Ich habe die Reise in die deutschen Kolonien von vornherein als einen Ausfluß meines Reichstagsmandates aufgefaßt. Es ist mir keineswegs leicht geworden, dem an mich herangetretenen Wunsch nachzukommen mit Rücksicht auf Gesundheit, Familie und Beruf. Jetzt aber, wo ich mein Tagebuch durchblättere, bedauere ich die Strapazen der Reise nicht mehr, denn das Ganze war doch glühend interessant, eine Zeit, in der man nicht nur gelebt, sondern vieles erlebt hat und in der wir alle mit einer Jntensivitüt unsere Kenntnisse bereichert und unsere Urteilsfähigkeit geschürft haben, wie sie auch dem Abgeordneten, der lernen muß, in Kürze das Wesentliche zu erfassen, gewiß nur selten zuteil wird. Auf wiederholt an mich herangetretene Wünsche, meine Eindrücke über die deutschen Kolonien Togo und Kamerun herauszugeben, vervollständige ich hiermit nachträglich meine Tagebuchblätter für die Öffentlichkeit. Von der genauen Reihenfolge der Erlebnisse freilich will ich absehen, weil die historische Berichterstattung über den Verlauf der Reise anderweitig mehrfach erfvlgt ist. Und auf die Gefahr, sprunghaft zu schreiben, will ich das Erlebte mit den Reflexionen verbinden, die ich selbst gleichzeitig oder später daran geknüpft habe.
Mein letzter Brief schloß mit dem Tod von Fries ab. Der erschütternde Eindruck auf uns wurde verstärkt durch
Togo und Kamerun. 1