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Geschichte der deutschen Kolonialpolitik / von Alfred Zimmermann
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Vorrede.

Nicht Eroberungssucht, Ehrgeiz, Abenteuerdrang oder vor­übergehende Laune haben die Lenker der Geschicke des Deutschen Reichs veranlaßt, unter Bruch mit alten Überlieferungen und Grundsätzen überseeische Länder zu erwerben. Es hat sie dazu die Erkenntnis des dringenden Bedürfnisses nach sicheren eigenen Betätigungsfeldern für Handel und Wandel Deutschlands ge­nötigt. Je bedeutender diese sich entfalteten, um so fühlbarer wurde für sie das fortgesetzte Bestreben der fremden Staaten nach Absperrung ihrer Grenzen gegen fremden Wettbewerb. Ins­besondere peinliche Folgen für Deutschland hatte die seit Anfang der achtziger Jahre immer stärker hervortretende Neigung der großen englischen Kolonien, sich fremden Unternehmern zu ver­schließen. Während früher jede Erweiterung englischer Herrschaft in der Welt dem Handel und der Schiffahrt aller Länder zu­gute kam, bedrohte sie unter den veränderten Umständen den Fortbestand der in herrenlosen Gebieten vorhandenen deutschen Unternehmungen und mußte ihre Ausdehnung für die Zukunft unterbinden.

Deutschland wurde dadurch geradezu in die Notwendigkeit versetzt, bei der Aufteilung der noch nicht vergebenen Stücke der Welt sich einen bescheidenen Anteil für seine Bedürfnisse zu sichern.

Schwer genug ist ihm die Erreichung dieses berechtigten Ziels durch die Länder gemacht worden, die von alters her in den außereuropäischen Gebieten Fuß gefaßt hatten. Die Not­wendigkeit, Schritt für Schritt ihr Übelwollen und ihre Eifersucht zu überwinden und sie mit der neuen Nachbarschaft auszusöhnen, hat lange Zeit in Anspruch genommen und viele Verlegenheiten und Verwicklungen nach sich gezogen. Andere Schwierigkeiten sind aus dem Bedürfnis, Ordnung in den neuen Erwerbungen herzu­stellen und sie dem Handel und Verkehr zu eröffnen, erwachsen.