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Geschichte der deutschen Kolonialpolitik / von Alfred Zimmermann
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Fünfter Teil. 18961907.

1. Von der Kolonialabteilung zum Reichsamt.

er Nachfolger Geheimrat Dr. Kaysers in der Kolonial­abteilung des Auswärtigen Amtes wurde Geheimer Lega­tionsrat Freiherr v. Richthofen, der seit längerer Zeit den Posten des Bevollmächtigten Deutschlands bei der Internationalen Schuldenkommission in Kairo bekleidet hatte. Der Vater des Frei­herrn v. Richthofen hatte viele Jahre für Preußen im Orient gewirkt, war zur Zeit der unglücklichen Unternehmung des Erz­herzogs Maximilian Vertreter Preußens in MeXiko und nachher lange Zeit sein Gesandter in Hamburg gewesen. Der Sohn war als Konsul im Auslande und später längere Zeit als Vortragender Rat im Auswärtigen Amte tätig, ehe er den viel umworbenen Posten in Kairo erhielt. Schon früher hatte er sich auf Befragen des Reichskanzlers Grafen Caprivi zur Übernahme der schwierigen Erbschaft Eeheimrat Dr. Kaysers bereit erklärt.

Es befähigten ihn dafür nicht allein seine Kenntnis der kolo­nialen Verwaltungsmethoden Englands, sondern auch seine aus­gebreiteten Beziehungen zur Geschäfts- und Finanzwelt und seine Gewandtheit. Er war so wenig Bureaukrat wie sein Vorgänger, besaß einen scharfen offenen Blick für alle Lebensverhältnisse und zeichnete sich ebenso wie Dr. Kayser durch liebenswürdige und verbindliche Formen aus. Die näheren Verhältnisse der deutschen überseeischen Besitzungen waren ihm fremd, aber er kannte genau den größten Teil der dort tätigen und meistgenannten Persönlich­keiten, die ihm vielfach in Ägypten und sonst begegnet waren, und war in vieles eingeweiht, was dem größeren Publikum un­bekannt geblieben.

Freiherr v. Richthofen stand der ganzen deutschen Kolonial­bewegung, wenn auch wohlwollend, so doch sehr nüchtern und