Druckschrift 
Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
Entstehung
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Zeitrechnung.

Die Art der Bestimmung der Tageszeit ist schon bei der Schilderung der Jaokultur auf Seite 67 an­gegeben worden; sie geschieht auch hier von Groß und Klein durch die Bezeichnung des betreffenden Sonnenstandes mit dem ausgestreckten Arm. An Jahreszeiten haben Makonde und Makua, wie ja auch die Jao, drei: ita, die Regenzeit bei den Makua, mlala die Erntezeit, ilimwe die Trockenzeit. Bei den Ma­konde entsprechen diesen Begriffen: chihuku die Regenzeit, mchera die Erntezeit, chambu die Trocken­zeit. Beide Völker zählen ebenfalls zwei Jahre, wo wir eins zählen ; das eine ist die Trockenzeit, das andere Regenzeit und Erntezeit zusammen.

Die Zeitadverbien sind bei beiden Völkern die folgenden:

Kimakua Kimakonde heute ilälo nälo

morgen mälo luundu

übermorgen mrotto mtondo

überübermorgen nkutja mbarama der fünfte Tag ntäla mbariamba gestern njana lido

vorgestern nchuri madudi

vorvorgestern machuri haia madudi haia Haia wird, und zwar mit Fistelstimme, in desto höherer Tonlage gesprochen, je weiter der gemeinte Tag von heute zurückliegt. In der Unterhaltung kommen Zeitadverbien sehr häufig vor; zu ihnen gesellen sich dann auch noch Ortsadverbien, Zahlen von verschie­dener Größe etc. Alle diese Ausdrücke geben den Leuten Gelegenheit, ihre Sprache äußerst lebhaft zu modulieren, denn jedes Ausmaß der Zeit, des Ortes und der Zahl wird genau durch die Tonhöhe des betreffenden Wortes ausgedrückt.

Als Kalender und, um es gleich vornweg zu nehmen, auch als Schrift dienen Knotensch n ü r e. Will ein Makondemann eine Reise machen, deren Dauer er abschätzen kann, so gibt er seiner Frau eine aus Bast oder Gras bestehende Schnur mit so­viel Knoten wie die Reise voraussichtlich Tage dauern wird. In der Abbildung Tafel 28 Abb. 1 hat die Schnur elf Knoten; gibt der Mann sie der Frau, so spricht er dazu:Dieser Knoten ist heute, da breche ich auf; morgen (dabei ergreift er den zweiten Knoten) bin ich unterwegs; auch übermorgen, und auch den vier­ten Tag marschiere ich noch; hier aber (und dabei ergreift er den fünften Knoten), da komme ich ans Ziel. Hier am sechsten bin ich dort; am siebenten trete ich die Rückreise an; am achten und am neun­ten marschiere ich; am zehnten aber, da mußt Du auf­passen, Frau, vergiß ja nicht, jeden Tag einen Knoten zu lösen; an diesem Tage da mußt Du Essen für mich machen; denn siehe, hier am letzten, am elften Tage werde ich zurückkommen."

Zu einer Art Quippu sind derartige Knoten­schnüre unter der Herrschaft der Deutschen ge­worden. Ob und in welcher Weise statistische Fest­stellungen in vordeutscher Zeit bei den Leuten da unten gemacht worden sind, weiß ich nicht; heute, wo die Hüttensteuer aufgebracht werden muß, helfen sich diejumben, denen ja kein Karani, kein Schreiber, hilfreich zur Seite steht, in der Weise, daß sie durch ein Schnursystem die Zahl der versteuerbaren Hütten, durch ein anderes vielleicht die Zahl der aufzubringen­den Rupien vermerken. Sein ganzes Hauptbuch legte mir eines schönen Tages ein solcher Jumbe auf den Tisch; es ist ein dickes Knäuel von vielen Schnüren mit zahllosen Knoten.

Recht.

Bei Schuldforderungen helfen sich die Makonde in genau derselben Weise wie die Jao; kann oder will A eine bei B kontrahierte Schuld nicht zurück­zahlen, so nimmt B einen oder, wenn es ihm mög­lich ist, auch mehrere unbeteiligte C (bzw. C D) fest und legt sie ins likongwe. Dann tritt ebenderselbe langwierige Verlauf der Klärung ein, den wir schon früher kennen gelernt haben.

Zündet der Makonde A vom Dorfe X im Dorf Y ein Haus an, so verfolgt man ihn und nimmt ihn oder mehrere andere seiner Dorfgenossen fest. Die Auslösung erfolgt dann durch Sklaven und andere

Wertgegenstände. In früherer Zeit trat, sofern man den Brandstifter nicht bei frischer Tat ertappt hatte, unweigerlich das Zaubermittel des kissangu in Tätig­keit. Vorher half man sich unter Umständen aber auch erst durch das Hühnerorakel. Dieses war, wie überall bei den Negern, Substitut für den Ver­dächtigen; ging das Huhn an der ihm eingegebenen Medizin zugrunde, so war das Beweis genug, daß der Verdächtige das Feuer angelegt hatte; brach es hin­gegen die Flüssigkeit wieder aus, so war er unschuldig. Im ersten Fall holte man den Schuldigen herbei, worauf der Eigentümer des abgebrannten Hauses zu

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