Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1904) Die außereuropäischen Erdteile nebst den deutschen Kolonien
Entstehung
Seite
181
Einzelbild herunterladen
 

Das Tiefland von Nordasien oder Sibirien.

181

Wie im Oberflächenbilde, so weichen West- und Ostsibirien auch im Klima und im Vegetationsbilde von einander ab. Das Klima Ostsibiriens ist, weil dieses Land im allgemeinen höher liegt und noch mehr durch Gebirge vom Meereseintiusse abgeschnitten ist, noch kälter als das von Westsibirien, und das Gebiet auf der rechten Seite der untern Lena, bei Werchojansk, ist das kälteste auf Erden. . ^

J&rtAAAßuf

Jakutsk (unter 62° N) hat eine mittlere Jahrestemperatur von43, eine Julitemperatur von 19. und eine Jahrestemperatur von11° C, Irkutsk, das in gleicher Breite mit Berlin liegt, Temperaturen von21, 18,5 u.10,5° (Berlin von -0,9, 18,5 und 8,9° C). Bei Werch oj an sk (unter 67V2 0 N) wurde die größte bisher beobachtete Kälte von69,8° C wahrgenommen.

Das Vegetationsbild Ostsibiriens weicht von dem West­sibiriens insofern ab, als von N nach S auf die Tundrazone nur noch die Waldzone, aber keine Steppenzone folgt, weil in der Breite, in welcher in Westsibirien das Land zur Steppe wird, hohe waldreiche Gebirge aufragen.

b) Das Kulturbild.

Seiner Bodenbeschaffenheit nach wäre Sibirien für den Anbau hervorragend geeignet; denn im N wird sein Boden von Ablagerungen der Eiszeit und von den Anschwemmungen der großen Ströme, im S von einer 12 Fuß dicken Schicht humusreicher Schwarzerde, die auf Löß und Lehm lagert, gebildet. Das Klima schränkt aber die Anbaufähigkeit des Landes sehr ein. Von der rund 14 Mill. qkm. betragenden Gesamtfläche Sibiriens (ein­schließlich der Kirgisensteppe) können nur etwas mehr als 4 Mil­lionen*), also noch kein Drittel, für den Anbau in Betracht kommen. Ausgeschlossen bleibt zunächst im N die ganze Tundrazone, sowie ein Teil der Waldzone, weil dort die Sommerwärme zu einer reichern Entfaltung des Pflanzenlebens nicht ausreicht, ferner im äußersten S ein Teil der Steppe, weil dort Hitze und Trockenheit zu groß sind. Die Nordgrenze des Ackerbaues wird durch eine Linie bezeichnet, die von der Mündung des Irtysch in den Ob über die Stadt Jenisseisk und das Nordende des Baikal-Sees zur Amurmündimg zieht; dieselbe weicht also im 0 nach S zurück. Die Südgrenze des Ackerbaues durchschneidet die Kirgisen­steppe und läuft am Nordende des Aral- und Balkasch-Sees vorbei nach 0 durch die sog. Hungersteppe. Auch innerhalb dieser bei­den Linien ist nicht alles Land anbaufähig. In der Waldzone ist der Boden vielfach sumpfig, in der Steppenzone, die für Anbau und Besiedelung ungleich höhern Wert hat, stellenweise stark vom Salze durchtränkt.

*) Nach dem Bericht von Auhagen, dem landwirtschaftlichen Sach­verständigen für das östliche Rußland beim Kaiserlichen Generalkonsulate in St. Petersburg.