5. Südwestafrika.
281
gegenwärtig 13 962 Europäer, wovon 1906: 9283, 1912: 11140 Deutsche waren. Dazu kommt eine deutsche Truppe von 1970 Mann und eine Polizeimacht von 613 Deutschen.
6. Kaiser Wilhelmsland.
Kaiser Wilhelmsland und Zubehör sind, nachdem die Mittel der Neu-Guinea-Kompagnie, der keinerlei Erfolge beschieden, erschöpft waren, auf Grundlage eines Vertrags mit dem Reiche am 1. April 1399 ins Eigentum des letzteren übergegangen.^) Da die Verwaltung der Kolonie bereits in den Händen von Reichsbeamten lag, äußerte sich der Wechsel nur im Etat des Reiches, das fortan die Kosten zu tragen hatte. Der letzte Landeshauptmann der Kompagnie, v. Hagen, war bei einer Straferpedition im August 1897 von Eingeborenen getötet worden. Der erste Vertreter des Reichs wurde der lange Jahre in Ostafrika als Finanzdirektor tätig gewesene Herr v. Bennigsen mit dem Titel Gouverneur.
Die Kompagnie verwandte nach der Ablösung der Hoheitsrechte alle Mittel auf Anlage von Pflanzungen, wie das bereits einige andere Unternehmer dort taten. Außerdem fuhr sie fort, das Land und seine Hilfsquellen erforschen zu lassen. Leider wollte der Kompagnie auch damals das Glück nicht wohl. Sie verlor wiederholt Schiffe; Mißernten suchten die Pflanzungen heim; die Arbeiterbeschaffung machte große Schwierigkeiten; Seuchen aller Art rafften die meisten Angestellten weg.
Die neue Verwaltung legte vor allem Gewicht darauf, das Land allmählich durch Wegebauten zu erschließen und mit den Eingeborenen in regelmäßige freundschaftliche Beziehungen zu gelangen. Hierbei wirkten besonders die verschiedenen Missionsgesellschaften mit. Zur Bekämpfung des Fiebers wurde 1901 ein Mitarbeiter Geheimrat Kochs nach der Kolonie gesandt.
20) Der Vertrag hat scharfe Kritik im „Deutschen Wochenblatt" vom 4. Februar 1399 durch den früheren Beamten der Neu-Guinea-Kompagnie, Hans Blum, erfahren. Die Kompagnie wehrte sich dagegen in einer Flugschrift: „Der Vertrag zwischen dem Reiche und der Neu-Guinea-Kompagnie". Berlin 1L99. Deutscher Verlag.