, wogen­den Meere vergleichbar, eine monotone Laubmasse, deren Farben selbst das wechselnde Sonnenlicht kaum höheren Wert zu verleihen vermag. Selten unter­bricht ein emporragender Stamm, das Herausscheinen des roten Sandbodens die wechselarme Fläche, und die Stille des Todes lagert über solchen Strichen, in welche sich höchstens eine genügsame Echse, selten ein zwerghafter Bewohner aus der Vogelwelt verirrt."

Während der Mallee-Scrub dem Vordringen des Menschen wohl hinderlich ist, dasselbe aber immerhin noch gestattet, da die glatten, elastischen Stämmcheu der Eukalyptus-Arten sich dem Drucke bereitwillig fügen, ist der Mulga-Scrub, der jedoch eine geringere Verbreitung hat und vorwiegend im Innern des Erd­teils vorkommt, stets der Schrecken der Forschungsreisenden und oft deren Ver­deiben gewesen. Derselbe setzt sich fast ausschließlich aus Akazienarten zu­sammen, welche mit furchtbaren Stacheln bewehrt sind und stellenweise so dicht verflochtene Dornhecken bilden, daß ein Durchdringen ganz unmöglich ist. Nur die Schafzüchter ziehen den Mulga-Scrub dem Mallee-Scrub vor, weil sein Boden in der Regel, wenn auch spärlich, mit Gras und Kräutern bewachsen ist und auch das Laub der Zweige von den Schafen gern gefressen wird. Ebenso furcht­bar wie die Dorndickichte sind auch die mit dem scharfzahnigen Stachelschwein­gras bewachsenen, in der Regel gänzlich wasserlosen Wüstengegenden Australiens.

Noch eigenartiger als die Pflanzenwelt ist die Tierwelt Australiens. Die Säugetierarten Europas, Afrikas und Asiens fehlen fast alle, und an ihre Stelle treten viele irrten Beutel­tiere, wie das herdenweise lebende Känguru. Zu diesem selt­samen Geschöpf mit den langen Hinterbeinen gesellen sich als nicht weniger merkwürdige Tiere Ameisenigel und Schnabeltier. Ein verwilderter Hund, der wolfsähnliche Dingo, ist die einzige Raubtierart. Eine mit dem afrikanischen Strauß verwandte Vogel­art ist der Emu.

b) Das Kulturbild.

Das erst zu Anfang des 17. Jahrhunderts von Europäern betretene Festland Australien bot der menschlichen Besied­lung große Schwierigkeit dar. Die Kultureroberung des innern Erdteils wurde vor allem durch seine schwere Zugänglich­keit gehemmt. Es fehlen die Buchten und Ströme, die tief ins Innere hineinführen; an der Ostküste, die als die gastlichste die ersten Ansiedler am meisten gelockt hatte, waren sehr steile Auf­stiege zu überwinden; sobald aber die Küstenzone durchschritten war, hemmte das harte Stachelschweingras oder das Dorndickicht (Skrub) der australischen Steppe den Fuß. Zu diesen Schwierig­keiten gesellten sich die Mühsalen des Klimas, sengende Hitze und Wassernot fast immer und überall. Auch an jeglicher Nahrung fehlte es, da Australien fast keine einheimischen Kulturgewächse besitzt. So erschien das Innere des Erdteils unzugänglicher und kulturfeindlicher als die Wüste Sahara, und erst in wenigen Ge­bieten, besonders den Küstenstrichen, hat der Mensch eine wirk­liche Heimstätte gefunden.