Druckschrift 
Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
Entstehung
Seite
121
Einzelbild herunterladen
 

121

so glaubten sie, mir Rücksicht schuldig zu sein, waren aber politisch genug, mir ihre Wünsche in Form eines Liedes kund zu tun. Da der Neger ja alles improvisiert, dürfte ihnen das nicht allzuschwer ge­worden sein.

Mit dem schönen Liede: Nande äh äh traten die Frauen und Mädchen als aktive Mitwirkende vom Schauplatze ab; sie waren fernerhin nur Zuschauer und Staffage, die sich in dichtem Haufen malerisch rechts und links von den Festjungfrauen aufbauten. Diese hockten wieder, doch diesmal ohne vorgehaltene Hände und mit freiem Gesicht, vor der altgewohnten Hütte; sie schauten auch jetzt nicht mehr stier zu Boden, sondern neugierig und erwartungsvoll auf den Festplatz hinaus (Taf. 42 Abb. 2).

Zu sehen gab's auch sehr bald genug. In schnellem Lauf, doch im kurzen Trippelschritt der Frau, huscht ein buntes Kleiderbündel in unsere Mitte. Es ist wirklich eine Frau; groß und blendend weiß ragt das Pelele aus dem braunen Gesicht hervor. Doch das Gesicht ist starr, auch die Ohren mit ihren Ringen und Scheiben fehlen. Jetzt dreht sich mir die Ge­stalt voll zu es ist nur eine Frauen maske. So hatte ich denn jetzt endlich erreicht, wonach ich mich so­lange gesehnt: den wirklichen und wahrhaftigen Ge­brauch dieser merkwürdigen Gerätschaften mit eigenen Augen zu sehen, nachdem mir das Vor­handensein derartiger Masken seit fast anderthalb Jahrzehnten bekannt und geläufig war. Über die Art der Ausführung des Tanzes habe ich mich schon früher geäußert; es genügt deshalb zu bemerken, daß dieser Frauenmaske alsbald die eines Mannes folgte; dann kam wieder eine Frau und darauf noc'h ein Mann. In der Hauptsache tanzte Mann gegen Frau; es war eine Art Pas de deux, bei dem fast ausschließlich die Beine arbeiteten. Von Zeit zu Zeit trennten sich die Paare; die eine Maske tanzte nach dieser Seite um den Festplatz herum, die andere nach der andern; dann tanzten sie wieder gegeneinander. Schließlich zogen sie alle mit steif durchgedrückten Beinen ab in den Busch hinein, der sich wie eine Wand unmittelbar hinter den Häusern aufbaute (Taf. 42 Abb. 1, 2).

Den Schluß des Festes bildete das Auftreten einer Stelzen maske; es ist auf Tafel 42 Abb. 2 wiedergegeben. Auch über diesen Gegenstand habe ich mich oben bereits geäußert.

Damit war es Mittag geworden; die Sonne brannte senkrecht auf die dichte Menschenmenge her­nieder; jeder, der klimagewohnte'Eingeborne wie auch der Fremdling, lechzte nach Kühlung und Schatten, und so verließ ich an der Spitze meiner Wanjamwesi den Ort, auf dem ich so Merkwürdiges gesehen und erlebt hatte.

Mitteilungen a. d. D. Schutzgebieten, Ergänzungsheft 1.

Mädchen-Unyago bei den Matambwe.

Durch die sieh stets gleichbleibende Liebens­würdigkeit des Akiden Sefu bin ich auch in den Stand gesetzt worden, an einem Schlußfest des Mädclien- Unyago in dem kleinen Matambwe-Weiler Mangupa teilzunehmen. Der Weg dorthin führt von Newala aus zunächst die Barrabarra nach Nkunja entlang; nach einer Stunde biegt dann ein anderer Weg rechts ab und führt mit ziemlichem Gefäll direkt nach Süden. Nach einer weitern kleinen Stunde verschwand der Führer plötzlich links im dichten Busch; folgte man ihm auf dem kaum merkbaren Pfade, so kam man nach 5 oder 10 Minuten auf eine Lichtung, wo man zunächst nur eine mäßig große, kreisrunde Hirsestroh­hütte erblickte; wie ich auf Grund meiner Erfahrung jetzt schon mit Sicherheit sagen konnte: die Festhütte für die geplante Feierlichkeit. Das Örtchen Mangupa lag wenige Schritte davon im dichten Busch versteckt. Dieser Busch war hier in der ganzen weitern Um­gebung von Mangupa ganz ersichtlich noch neu, ein Zeichen für den intensiven Feldwechsel der Ein- gebornen. Er erreichte nur wenige Meter an Höhe, war jaber dafür mit Upupa-Ranken förmlich über­zogen. Diese Upupa sehen aus wie Bohnenranken; auch die an ihnen massenhaft hängenden Schoten können den Neuling verleiten, nach ihnen zu greifen. Aber wehe dem Unglücklichen! Juckpulver ist noch eine Annehmlichkeit gegen das höllische Brennen, das jeder Berührung mit dieser heimtückischen Schote folgt. Jedes Reiben, jedes Kratzen macht die Sache nur schlimmer; auch Baden und Waschen nützt nichts; lediglich nasse Asche, als dicker Brei aufgelegt, soll den wahnsinnigen Schmerz lindern und die winzig kleinen Pflanzenpartikelchen, von denen das Jucken herrührt, zum Verschwinden bringen.

Die Festhütte heißt Likuku; sie unterscheidet sich in nichts von der in Akutschikomu gesehenen, nur daß hier in Mangupa ihrer zwei zwillingsgleich aneinander gebaut sind. An ihrer Rückseite, scheu von uns abgewandt, haben sich 50 bis 60 Frauen, wie immer in diesen Gegenden der größte Teil mit einem Baby auf dem Rücken, versammelt. Alle salben sich mit Rizinusöl ein. Dabei trillern sie höchst vergnügt. Plötzlich erscheinen 5 oder 6 von ihnen im Gesichts­felde meines Apparates; sie tragen gemeinsam eine lange Stange, von der eine Bahn neuen, bunten Kat­tuns wie eine riesige Fahne herabhängt. Tänzelnd und singend bewegt sich der merkwürdige Zug auf den links von der Hütte befindlichen Festplatz. Dort dreht sich die Stange; man führt dem Volke das Fest­geschenk in seiner ganzen Pracht vor. Unter all­gemeinem Getriller geht der Zug auf die Hütte zu­rück, hinter der er verschwindet. Durch Sefu erfahre

16