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Ansiedlerschicksale : elf Jahre in Deutsch-Südwestafrika 1893 - 1904 / von Helene von Falkenhausen, geb. Nitze
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gesang der Weiber nicht in seinem Handelsgeschäft stören. <Lr suchte für seine Frauen Stoffe zu Kleidern, denn er hatte beschlossen Christ zu werden; fürs erste jedoch blieb er noch bei seinem Harem und machte den Anfang zu seiner Bekehrung, indem er die Frauen einkleidete. Auf meine Frage, wer die Rleider anfertigen würde da das Nähen bei ihnen eine unbekannte Runst ist, erwiderte Rambombo, das Zuschneiden besorge er schon und riß gleich den Stoff in verschieden lange Stücke, die, wie er sagte, zum Rock bestimmt seien. Meine Frage mochte ihn wohl zu der Bitte ermuntert haben, ich möchte ihm das Nähen der Kleider besorgen. Natürlich lehnte ich das ab, wurde aber den ganzen Tag über mit diesem Ersuchen belästigt.

36. Unsere Lebensführung unterwegs.

Wir hielten uns noch den folgenden Tag auf Ram- bombos Platz auf. Ls war eine glühend heiße Zeit, und jeden Nachmittag zog regelmäßig ein Gewitter herauf, wäh­rend dessen wir im Wagen unterkommen mußten. Dann war natürlich das Rochen, das sonst schon mit viel Un­bequemlichkeiten verknüpft war, unmöglich; es wurde ein Stück Brot und kaltes Fleisch gegessen. Der tägliche Speise­zettel wies hier unterwegs noch weniger Abwechslung auf, als sonst. Zu dem ständigen Wildfleisch mit Reis bildeten Dörrgemüse und getrocknete Früchte das Zugericht. Solch padleben", wie wir es führten, hatte den einzigen Vorzug, wenig kostspielig zu sein. Den Luxus, mit welchem die Be­amten im Lande umherreisten, ausgerüstet mit allen erdenk­lichen Delikatessen und Getränken (sie genossen ja auch völlige Fracht- und Zollfreiheit bei hohem Gehalt), konnten sich Ansiedler, denen diese Artikel oft das dreifache kosteten, nicht leisten; wir waren froh, nur das notwendigste zum ^-Leben zu haben. Recht unbequem war auch das fort-

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