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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
Entstehung
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den Anfangsteil der Zeugbahn und wickelt sie um den Chihero. Den hält er an das rechte Ohr; er setzt ihn auf die Schulter, dann auf die Hüfte, dann aufs Knie, 'dann auf die Außenseite des Knöchels. Dar­auf nimmt der Munchira das ganze Zeug und den Chihero als sein Honorar an sich.

Nunmehr schläft man bis nachts 1 Uhr um den Holzstoß. Der wird um diese Zeit angezündet, wo­bei der Munchira die Flamme mit einer andern Medizin fächelt. Aber sehr bald löscht man das Feuer wieder aus;, doch ebenso bald zündet der Munchira es von neuem an. Sobald der Holzstoß gut brennt, läuft der Munchira rund um ihn herum und freut sich sehr.Ich wünsche," ruft er,daß die Wunden der Knaben bald heilen werden und daß der Häupt­ling viel Glück mit den Knaben haben möge." Dar­auf bindet er einen weißen Lappen an eine lange Stange; damit fächelt er das Feuer fernerhin. Um dieses stehen nun alle Leute die ganze Nacht herum. Am Morgen geht der Munchira weg, um seines Amtes als Beschneider zu walten. Zuerst geht er zu den entfernteren Weilern; später zu den näher gelegenen.

Die Operation selbst erfolgt wie bei Jao und Makua im Fori;Kwikonde" sagen die Wajao,im Busch". Die Rolle der Mentoren, bei den Makonde Walombo" genannt, ist genau dieselbe wie bei den beiden anderen Völkern. Die Operation selbst er­folgt in der Weise, daß das Präputium hoch- und vorgezogen wird, um dann mit einem raschen Schnitt schräg von oben nach unten abgetrennt zu werden.

Vor den Knaben der entfernteren Dörfer haben die des Festortes einen bestimmten Vorzug: sie werden vor der Operation durch den Munchira zu­sammengeholt und ringsum an das heilige Feuer ge­stellt. Dafür müssen ihre Angehörigen ihm eine Extra­spende an Zeug verabreichen.

Die Behandlung der Knaben nach der Be­schneidung ist ganz ähnlich wei bei den übrigen Stämmen; nur kommen sie hier dorfweise in je ein Liegehaus, in dem sie die üblichen drei Monate ver­bringen. Der Penis wird zum Zweck der Hoch­lagerung in eine nhata gelegt, einen Ring von Wurzeln, der mit einer Schnur an den Hüften be­festigt ist. Als Trockenmittel wird die pulverisierte Rinde des Mpepe-Baumes verwandt.

Auch der Unterricht hat den bei den anderen Völkern üblichen Inhalt. Tag für Tag werden den Knaben dieselben Verhaltungsmaßregeln gegeben. Mit dem Likumbi," heißt es,ist eure Jugend aus; trefft ihr ein Weib, so dürft ihr Euch ihm dreist nähern. Nur in das Haus eurer Eltern dürft ihr nicht ohne weiteres hineingehen, sondern müßt Euch erst laut melden. Auch müßt ihr von jetzt ab stramm in den Feldern arbeiten."

Beim Schlußfest ist alles wie wir es sonst kennen gelernt haben; nur ein Novum tritt hinzu: der Maskentanz.

Die Maskentänze.

Über diese Maskentänze war bis zu meiner Reise, soweit ich die Literatur übersehen kann, fast nichts bekannt; die größeren Museen besaßen wohl ein paar Exemplare dieser merkwürdigen Masken, aber man wußte mit ihnen nichts Rechtes anzufangen. Zunächst fiel mir auf, wie schwierig die Stücke zu erwerben waren; an eine Beobachtung ihres Ge­brauchs wagte ich daher in den ersten Monaten meiner Expedition gar nicht zu denken. Wenn ich trotzdem das Glück gehabt habe, eine ganze Reihe solcher Maskentänze beobachten und im Bilde festhalten zu können, so verdanke ich das vor allem der Liebenswürdigkeit des Akiden Sefu von Newala, der stets wußte, wo innerhalb seines Bezirkes ein Mannbarkeitsfest gefeiert wurde, und der obendrein noch gefällig genug war, stets selbst mit zu mar­schieren, mir den Zutritt zu erwirken, die nötigen Erklärungen zu geben, vorkommende Lieder zu über­setzen, kurz, der es mir möglich gemacht hat, so Manches zu sehen und zu hören, woran ich ohne ihn unzweifelhaft hätte vorübergehen müssen.

Die Makondemasken sind in Ostafrika etwas ganz Vereinzeltes. Die Mawia auf dem anderen Rowuma- ufer sind vielleicht ebenfalls ein Maskenvolk, aber von ihnen weiß man so gut wie nichts. Als Schnitzer müssen die Mawia indessen weit höher stehen als ihre Verwandten auf dem Makondeplateau; dafür spricht nicht nur die außerordentliche Zierlichkeit der kleinen Holzbüchsen (mitete), sondern auch die fast porträtähnliche Treue einiger von ihnen herrührenden Tanzmasken, die ich gelegentlich erwerben konnte. Sie sind auf Tafel 44, Abb. 4, 5, 6 abgebildet.

Die Makondemaske stellt in der größern Mehr­zahl der Fälle das Frauengesicht dar; von dem ver­bleibenden Rest entfällt wieder der größere Teil auf Männergesichter; ein weiterer Teil auf die Darstellung des bösen Prinzips, des Scheitani oder Satans; der letzte kleine Rest endlich auf die Darstellung von Tier­köpfen. Die Taf. 43 Abb. 46, Taf. 45 Abb. 16, Taf.44 Abb. 18 und Taf. 21 Abb. 2 geben aus den Masken meiner Sammlung eine Auswahl. Wirklich na­turalistisch sind nur verhältnismäßig wenige; meist waltet ein gewisser Schematismus vor. Als wirk­liche Porträtmasken sind mir nur drei oder vier verkauft worden, darunter das Porträt des Ha- modi, eines Makonde-Großen, der im letzten Auf­stand eine gewisse Rolle gespielt haben muß, denn um ihn hatte sich schon wenige Monate nach diesem Aufstand ein wahrer Legendenkranz ge-