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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
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langen, sondern sich einstweilen damit begnügen, auch seine Anregungen zu beachten und, was besser ist, sie auch zu befolgen. Die Völker in der Südostecke unserer Kolonie am Indischen Ozean sind schon rein äußerlich betrachtet eins der interessantesten Forschungsobjekte, über welches die Völkerkunde ver­fügt; gleichwohl hege ich die Überzeugung, daß bei einem weitern Nachgraben in dem von meinen Vor­gängern und mir begonnenen Schachte sicher­lich noch ganz andere ethnische Dinge zum Vor­schein kommen werden als wir Vorläufer sie ge­sehen und gefunden haben. Dahin mag dann viel­leicht auch der klare Nachweis des einstigen Be­stehens von Geheimbünden mit allen ihren Begleit­erscheinungen gehören, vielleicht auch der andere Nachweis, daß innerhalb der großen Bantugruppe die alten Völkerbeziehungen räumlich viel weitreichender und ethnisch viel wirkungsvoller gewesen sind als wir bisher anzunehmen gewagt haben.

Ein gemeinsamer Zug aller Qeheimbünde ist es, daß sie sich entweder auf die Männerwelt beschränken oder aber bei ihr doch viel straffer und energischer ausgebildet sind als beim weiblichen Geschlecht; wo wir Frauenbünde finden, sind sie stets nur eine schwächliche Nachahmung oder gar Nachäffung der mächtigen Vorbilder auf der anderen Seite. Mit diesem Bilde stimmt die Beschränkung des Masken­gebrauchs bei den Makonde auf das männliche Ge­schlecht aufs beste überein. Die Geheimbünde wollen herrschen, tyrannisieren; dazu ist das Auftreten un­heimlicher Erscheinungen, die noch dazu unerkannt bleiben werden, ein ausgezeichnetes Mittel. Genau das sehen wir beim Unyago auf dem Makonde- plateau; es ist die tatkräftigste Jugend, die das Mono­pol des Erschreckens für sich in Anspruch nimmt; nie habe ich einen Alten oder ein Kind auch nur den Versuch machen sehen, sich zu maskieren. So­weit stimmen also sowohl alle meine eignen Beob­achtungen wie auch die mir gemachten Angaben mit dem allgemeinen völkerkundlichen Bilde sehr wohl überein; doch wie stimmt dazu die auf Seite 111 registrierte Angabe meiner Makondegewährsmänner, daß solche Maskentänze nicht nur den Mädchen und den Frauen gegenüber .als Schreckmittel angewandt werden, sondern daß sie auch am Schlußfest des Knabenlikumbi selbst stattfinden? Ehrlich gestanden, ich habe nichts darüber erfahren; gleichwohl glaube ich eine ausreichende Erklärung geben zu können.

Die Altersklassen.

Hand in Hand mit dem Wesen der Geheim­bünde geht die Einrichtung der Altersklassen; ja, diese Altersklassen sind direkt als Vorbedingung des Entstehens der Geheimbünde zu bezeichnen. Ks

wird für alle Zeiten der größte Ruhmestitel in der glänzenden, aber leider ach so kurzen wissenschaft­lichen Laufbahn unseres früh verstorbenen Heinrich Schurtz bleiben, daß er dieser Einrichtung den rich­tigen und wichtigen Platz in dem bis dahin so un­geordneten Gebäude unserer Soziologie angewiesen hat. Es mußte für mich, nachdem ich mich so lange Monate mit dem Wesen der exogamischen Sippe, des Mutterrechts und der Mannbarkeitsfeste befaßt hatte, von außerordentlichem Interesse sein, zu erfahren, ob nun vielleicht auch noch Spuren einer ehemaligen Altersklasseneinteilung oder gar noch die lebendige Einrichtung selbst vorhanden sei. Richtig, nicht nur Spuren waren da, sondern die Klassen selbst: Mwana heißt der Knabe, solange er Rücken und Hüfte der Mutter noch nicht verläßt oder solange er sonst noch im strengen Sinne von der Mutter abhängig ist. Kanemba (Plural Wa-) wird er während des Lebens­alters genannt, wo wir ihn vulgär als Junge be­zeichnen, d. h. wo er voll Tatendrang und zu allen Streichen geneigt und fähig ist. Diese Stufe leitet zu der andern des Nemba (Plural Anemba) über. Die Silbe ,,Ka" ist im Kimakonde wie auch in den übrigen verwandten Sprachen das Diminutivpräfix, es bezeichnet die kleinere oder jüngere Form. Also Nemba, der Jüngling, Kanemba der Knabe. Der Beginn des Nembaalters wurde mir in echt afrika­nischer Weise als der Zeitpunkt bezeichnet, woder Bart sprosse". Nun gehört es zu den Standardlehren der Völkerkunde, der Neger habe gar keinen Bart. Wenn dem im allgemeinen so sein sollte, so müssen diese östlichen Bantu wohl eine Ausnahme bilden, denn, wie ich früher schon erwähnt habe, ist es mir mehr als einmal gelungen, gleich ganze Gruppen vollbärtiger Männer auf die Platte zu bannen. Wenn aber der erwachsene Mann einen ausgewachsenen Vollbart hat, so muß dieser Bart doch irgendwann auch einmal anfangen zu sprießen. Möglich ist es allerdings, daß der Negerbart langsamer wächst als unsrer, ,auch wenn er nicht später kommt als dieser, denn mir wurde als obere Grenze der Nembaklasse ungefähr das .30. Lebensjahr angegeben.

Über diesen 3 Jugendklassen bauen sich noch zwei andere auf: die der Akulungwe (Singular Mkulungwe) und der Wanikongopala (Singular Ani-). Jene umfaßt die Männer vom 30. Jahre an; diese rekrutiert sich aus den Makonde, bei denen der Bart anfängt grau zu werden.

Im ganzen haben wir demnach fünf Altersklassen. Sie bauen sich höchst merkwürdigerweise, merk­würdig wenigstens nach unseren landläufigen Vor­stellungen, auf dem Unterscheidungsmerkmal der männlichen Bartzier auf. Gleich von vornherein be­merken muß ich, daß ihr Wesen und ihre Existenz

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