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Geschichte der deutschen Kolonialpolitik / von Alfred Zimmermann
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Schluß.

der Umwandlung der Kolonialabteilung des Ausroär- tigen Amtes in ein selbständiges Reichs-Kolonialamt sind sechs Jahre verflossen. Aber bereits der dritte Staats­sekretär steht an der Spitze der neuen Behörde. Herr B. Dernburg hat sein Amt im Juni 1910 niedergelegt. Sein Rücktritt wurde meist als Folge des Sturzes des Reichskanzlers Fürsten Bülow auf­gefaßt. An seine Stelle ist sein Unterstaatssekretär v. Lindequist getreten, der das Staatssekretariat bis zum November 1911 be­kleidet hat. Er ist von seinem Posten zurückgetreten, da er mit dem ohne seine Mitwirkung zustande gekommenen Vertrags vom 4. November 1911 nicht einverstanden war, durch den Frankreich gegen Verzicht deutscher Rechte in Marokko Teile seiner Kongo­kolonie an Deutschland abtrat. Zum Nachfolger ist umgehend der Gouverneur Samoas, Dr. Solf, ernannt worden, der seine Lauf­bahn als Kanzler des Generalkonsulats in Kalkutta begonnen hat und später in der Kolonialabteilung und in Ostafrika tätig ge­wesen ist.

Das Verdienst des ersten Staatssekretärs ist es gewesen, die bis dahin Unternehmungen in den deutschen Kolonien ziemlich ab­lehnend gegenüberstehende Geschäftswelt, nach und nach dafür zu er­wärmen. Er begann seine Tätigkeit damit, daß er in verschiedenen Teilen Deutschlands persönlich in öffentlichen Vorträgen die Aus­sichten der Kolonien klarlegte.i) Wie er später") gelegentlich aus­geführt hat, fand er bei Antritt seines Amtes,daß das deutsche

1) Die Vorträge sind als Broschüren veröffentlicht worden: Koloniale Finanzproblcme. Berlin 1307. Koloniale Erziehung. München 1907. Süd- roestafrikanische Eindrücke und industrielle Fortschritte in den Kolonien. Berlin 1909. Die Werbebedingungen für erfolgreiche koloniale und überseeische Be- tätigung. Berlin 1912.

2) Berliner Tageblatt Nr. 136 vom 11. 4. 11. Aufsatz: Weltwirtschaft und Binnenroirtschaft.