Das Tiefland von Nordasien oder Sibirien.
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Wie im Oberflächenbilde, so weichen West- und Ostsibirien auch im Klima und im Vegetationsbilde von einander ab. Das Klima Ostsibiriens ist, weil dieses Land im allgemeinen höher liegt und noch mehr durch Gebirge vom Meereseintiusse abgeschnitten ist, noch kälter als das von Westsibirien, und das Gebiet auf der rechten Seite der untern Lena, bei Werchojansk, ist das kälteste auf Erden. . ^
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Jakutsk (unter 62° N) hat eine mittlere Jahrestemperatur von —43, eine Julitemperatur von 19. und eine Jahrestemperatur von —11° C, Irkutsk, das in gleicher Breite mit Berlin liegt, Temperaturen von —21, 18,5 u. —10,5° (Berlin von -0,9, 18,5 und 8,9° C). Bei Werch oj an sk (unter 67V2 0 N) wurde die größte bisher beobachtete Kälte von —69,8° C wahrgenommen.
Das Vegetationsbild Ostsibiriens weicht von dem Westsibiriens insofern ab, als von N nach S auf die Tundrazone nur noch die Waldzone, aber keine Steppenzone folgt, weil in der Breite, in welcher in Westsibirien das Land zur Steppe wird, hohe waldreiche Gebirge aufragen.
b) Das Kulturbild.
Seiner Bodenbeschaffenheit nach wäre Sibirien für den Anbau hervorragend geeignet; denn im N wird sein Boden von Ablagerungen der Eiszeit und von den Anschwemmungen der großen Ströme, im S von einer 1—2 Fuß dicken Schicht humusreicher Schwarzerde, die auf Löß und Lehm lagert, gebildet. Das Klima schränkt aber die Anbaufähigkeit des Landes sehr ein. Von der rund 14 Mill. qkm. betragenden Gesamtfläche Sibiriens (einschließlich der Kirgisensteppe) können nur etwas mehr als 4 Millionen*), also noch kein Drittel, für den Anbau in Betracht kommen. Ausgeschlossen bleibt zunächst im N die ganze Tundrazone, sowie ein Teil der Waldzone, weil dort die Sommerwärme zu einer reichern Entfaltung des Pflanzenlebens nicht ausreicht, ferner im äußersten S ein Teil der Steppe, weil dort Hitze und Trockenheit zu groß sind. Die Nordgrenze des Ackerbaues wird durch eine Linie bezeichnet, die von der Mündung des Irtysch in den Ob über die Stadt Jenisseisk und das Nordende des Baikal-Sees zur Amurmündimg zieht; dieselbe weicht also im 0 nach S zurück. Die Südgrenze des Ackerbaues durchschneidet die Kirgisensteppe und läuft am Nordende des Aral- und Balkasch-Sees vorbei nach 0 durch die sog. Hungersteppe. Auch innerhalb dieser beiden Linien ist nicht alles Land anbaufähig. In der Waldzone ist der Boden vielfach sumpfig, in der Steppenzone, die für Anbau und Besiedelung ungleich höhern Wert hat, stellenweise stark vom Salze durchtränkt.
*) Nach dem Bericht von Auhagen, dem landwirtschaftlichen Sachverständigen für das östliche Rußland beim Kaiserlichen Generalkonsulate in St. Petersburg.