i. Geschichtlicher Uberblick.
Die Vorgeschichte der deutschen Kolonialbestrebungen.
Der Wandertrieb ist eine den Deutschen seit Urzeiten eigentümliche Erscheinung, wenngleich er vielfach auch durch die Übervölkerung bedingt ward, die damals wie heute einen Überschuss brachliegender Kräfte erzeugte. Der wenig entwickelte Landbau vermochte dem Boden nicht genug Erträge abzuringen, und deshalb blieb wegen der ausserordentlich raschen Bevölkerungszunahme einem grossen Teil der Bewohner nichts übrig als die heimatliche Scholle zu verlassen. Von dem Wandern deutscher Stämme erzählt uns schon unsere früheste Geschichte, indem vor 2000 Jahren die Cimbern und Teutonen nach Süden zogen und landheischend ins Römerreich einfielen. Noch viel gewaltiger waren die Wirkungen der Völkerwanderung, die seit Beginn des Mittelalters die Germanen überall in Europa verbreitete und einzelne Scharen sogar bis nach Nordafrika verschlug. Während die äussersten Vorposten aus Mangel an Zuzug wieder unter den fremden Stämmen aufgingen, blieb ein fester und unverfälschter Kern in Westdeutschland zurück. Er leitete ein unaufhaltsames Rückströmen des christlichen deutschen Elements nach Ostdeutschland und in die heutigen russischen Ostseeprovinzen ein, wo sich nach dem Abzüge der germanischen Bevölkerung heidnische Slaven festgesetzt hatten. Diese Bewegung begann unter Karl dem Grossen und hielt, von einigen späteren Zuzügen abgesehen, bis ins 14. Jahrhundert hinein an. Mit ihr ging Hand in Hand eine tiefgreifende Umgestaltung im sozialen und wirtschaftlichen Leben unseres Volkes Seit den Kreuzzügen (1095 —1291) wurde Deutschland, das bis dahin mit dem Welthandel und den Hauptverkehrsstrassen in keinem unmittelbaren Zusammenhange stand, ein Durchgangsland für den mittelalterlichen Welthandel, und gleichzeitig entwickelte sich bei der rasch anwachsenden Bevölkerung ein leistungsfähiges deutsches Städtewesen.
Gegen Ende des 13. Jahrhunderts war nach ebenso langwierigen als grausamen Kämpfen, mit denen die Namen des Gründers des