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Deutschlands Kolonien : Erwerbungs- und Entwicklungsgeschichte, Landes- und Volkskunde und wirtschaftliche Bedeutung unserer Schutzgebiete ; mit 8 Tafeln, 31 Abbildungen im Text und 6 Karten / von Kurt Hassert
Entstehung
Seite
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Togo.

An der vor Zeiten übel berüchtigten Sklavenküste, begrenzt von den Flüssen Volta und Mono und eingeschlossen von französischem und englischem Kolonialbesitz und dem neutralen Gebiete von Salaga, liegt zwischen 5 und 11 0 N unser kleinstes afrikanisches Schutzgebiet Togo. Nur als ein schmaler, 52 km langer Streifen berührt seine Küste den Atlantischen Ozean.. Aber fächerförmig schiebt sich das Hinterland bis zu vierfacher Längenausdehnung ins Innere vor, und der Gesamt­flächeninhalt der Kolonie innerhalb der neuen Grenzen, die das deutsch­französische Abkommen von 1897 bestimmt hat, ist zu 82330 qkm berechnet worden, so dass Togo an Grösse das Königreich Bayern über­treffen würde.

Innerhalb des so umschriebenen Raumes lassen sich vom Meere aus fortschreitend vier Landschaftsgürtel, der Küstensaum, die Küstenebene, das Gebirge und das Binnenplateau, unterscheiden, deren Pflanzenkleid, Bevölkerung und wirtschaftliche Bedeutung wesentliche Abweichungen zeigt.

Der durchweg flache und völlig hafenlose Strand senkt sich lang­sam unter den Meeresspiegel und wird von einer wilden Brandung umtost, die unter dem portugiesischen Namen Calema bekannt und berüchtigt ist. Zwar gewähren die schwer rollenden und sich brechenden Wogenzüge einen prächtigen Anblick, wenn nachts beim Meerleuchten Millionen glänzender Funken aus ihnen aufsprühen, aber andererseits verbieten sie grossen Schiffen die Landung und zwingen sie, auf offener See vor Anker zu gehen. Bloss die von Jugend an mit den Schwierig­keiten und Gefahren der Brandung vertrauten Eingeborenen dürfen es wagen, Reisende und Waren aus- und einzuschiffen. Freilich kommen diese oft in sehr durchnässtem Zustande am Ziele an, und nicht selten schlagen schwerbeladene Boote um, was dann, wenn die Küstengewässer von Haifischen wimmeln, nichts weniger als angenehm ist. Zu gewissen Zeiten macht die übermächtige Gewalt der Brandung das Anlegen überhaupt unmöglich. Da diese ungünstigen Verhältnisse, die den Ver­kehr im höchsten Grade erschweren, auf die Dauer nicht bestehen bleiben können, so hat man daran gedacht, von Lome aus eine Landungsbrücke weit ins Meer bis ausserhalb der hindernden Calema