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Deutschlands Kolonien : Erwerbungs- und Entwicklungsgeschichte, Landes- und Volkskunde und wirtschaftliche Bedeutung unserer Schutzgebiete ; mit 8 Tafeln, 31 Abbildungen im Text und 6 Karten / von Kurt Hassert
Entstehung
Seite
207
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Die Kiautschou-Bucht.

Als der Friede von Schimonoseki 1895 den Krieg zwischen China und Japan beendet hatte, zögerten die am ostasiatischen Handel be­teiligten Mächte nicht, ihre Interessen nachdrücklichst zu wahren und sich wichtige Vorteile für die Unterstützung zu sichern, die sie dem ge­schlagenen Riesenreiche bei den Friedensverhandlungen hatten angedeihen lassen. Es ward immer deutlicher, dass sich der wirtschaftliche und industrielle Fortschritt Chinas nicht mehr aufhalten liess. Das ungeheure Land war für die Erschliessung durch europäisches Kapital reif ge­worden und versprach, einer der zukunftsreichsten Weltmärkte zu werden, nachdem sich seine riesige, arbeitsame Bevölkerung solange gegen das Ausland ablehnend verhalten hatte. Sehr fraglich ist es, ob Chinas Teilnahme am Welthandel dereinst zum Heile Europas sein wird und ob wir uns späterhin der chinesischen Nebenbuhlerschaft werden er­wehren können. Nachdem aber der mehr oder minder gewaltsame Eröffnungsprozess einmal eingeleitet ist, gilt es, möglichst viel von dem zunächst zu erwartenden Gewinn einzuheimsen. Zu diesem Zwecke und um gleichzeitig die politische Entwicklung im fernen Osten besser zu überschauen, beeilten sich Russland, England und Frankreich, den massgebenden Einfluss, den sie bereits auf jenem verheissungsvollen Schauplatze des wirtschaftlichen Wettbewerbs ausübten, noch mehr zu festigen. Nur Deutschland unterliess es, sich eine starke Stellung zu schaffen, obgleich sie eine unabweisbare Notwendigkeit war. Das zeigte nicht bloss der eben zu Ende gegangene Krieg, sondern nicht minder drängte darauf hin der deutsch-chinesische Handel, der in den letzten Jahrzehnten sich verdreifacht hatte und heute unmittelbar, wenn auch in weitem Abstände, hinter dem englischen folgt. Musste doch die erst 1886 eingerichtete Reichspostdampferlinie sehr bald die Zahl ihrer Schiffe verdoppeln und statt des vierwöchigen den 14-tägigen Betrieb einführen!

Allerdings erhielten wir beim Friedensschluss zwei sogenannte Kron­konzessionen d. h. zwei Gebiete, die, obwohl chinesisches Eigentum,