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Deutschlands Kolonien : Erwerbungs- und Entwicklungsgeschichte, Landes- und Volkskunde und wirtschaftliche Bedeutung unserer Schutzgebiete ; mit 8 Tafeln, 31 Abbildungen im Text und 6 Karten / von Kurt Hassert
Entstehung
Seite
78
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2. Landes- und Volkskunde der deutschen Schutzgebiete.

Deutsch - Ostafrika.

Deutsch-Ostafrika ist unsere grösste Kolonie und i 3 / 4 mal so gross als das Deutsche Reich, indem es ein gewaltiges unregelmässiges Viereck von 995000 qkm Flächeninhalt darstellt. Politisch umgrenzt durch englischen und portugiesischen Kolonialbesitz und durch den Kongostaat, wird es im Osten vom Indischen Ozean bespült, während im Westen die grossen afrikanischen Binnenseen die zweite oder innere Küste des Schutzgebietes bilden. Im Süden verläuft die Fluss­grenze des Ruwuma, und im Norden erhebt sich als charakteristischer Grenzpfeiler der Kilimandjaro.

Trotz der dürftigen Gliederung des dunklen Erdteils beschreibt die deutsch-ostafrikanische Küste, die Mrima, einen immerhin buchtenreichen Bogen, der mit 750 km Länge etwa unserer deutschen Westgrenze entspricht. Zahlreiche kleinere und drei grössere Inseln, Pemba (964 qkm), Sansibar (1591 qkm) und Mafia (523 qkm), von denen nur die südlichste deutsch ist, begleiten die vielfach versumpfte, wenig über den Meeres­spiegel emporragende Festlandsküste. Sie besteht nebst den vorgela­gerten Inseln aus Korallenkalk, der durch die Brandung oberflächlich zu einer mächtigen Sandschicht zerrieben worden ist. Dürftiges Gras überzieht die blendendweissen Sanddünen. Den schlammigen Ufersaum aber bedeckt in unentwirrbarem Dickicht die fast allen tropischen Flach­küsten eigentümliche Mangrove (Rhizophora Mangle und Rhizophora mucronata), eine sonderbar gestaltete baumartige Wasserpflanze mit einem hohen Gestell vielverzweigter Stelzwurzeln und einem Gewirr von Luftwurzeln, die sich sämtlich tief in den Schlamm einbohren, um den Stamm gegen die Gewalt der Flut zu schützen. Die spindelförmigen, einer langen Cigarre gleichenden Samen lösen sich durch ihre Schwere aus der an den Ästen zurückbleibenden Fruchthülle los, bohren sich tief in den weichen Morast ein und wachsen dann zu einem neuen Gebüsch heran. Wo das Brackwasser aufhört und die höheren Uferböschungen