Druckschrift 
Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
Entstehung
Seite
108
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Äußerung auf derart fremdartige Fragen. Man braucht, um sich von diesen Schwierigkeiten ein Bild zu machen, längst nicht einmal bis Afrika zu gehen ; man frage z. B. irgend jemand aus unseren unge­bildeten Volksschichten nach der Stammeseinteilung der Deutschen, was doch nichts anderes ist, als was ich von jenenWilden" wissen wollte ich möchte einmal sehen, welche Antwort der Forscher bekäme.

Die unausgesetzte Häufung derartiger Schwierig­keiten auf Schritt und Tritt hat es mit sich ge­bracht, daß ich vom ersten Tage meines Aufenthaltes in Massassi an bis zum letzten Tage meines Aufent­haltes in Mahuta nie weniger als 12 Stunden unaus­gesetzt und nach meiner Gewohnheit schnell zu ar­beiten gehabt habe. Manche Woche hindurch sind es 14 Stunden geworden, und oftmals habe ich morgens 1 / 2 7 Uhr das Tagewerk begonnen, um erst gegen Mitternacht todmüde auf mein Feldbett zu sinken. Dem Einwurf, ich hätte es mir doch bequemer machen und auf die Forschungsarbeit eine längere Zeit ver­wenden sollen, muß ich entgegnen, daß das unmög­lich war. Der Neger des Südostens ist der begeistertste Ackerbauer, den man sich denken kann. Während der ersten Monate der Trockenzeit hat er auf seinem Acker nichts zu tun; da kann er Feste feiern und Bier trinken, so viel er will; beides tut er auch in reichlichem Maße. In dieser Zeit der Muße ist der Eingeborne gern erbötig, sich dem weißen Ausfrager zur Verfügung zu stellen, sei es aus angeborener Liebenswürdigkeit oder aber in der Hoffnung auf eine freigebige Entlohnung. Naht indessen die Regen­zeit, so wird das Bild anders; der Neger feiert keine Feste mehr, denn alle überflüssigen Vorräte sind längst

in Speis' und Trank angelegt; er wird von Woche zu Woche merklich unruhiger; schließlich aber fiebert er förmlich auf die Zurichtung des Ackers. Erklärlicher­weise ist er von jetzt ab für den Europäer nur noch schwer oder auch gar nicht mehr zu haben. Die Um­wohner von Mahuta waren freiwillig und ohne Wider­rede lange Zeit hindurch selbst von weither zu mir ge­kommen; kaum aber waren die ersten Regen gefallen, da ließ sich kein Mensch mehr sehen. Hätte ich damals nicht schon mein wissenschaftliches Schäfchen ins Trockene gebracht gehabt, so hätte ich mit leeren Platten, Walzen und Films und leeren Notizbüchern von dannen ziehen können. Bis zu einer neuen Trockenzeit aber auszuharren, lag weder im Plan der Expedition, noch wäre es mir persönlich mög­lich gewesen. Also, ein festes und rasches Zugreifen, solange sich die Gelegenheit bietet oder soweit man sie sich selbst schaffen kann, ist bei Expeditionen wie der meinigen unter allen Umständen am Platze.

Um auf die Wamuera-Sippennamen zurückzu­kommen, so sind es folgende:

3. Wambinga.

4. Ndarnbaliro.

5. Mwanämembe.

6. Banali.

7. Bamuende.

8. Banachiputa.

9. Bankoro.

10. Mwanachijinga.

11. Mwanakambona.

12. Achimariwiche (Jao-Wort?).

13. Anachijche (desgleichen?).

Mannbarkeitsfeste bei den Makua und den Makonde.

In ihren Grundzügen ähneln diese Feste denen der Jao durchaus, doch bestehen immerhin so viele verschiedene und verschiedenartige Einzelzüge, daß es nötig erscheint, den Verlauf in der Vollständigkeit wiederzugeben wie er mir von meinen Gewährs­leuten berichtet worden ist.

Knabenbeschneidung (Lupanda) bei den Makua.

Das Fest beginnt damit, daß der Dorfälteste jung und alt zusammenholen läßt und ihnen verkündet: Wir wollen dieses Jahr Lupanda bei uns haben". Es erfolgt dann eine eingehende Beratung, welche Knaben beschneidungsreif sind und welche nicht. Wie überall i,m ganzen Gebiet wird das Unyago nicht

alljährlich gefeiert, sondern man spart es sich bis nach einer außergewöhnlich reichen Ernte auf. Ist man sich über die Wahl der betreffenden Knaben schlüssig geworden, so schreitet man zur Wahl ihrer Mentoren; sie heißen im Kimakua wamila (kijao: wamichira, kimakonde: wamchira).

Nach diesen Vorbesprechungen liegt dem weib­lichen Teil der Dorfschaft ob, Mehl in großen Men­gen herzustellen und auch sonstige Vorräte vorzu­bereiten, sowie neues Zeug zu kaufen. Nunmehr fangen die Wamila an, einen Hüttenring zu bauen. Einen solchen, von einem frühern Lupanda stam­menden, fand ich in Trümmern vor Akundondes Dorf, einen bei dem gegenwärtigen Lupanda ge­brauchten, erst vor wenig Wochen gebauten, eine