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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
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fläche für die Fußhöhlung lediglich dadurch her­gestellt, daß man den obern Teil der Stangen, die oft 1 bis IV2 Meter lang und bis unterarmstark sind, auf die Länge des für sie bestimmten Unterschenkels längs halbiert und die eine Hälfte mit dem Messer weg­schneidet. Dann bleibt an der Basis des entstehenden Absatzes eine halbrunde Fläche (Taf. 46 Abb. 4b). Das ist der gewünschte Tritt; aber wie winzig ist er! Kaum von der Größe eines halben Fünfmarkstückes. Dazu hat der Stelzenmann keine Schuhe oder Sandalen an den Füßen, sondern unvermittelt preßt sich der Außen­rand der nackten Fußsohle auf das scharfkantige Holz. Zwar wickelt der Tänzer seine Unterschenkel mit Schnüren und Stoffstreifen fest an die Stelzen an, so daß der Fuß nicht so leicht von der schmalen Standfläche abrutschen kann, aber wie schmerzhaft muß das Stelzentanzen unter diesen Umständen gleichwohl sein ! (Taf. 46 Abb. 4a). Lange hat es keiner ausgehalten, jeder dieser Stelzenmänner suchte viel­mehr stets schon nach 10 oder 15 Minuten einen Halt, ein Hüttendach oder eine passende Baum­gabelung, auf die er sein Schwergewicht für einige Zeit übertragen konnte.

Also, Beweise einer besonderen Kunstfertigkeit auf diesen primitiven Geh- und Tanzwerkzeugen darf man demgemäß nicht erwarten. Das ist aber auch gar nicht der eigentliche Endzweck des ganzen Auf­tretens, das ganz unzweifelhaft und ausschließlich auf eine einfache Verstärkung oder Potenzierung des End­zwecks der gewöhnlichen Masken hinausläuft. In der Tat sollen auch sie schrecken; sie sollen Furcht und Entsetzen erregen, besonders bei dem mannbar­werdenden weiblichen Geschlecht. Dazu war der An­blick der fast 3 Meter hohen, von oben bis unten dicht vermummten Gestalt, die den Festplatz mit wenigen, gewaltigen, schier übernatürlichen Schritten umkreiste, mit dem starren, braungelben, hölzernen Gesicht bald diesem, bald jenem zunickend und die Arme wild um sich werfend, schon bei Tage vollkommen aus­reichend. Um wieviel unheimlicher muß da erst ihr Anblick bei dem flackernden Feuerschein der nächt­lichen Feiern wirken!

Über den Ursprung und das Alter dieser Sitte des Maskentanzes habe ich, wie gesagt, nichts erfahren können; die Eingeborenen geben, sobald sie nach solchen Dingen gefragt werden, die stereotype Antwort: das ist bei uns immer so gewesen. Schon das Vorkommen der Gesichtsmaske im Osten Afrikas wirkt befremdend; geradezu unerklärlich aber ist ihre Kombination mit der Stelze. Über frühere Völkerbeziehungen zwischen West- und Ostafrika wissen wir nichts; unsere oberflächliche Kenntnis von dem berühmten Dschagga-Zuge des 16. Jahrhunderts stößt diese Behauptung nicht um. Mir will es heute

scheinen, als wenn wir dem Ursprung dieser selt­samen Makondesitten nur näher kommen können, wenn wir für sie irgendwelche, uns einstweilen noch völlig verschlossene, alte Beziehungen zwischen dem West- und dem Ostrande annehmen. Dafür spricht gar mancherlei; zunächst die ungemein weite Ver­breitung der Maske gerade an der Westküste, von Angola im Süden bis Senegambien im Nordwesten. Sodann die Verwendung der Masken hier im Westen bei genau denselben Gelegenheiten und Veranstal­tungen wie am Rowuma; auch sie werden, wenn auch nicht immer, so doch vorzugsweise bei den Mann­barkeitsfesten verwandt. Damit aber stoßen wir auf eine Einrichtung, die auch ich bisher für Ostafrika einfach für undenkbar gehalten hätte. Das sind die

Geheimbünde.

Es bedarf durchaus keines Hinweises, daß ich an die Existenz solcher Geheimbünde bei den Makonde von heute nicht glaube; auch den Makonde selbst ist von dem Bestehen derartiger Organisationen un­zweifelhaft nicht das Mindeste bekannt. Aber sollte dem immer so gewesen sein? Von den alten Ein­richtungen dieser Völker ist so manches verblaßt und vergessen oder doch wenigstens abgeschwächt; die alte Stammeseinteilung, die alten Ehegebräuche, selbst die erbrechtlichen Verhältnisse kann und wird da nicht auch der eigentliche Ursprung dieser Masken- und Stelzentänze ebenso vergessen sein wie die Begleitumstände, die ihre Entstehung einstens be­dingten? Wird nicht die alte Einrichtung der Ge­heimbünde dahingeschwunden sein, während alles übrige blieb? Als ausschlaggebend für die Bejahung dieser Frage sehe ich das Vorkommen gerade des

Stelzentanzes in den Gebieten nördlich der Kongo-

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mündung an; dort ist die Veranlassung die gleiche, und auch der ganze Verlauf unterscheidet sich nicht 1 im mindesten von dem im Osten; kurz, wir haben eine vollkommene Parallele. Nun ist es ein eigen Ding um ethnographische Parallelen; die Frage ist ebenso heikel wie die Kardinalfrage der Erfindung oder der Entlehnung überhaupt; aber auffallend und im höchsten Grad erstaunlich bleibt gerade der Stel­zentanz hier im Osten immerhin; das läßt sich nicht leugnen.

Von einer Expedition, die nur den Bruchteil eines Jahres auf ein Gebiet von der Größe des Makonde- hochlandes hat verwenden können, gleich eine be­friedigende Antwort auf Fragen von so fundamentaler Art wie es diese Maskenfrage ist, zu erwarten, würde einer völligen Verkennung der einschlägigen Verhält­nisse gleich kommen; selbst wenn es auch ein Fach­mann ist, der sich der Untersuchung unterzieht, so soll man nicht gleich abgeschlossene Ergebnisse ver-