Print 
Deutschlands Kolonien : Erwerbungs- und Entwicklungsgeschichte, Landes- und Volkskunde und wirtschaftliche Bedeutung unserer Schutzgebiete ; mit 8 Tafeln, 31 Abbildungen im Text und 6 Karten / von Kurt Hassert
Place and Date of Creation
Page
149
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Deutsch-Südwestafrika.

Deutsch-Südwestafrika nimmt unser Interesse besonders dadurch; in Anspruch, dass es die erste deutsche Kolonie war und für absehbare Zeit unsere einzige Besitzung ist, die eine Besiedelung mit Nordeuropäern möglich macht. Als ein nach Norden breiter werdendes, längliches Vier­eck erstreckt sich das Schutzgebiet durch 11 !/ 2 Breitengrade zwischen dem Oranjestrom im Süden und dem Kunene im Norden, vom Atlan­tischen Ozean bis an und über 20 0 O. und steht längs des Tschobe- flusses durch einen schmalen Streifen zweifelhaften Wertes mit Süd­afrikas wichtigster Handelsstrasse, dem Sambesi, in Verbindung. Mit 835 100 qkm Flächeninhalt stellt es unsere zweitgrösste Kolonie dar, die das Mutterland noch um Zweidrittel seines Umfangs übertrifft. Freilich bezeichnet dieser ungeheuere Raum wie bei den andern Schutzgebieten nur unser Interessenbereich, mit dem sich unser eigentliches Macht­bereich noch lange nicht deckt. Im Norden sind die Portugiesen, im Osten und Süden die Engländer unsere Grenznachbarn, und letzteren gehört auch die Walfischbai nebst einigen unbedeutenden Guano­inselchen.

Die öde, unwirtliche Küste liegt unter demselben Längengrade wie Berlin und entspricht mit rund 1500 km Länge etwa der Entfernung zwischen Berlin ^und Moskau. Wegen ihrer einförmigen Umrisse, die nur längs der Südhälfte eine etwas reichere Gliederung zeigen, ist sie arm an wohl erkennbaren Landmarken und schützenden Häfen, ein Nachteil, der um so schwerer wiegt, als in jenen Gewässern sturmartige Winde sehr häufig eintreten. Ferner flutet hier eine wilde Bran­dung, und obendrein erschwert eine nach Norden ziehende Meeres­strömung, der Benguelastrom, das Landen. Dünung und Strömung sind eifrig bemüht, die ohnehin geringe Zahl der Buchten zu versanden und ausser Gebrauch zu setzen; und um die Unzugänglichkeit und Ungast- lichkeit des Gestades zu erhöhen, erhebt sich fast unmittelbar am Strande ein 15 30 km breiter Dünengürtel, der 30150 m hoch und aus rötlichen Quarzkörnern zusammengesetzt ist. Er entstand vornehm­lich aus der Zerstörung der Gneise und Granite und ist keineswegs,