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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
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gerufen zu haben. Dieser Unterricht dauert, bis alle heil sind. Im übrigen ist die Grundtendenz aller Lehren die eines wackern Draufgehens und einer großen Keckheit im Verkehr mit dem anderen Ge­schlecht.

Ist auch der letzte Patient gesund, so tritt ein Verfahren ein, das fast genau dem bei den Jao üblichen gleicht; man rasiert den Knaben die Köpfe und läßt ihrem Körper die auch hier sehr nötigte, gründliche Wasch'ung angedeihen. Der Oberleiter m' dabei sein. Nach der Reinigung bekommen die Knaben neues Zeug und werden mit Öl ein­gerieben. Dann wird die Liegehütte verbrannt.

Auch das Schlußfest daheim ist fast genau wie bei den Jao. Noch vor der Rückkehr der Knaben haben die Fra'uen viel Speise und Trank vorbereitet und Geschenke für die Lehrer auf dem Festplatze zurechtgelegt. Am Morgen des Festtages kommen die neu eingekleideten Knaben in langem Zuge aus dem Walde heraus auf den Festplatz herangezogen; jeder mit seiner Kakala (Taf. 46 Abb. 3) in der Hand, die sie alle in einem bestimmten Rhythmus schwingen. Sodann beginnt das Gelage und die Verteilung der Geschenke an die Lehrer. Ohne bestimmte Vor­schriften für den nunmehr mannbar Gewordenen geht es natürlich auch jetzt noch nicht ab ; er darf seinen Lehrer nicht anreden, ohne ihm vorher, gleichsam als Auslösung, ein Huhn überreicht zu haben; erst dann darf er ihn ansprechen.

Knaben-Unyago (Likumbi) bei den Makonde.

Meine hauptsächlichsten Gewährsleute sind für diesen Teil meiner Forschungen der Makondehäupt- ling Mponda aus der weiteren Umgebung von Ne- wala, sodann die gewohnte Garde der alten Männer, die sich während meines Aufenthaltes in Newala fast täglich um mich versammelte, und der Akide Sefu gewesen. Sefu war zwar ein Suaheli aus Ssudi, aber ein aussgezeichneter Kenner seines Newalenser Be­zirkes.

Das Fest beginnt mit dem Ankauf von neuem Zeug seitens der Häuptlinge; gleichzeitig berufen diese den Oberleiter Munchira. An einem bestimmten Tage kommen dann alle kleinen Häuptlinge zusammen und bauen eine runde Hütte im Dorf. Darauf gehen sie alle weg und suchen Medizin im Busch, meist wohl wieder Wurzeln, die ja hier für alle derartigen Zwecke zumeist in Frage kommen. Nach erfolgreichem Suchen kommen sie auf den Festplatz zurück und gehen nunmehr rückwärts in die Beschneidungshütte likumbi" hinein. Von dieser Hütte heißt die ganze Knabenbeschneidung bei den Makonde likumbi.

In der Hütte wird die Medizin niedergelegt; darauf gehen alle spazieren. Gegen Abend nehmen

sie die Medizin, schälen sie ab und geben sie einem Weibe zum Stampfen im Mörser. Der Munchira nimmt den Medizinbrei und streicht ihn fünf bis sechs Männern tupfenweise auf den linken Arm. So sitzt man bis in die Mitte der Nacht, dann steht man auf. Der Munchira beginnt zu trommeln; alles strömt aus den Hütten, groß und klein. Man schießt und tanzt bis 2 Uhr am nächsten Nachmittag. Um diese Zeit holt der Festgeber, wenn man so sagen darf, der Häuptling, in dessen Gemeinde das Fest statt­findet, das vordem gekaufte Zeug, zerschneidet es in kleine Stücke und verteilt es an die Tanzenden. Heutzutage sollen bis zu 30 Rupien (= 40 Mark) und noch mehr für Zeug angelegt werden; auch Salz und andere Gebrauchsgegenstände nehmen hier den Charakter des Festgeschenkes an.

Nach dieser Geschenkverteilung hält der Mun­chira an alle Anwesenden eine Ansprache des In­halts, daß, wenn die gezeichneten fünf oder sechs Männer es sich fortan einfallen lassen sollten, sich mit den Frauen anderer abzugeben, oder aber zu stehlen oder zu rauben, oder sonst etwas zu tun, was den anderen als Vergehen angerechnet werden würde, daß niemand diesen Männern etwas nachsagen oder sie gar belangen dürfe. Die sechs sind mit anderen Worten bis auf weiteres sakrosankt. Dafür müssen sie nun aber 3 Monate lang alle Mitternacht die Trommel schlagen. Während dieser Monate be­kommen sie und auch der Munchira aber von der ganzen Gemeinde feines Essen, Hühner und der­gleichen geliefert.

Sind die drei Monate herum, so wird viel Pombe gemacht. Diese ist für die Brennholzsucher be­stimmt. Das sind Männer, die morgens in den Busch gegangen sind, um trockenes Holz zu schlagen. Dieses Holz haben sie an Ort und Stelle auf einen Haufen aufgestapelt und es sodann verlassen, um es erst abends unter vollkommenem Stillschweigen auf den Festplatz in die Nähe der Likumbihütte zu schleppen. In dieser Hütte steht ein Chihero, ein kleiner runder Deckelkorb, in dem sich Medizin be­findet. In diesen Chihero spuckt nun jeder Brenn­holzsucher etwas von der eingangs erwähnten Fest- pombe. Die Pombe trifft dabei die im Korbe be­findliche Medizin. Diese ist vorher von einer be­stimmten Frau im Mörser zerstampft worden. Diese Frau nimmt nun das Ende einer langen Zeugbahn; darauf geht sie aus der Hütte, den Chihero auf dem Kopf, das Zeug hinter sich herziehend. Hinter ihr gehen die Brennholzsucher und tragen das Zeug, wie 'man eine überlange Schleppe trägt; sie heben es vielleicht gar über den Kopf empor. Vorne, neben der Frau, geht der Munchira. Man umzieht die Hütte. Ist der Umzug vollendet, so nimmt der Munchira