11
7
Bilder entworfen — auch wirkliche auf Papier — aus denen klug zu werden selbst dem Künstler nicht möglich war. Einmal hat der Höllenfürst zwei Köpfe, vier Arme und ein Bein; dann wieder wechselt die Zahl der Köpfe und der Arme beliebig hin und her, während er nun das andere Bein — woher es plötzlich gekommen, war dem Erzähler gleichgültig — ganz nach der Art der Nilneger, nämlich im rechten Winkel, gegen das ursprüngliche stellte, und was derartige Phantastereien mehr waren. Wenn ich meinen Koch, einen sich zwar stolz als Suaheli bezeichnenden, aber im übrigen ganz kulturunbeleckten Bondei- Mann, auf das Widerspruchsvolle seiner Teufelsschilderungen hinwies, sagte er ganz gelassen: „Ja Herr, das ist aber doch so." Gegen solch' sichere Philosophie ist nichts zu machen.
Im Gebrauch stimmen die Teufelsmasken nach meinen Erkundigungen vollkommen mit den übrigen überein; auch sie sollen nach der Anschauung der heutigen Generation lediglich dem Erschrecken dienen, wozu sie sich ja in Verbindung mit dem übrigen Kostüm auch vorzüglich eignen. Den ursprünglichen und unzweifelhaft auch tiefern Sinn dieser Tanzgeräte zu erforschen, muß ich meinen Nachfolgern überlassen.
Die letzte Klasse, die der Tiermasken, ist in meiner Sammlung leider nur zu schwach vertreten, als daß ich Schlüsse allgemeiner Art aus ihnen ziehen könnte. Meine drei Tiermasken stellen zwei Mbawala dar, den Buschbock (Tragelaphus silvaticus), und einen Affen (Taf. 45 Abb. 2). Von jenen ist die eine nun tatsächlich die sehr gute und naturalistische Nachbildung eines Mbawalakopfes, s. Tafel 45, Abb. 3, aber was bei der andern außer den kurzen Hörnern an diese Antilope erinnern soll, ist mir bis heute verborgen geblieben. Es ist ein typisches Männergesicht, das ebensogut unter die Teufelsmasken eingereiht werden könnte (Taf. 45 Abb. 5).
Von diesen Tiermasken habe ich die Affenmaske im Gebrauch gesehen. Der Träger erschien, wieder völlig in bunte Kattune vermummt, ganz nach der Art des Hundsaffen auf allen Vieren galoppierend auf der Bildfläche, dem freien Platz in der Borna von Mahuta. Sein Gesicht wurde durch die gewohnte Holzmaske verdeckt, über den Kopf und den Nacken aber fiel ein ungeheuer buschiges, braunes Fell, welches der ganzen Erscheinung in der Tat etwas Affenähnliches verlieh. Der Mann hat dann seine Künste gezeigt; ich hoffte eine mimische Wiedergabe des Gebarens irgend einer Affenart zu sehen, habe aber in den Körperbewegungen der Maske mit dem besten Willen nichts derartiges zu entdecken vermocht. Unbestreitbar war der Mann gewandt; er schlug Purzelbäume rücklings und vorlings, war überhaupt
ein ausgezeichneter Parterre-Akrobat, wenn man so sagen darf, aber von mimischem Talent hatte er allem Anschein nach nur wenig an sich. Überhaupt haben mich die Neger meines Gebietes in dieser Richtung arg enttäuscht; meisterhaft nach Charakterauffassung und Darstellung war lediglich ein von drei Männern, von denen einer die Frau des andern darstellte, gespieltes Ehebruchsdrama, ebenfalls in der Borna von Mahuta. Mit geradezu verblüffender Gewandtheit und Geistesgegenwart wußte der Dritte, „der Hausfreund", nicht nur jede Gelegenheit herbeizuführen, sich der „Geliebten" in stürmischer Umarmung zu nahen, sondern sie auch in vollkommenster Weise auszunutzen. Das war aber auch alles; was ich an vorgeblichen Nachahmungen des Gebarens bestimmter Tiere gesehen habe, war alles andere als der Beweis einer scharfen Beobachtungsgabe. Das ist um so verwunderlicher, als die Leute doch sonst, sowohl in der Konstruktion ihrer Tierfallen, wie auch in der künstlerischen Wiedergabe der Tiere selbst, gerade das Gegenteil zu beweisen scheinen. Aber vielleicht habe ich nicht das Glück gehabt, gute Tierdarsteller auftreten zu sehen.
Das Mädchen-Unyago (Echiputu) bei den Makua.
Hatte mir schon die Erlangung authentischer Mitteilungen über das Mädchen-Unyago bei den Jao viel Schwierigkeiten bereitet, so schien es zunächst, als wenn ich über die entsprechenden Vorgänge bei den Makua und Makonde ganz ununterrichtet bleiben sollte; die zu dem Zweck herangezogenen Frauen waren entweder zu scheu oder auch zu wenig intelligent, um etwas auszusagen, oder aber sie wollten auch gar nicht; von den Männern aber behaupteten die meisten, mir keine genauere Auskunft geben zu können. In dieser Not bot sich mir der glückliche Zufall dar, daß eine Frau — Nawellawella hieß sie, „mir ist alles gleich" — die Hüttensteuer ihres Mannes abarbeiten mußte, was ihr natürlich sehr lästig war. Für die Erlegung der wenigen Rupien und ein überdies gezahltes Extrahonorar hat sich diese Frau dann herbeigelassen, mir zu berichten, was sie selbst wußte. Kontrolliert habe ich die Angaben an der Hand der Aussagen eines gewissen Massanyara, eines intelligenten Makuamannes, der mir überhaupt viel gute Dienste geleistet hat. Danach stellt sich der Verlauf des Echiputu, der ersten Phase des Mädchen- Unyago (vgl. das Chiputu der Jao, Seite 31) folgendermaßen dar:
Ist ein Mädchen acht oder neun Jahre, so kommt ein Mann und will es heiraten. Willigen die Eltern und auch die anderen Verwandten ein, so geht die Mutter mit der Tochter an einen unbelauschten Ort