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geholt (durch die Lehrerinnen) und in der Unterrichtshütte nackend ringsum gesetzt. „Ihr müßt jetzt immer,an Euren Labia ziehen, damit sie lang werden", heißt es jetzt, und so heißt es von jetzt ab Tag für Tag.
Zweiter Tag. Die Mädchen gehen früh in den Wald; sie nehmen ein Ei mit. Im Walde werden sie wieder im Kreise herumgesetzt. Die Oberleiterin schlägt das Ei entzwei und sagt: „Seht, wie es aussieht. Das dürft Ihr nicht essen, sonst bekommt Ihr ■ keine Kinder, oder aber diese Kinder haben keine Haare auf dem Kopfe.." Darauf suchen alle Wurzeln. Sieht eins der Mädchen eine Wurzel, deren zwei Stammteile übers Kreuz gestellt sind oder krumm und schief gestaltet, so sagt die Leiterin zu der Finderin : „Du hast Dich mit zwei Männern abgegeben". Scheltworte und Zank schließen sich daran. Fernerhin tritt aber zugleich auch eine Art Sittenkontrolle ein : die Mädchen müssen sich allesamt auf den Waldboden legen, die Führerin aber prüft dann der Reihe nach jede mit dem Finger auf ihre Unberührtheit hin. Wer als defloriert befunden wird, erregt den lebhaften Zorn der Leiterin.
Einschieben muß ich hier, daß der auf diese Weise entdeckte vorzeitige Geschlechtsverkehr auch sonst nicht ohne nachteilige Folgen für die jugendliche Sünderin bleibt. Nächst der Lehrerin entrüstet sich zunächst auch die Mutter; fernerhin aber nimmt der präsumptive Ehemann die Entdeckung zum Anlasse des Rücktritts. Er geht einfach in sein Dorf zurück.
Nach dem Wurzelsuchen kehren Lehrerin und Schülerinnen aus dem Busch in die Unterrichtshütte zurück. Dort besteht ihre Haupttätigkeit in der systematischen Verlängerung der Labia minora. Zwischen zwei Pfählen wird eine Schnur straff befestigt, so daß sie wie eine Saite klingt. Auf ihr schlägt man dann den Takt, in dem die Mädchen an den Labia zerren, in dem sie aber auch die charakteristischen Kohabitationsbewegungen üben. Auf diese wird viel Wert gelegt; ohne die geringste Gemütserregung führten die beiden Hexen die Szene vor.
Unter diesem Unterricht bleiben die Mädchen lange in der Hütte, mehrere Monate lang, bis die Labia gedehnt sind und die Kenntnisse in den Sexualia für ausreichend erachtet werden. Dann werden alle mit Öl gesalbt, und darauf bereitet man sich zur Rückkehr ins Dorf vor. Vorher aber wird die Haupt- und Grundlehre erst noch einmal zum allerletzten Male wiederholt: „Stets müßt Ihr an den Labia ziehen ; kommt aber dann Euer Mann, so müßt Ihr mit ihm kohabitieren." Damit geht die Lehrerin hinaus; sie kommt aber alsbald zurück, setzt sich nackend auf den Bettrand und zerrt im Rhythmus an ihren Labia. Dabei
wird sie von einem eintretenden Mann überrascht; der sieht sie und kohabitiert mit ihr. Aber unvollkommen; auch er muß das Sperma auf den Boden laufen lassen. Dann geht er hinaus; die Lehrerin aber sammelt das Sperma, mischt es mit bestimmten Wurzeln und legt alles tief in den Aschenhaufen vor der Hütte. Damit ist das Unyago aus; nur die Mädchen werden noch mit Öl gesalbt.
Mädchen-Unyago bei den Makonde.
Eine theoretische Unterweisung über die bei den Makonde üblichen Vorgänge bei der Mannbarerklärung der Mädchen ist mir nicht geworden; dafür habe ich, dank der Liebenswürdigkeit des Akiden Sefu, das Glück gehabt, wenigstens dem Schlußfest eines solchen Mädchen - Unyago beiwohnen zu können. Ort der Handlung: das Dorf Niutschi, reichlich eine Stunde nordöstlich von Newala mitten im dichten Busch gelegen. Festplatz: der freie Raum zwischen den vier oder fünf Hütten des kleinen Weilers selbst. Beginn der Handlung: etwa 8 Uhr morgens. Bei unserer Ankunft sind alte Frauen noch dabei, den Festplatz mittelst in provisierter Besen zu säubern. Die Festjungfrauen hocken im Schatten eines der Häuser und dicht an die Wand gedrückt auf der Erde; sie halten sich mit den Händen Augen und Schläfen zu und stieren durch die Finger unverwandt zu Boden. Plötzlich läuft ein halbes Dutzend der Weiber unter lautem Trillern und sonstigen Freudenbezeugungen über den Platz hin und zurück. Das wiederholt sich vier- oder fünfmal; dann singen 10 oder 12 Frauen:
„Anamanduta, anamanduta, mwanangu mwa- nangwe,"
(„Es geht weg, es geht weg, mein liebes Kind,") indem sie singend und zugleich unter Händeklatschen den Platz dreimal hin und zurück durchqueren,.
Diesem ersten Liede folgt sehr bald ein zweites, von denselben Frauen und in derselben Weise vorgetragen:
„Namahihio atjikuta kumaweru",
(Die Eule schreit in der Schambe.) Diesem Liede folgt eine merkwürdige Zeremonie: Frauen, anscheinend die Lehrerinnen der Novizen, schmücken deren Köpfe mit Hirsebüscheln. Danach tritt die ganze Gesellschaft in einer Reihe hintereinander an; jedes weibliche Wesen legt seine Hände auf die Schultern seines „Vordermannes" und alle beginnen die Mittelpartie des Körpers kreisförmig zu bewegen (s. Tafel 41 Abb. 1). Dazu ertönt das Lied:
Chihakatu cha Ruliwile nande kuhuma nchere.
(Das Chihakatu (eine kleine Korbschale) des Liwile wird aus dem Haus getragen.)
Damit ist es gegen 9 Uhr geworden; die Frauen