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Deutschlands Kolonien : Erwerbungs- und Entwicklungsgeschichte, Landes- und Volkskunde und wirtschaftliche Bedeutung unserer Schutzgebiete ; mit 8 Tafeln, 31 Abbildungen im Text und 6 Karten / von Kurt Hassert
Entstehung
Seite
128
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Kamerun.

Kamerun, unsere wertvollste Handels- und Plantagenkolonie, liegt im innersten Winkel des Busens von Guinea und berührt den Atlan­tischen Ozean mit einem 320 km langen Küstenstreifen, der ungefähr der Entfernung zwischen Berlin und Breslau entspricht. Umgeben von englischem und französischem Kolonialbesitz, verbreitert es sich fächer­förmig ins Innere und dringt mit einer keilartigen Spitze bis zu dem ausgedehnten Binnenmeere des Sudan, dem Tsadsee (250 m), vor. Mit 495000 qkm Flächeninhalt steht Kamerun nur wenig hinter dem Deutschen Reiche zurück und stellt unser drittgrösstes Schutzgebiet dar.

Der Name Kamerun ist dem portugiesischen Worte camaräo (See­krebs) entlehnt und kam ursprünglich bloss einem beschränkten Küsten­striche zu. Die ersten Entdecker, die Portugiesen, fanden nämlich in einer Bucht Millionen kleiner Krabben, die auch heute zeitweilig in ungeheuren Mengen auftreten und ein beliebtes Nahrungsmittel bilden. Diese merkwürdige Erscheinung gab Veranlassung zu dem Namen Kamerun- oder Krabbenbucht, der jetzt auf das ganze Schutzgebiet angewendet wird.

Die einen sanften Bogen beschreibende Küste ist mit Ausnahme der steil ins Meer stürzenden Felswände des Kamerungebirges durchweg flach und wird durch zahlreiche Flussmündungen und die beiden Ästuarien des Rio del Rey (Mashantu) und Kamerun im Norden und Süden des Kamerungebirges mannigfach gegliedert. Ästuarien sind schlauch- oder trichterförmige Buchten, die von den einmündenden Flüssen mit Süsswasser erfüllt werden, in die jedoch zur Flutzeit das Meer eindringt. Fände dieser Vorgang nicht statt, so hätte das von den Wasserläufen mitgebrachte Erdreich die Buchten schon längst aus­gefüllt. So fegt der Ozean alltäglich den Grund wieder aus und stört den ruhigen Absatz der Sinkstoffe. Das Ästuar des Rio del Rey öffnet sich seewärts mit vier grösseren langgestreckten Armen, die durch zahlreiche Nebenarme miteinander in Verbindung stehen, aber bloss kleinere Flussläufe aufnehmen. Das vielzackige Kamerunästuar dagegen, das öfters auch als Haff bezeichnet wird, ist ein seeartiges Wasserbecken,