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Handbuch des Deutschtums im Auslande / Einl. von Fr. Paulsen. Statist., geschichtl. und wirtschaftl. Übersicht von F. H. Henoch. Hrsg. vom Allgemeinen Deutschen Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande
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Samoa. Neu-Guinea.

Die neuere Geschichte setzt mit dem 1868 beginnenden Bürgerkriege ein. In seinem Verlause wollte ein amerikanischer Abenteurer die Inseln der Union in die Nände spielen, indessen der Kongreß in Washington lehnte es ab. Gleichfalls, als 1877 der amerikanische Konsul ohne Austrag das Sternenbanner gehißt hatte. 1878 ließen die Vereinigten Staaten sich aber durch einen Freundschafts- Vertrag den Hafen Pangopango zusprechen, worauf ein deutsches Kriegschiff Saluasata auf Uvolu besetzte und durch Vertrag als Kohlenstation bestätigt erhielt.

Die Rivalität unter den drei beteiligten Nationen hatte Bürgerkriege im Gefolge, bei denen sogar das deutsche Konsulat nicht geschont wurde. Ehe die zur Schlichtung der Streitpunkte von Bismarck nach Berlin berusene Konferenz zusammentrat, vernichtete ein Taifun in der Bai von Avia am 16. März 1889 zwei deutsche KriegschiffeAdler" undEber", zwei amerikanische und viele Handelssahrzeuge.

Die Berliner Samocckonferenz schuf nur für kurze Zeit Ruhe. Bald begannen wieder Zwistigkeiten zwischen den verschiedenen Thronbewerbern. Als in diese am 15. März 1899 englische und amerikanische Kriegschiffe eingriffen und in und um Avia durch Beschießen weniger das Eigentum der Eingeborenen als das der deutschen Pflanzer schädigten, wurde eine Kommission eingesetzt, die am 24. November 1899 folgenden Vertrag zu stände brachte: England verzichtet auf Samoa und bekommt dafür den größten Teil der deutschen Salomonsinseln, sowie die Tongagruppe, Amerika erhält Tutuila und Manua, Deutschland Sawaii und Uvolu. Hier hat am 1. März 1900 der Gouverneur die schwarz-weiß-rote Flagge gehißt.

Neu-Guinea.

Am 11. November 1880 bildete sich in Berlin eine Gesellschaft zur Schaffung großer Kolonialunternehmungen in der Südsee. Sie hätte auch, nach­dem sie sich am 26. Mai 1884 alsNeu-Guinea-Komvanie" konstituiert hatte, ohne Zutuu der Regierung dies Gebiet besetzt, wenn nicht England aus Betreiben seiner australischen Kolonien auf Neu-Guinea und sämtliche Südsee-Jnseln der Nachbarschaft Ansprüche erhoben hätte. Darum half das Reich mit deutscheu Kriegschiffen, die am 16. November 1884 an verschiedenen Punkten der Nord­küste der Insel die schwarz-weiß-rote Flagge aufzogen.

Der drohende Konflikt mit England wurde friedlich beigelegt, am 6. April 1886 wurde eine Scheidungslinie festgesetzt und am 13. Dezember desselben Jahres wurde der Kaiserliche Schutzbries der Neu-Guinea-Kompanie auch auf die Salomonsinseln ausgedehnt. Am 1. April 1899 wurde dasSchutzgebiet von Deutsch-Neu-Guinea" vom Reiche übernommen. Am 18. Juli desselben Jahres wurden dem Gebiete die von Spanien käuslich erworbenen Karolinen-, Marianen- und Palau-Jnseln angegliedert, die 1885 Leo XIII., von Bismarck als Schieds­richter angerusen, den Spaniern zugesprochen hatte, obgleich Handel und Plantagen, zum großen Teil deutsch waren.

Das wichtigste Produkt der Insel ist Kopra, nächstdem kommen als Aus­suhrgegenstände Trepang und Perlschalen in Betracht. Aber auch der Plantagen­bau auf Baumwolle und Kaffee, besonders im Bismarck-Archipel, ist vielver­sprechend. Außerdem ist in Kaiser Wilhelm-Land Gold gefunden worden.

Ueber Geschlecht und Beruf der weißen Bevölkerung gibt die umstehende Tabelle Auskunft.

Deutsch-Neu-Guinea ist seit 1900 durch einen regelmäßigen Postdienst an den Weltverkehr angeschlossen worden. Der Norddeutsche Llorjd macht in Ver­bindung mit seiner australischen und seiner ostasiatischen Linie Fahrten von Sidnen, Brisbane und andern queensländischen Häfen nach Friedrich Wilhelms-Hafen und