den Zapfen des Stäbchens und wirbelt nun das Horn mit mäßiger Geschwindigkeit um die Achse. Ist es in die gewünschte Rotation versetzt worden, so setzt der Fundi rasch ein zweites, gleichartiges Horn auf denselben Drehzapfen darüber. Ist auch dieses Horn in Drehung versetzt, so hält der Meister das untere Horn plötzlich mit der Rechten an und wartet nun ab, wie sich das andere Horn, das unbehindert weiter rotiert, nach endlich erreichter Ruhelage zu dem ersten stellt. Stehen beide einander parallel, d. h. also übereinander in derselben Richtung, oder aber auch um 180° voneinander ab, so ist der Verdächtige zu Unrecht beschuldigt; in jedem andern Fall gilt er für überführt.
Bei beiden Zaubermitteln, der Chissangu wie der Trokolla, ist es für uns nur zu sehr ersichtlich, wie rettungslos der Schwarze dem Wohl- oder Übelwollen des Medizinmannes anheimgegeben ,ist; es gehören wahrhaftig die sattsam bekannten Eigenschaften des Negercharakters dazu, das eigne Schicksal einem solchen ,,Urteilsspruch" zu unterwerfen.
Afrika ist wie kaum ein anderer Erdteil das Land der Amulette; das bezeugt der Reichtum unserer ethnographischen Museen an solchen Talismanen, und auch meine Sammlung ist reich daran. Auf Form und Endzweck der aus je zwei Holzstücken bestehenden Jagdamulette (Taf. 31 Abb. 8) ist bereits bei dem Kapitel Jagd hingewiesen worden. Unter den übrigen Schutzmitteln nehmen die Talismane gegen Verzauberung und Krankheit (Taf. 31 Abb. 5, 6) den ersten Rang ein; es sind Tierhörner, die mit Wurzelstücken, Pulvern geheimnisvoller Zusammensetzung u. dgl. gefüllt und mit Tierhaaren (Taf. 31 Abb. 3), Fellstreifen etc. umhüllt sind; auch Halsketten und Armbänder mit aufgereihten Wurzelstücken als dem wirksamen Prinzip sind nicht selten. Andere Amulette sollen den Träger gegen den Löwen und den
Leopard, die Schlange und das Krokodil schützen; noch andere gegen Kugelschuß und Speerwurf im Kriege. Merkwürdigerweise tritt in allen diesen Stücken das Holz an sich als wesentlicher Bestandteil, nicht, wie sonst so oft, als Begleiterscheinung auf; das Löwenamulett (Taf. 31 Abb. 4) ist nichts als ein mit Kattun umnähtes Stück weißen Holzes, und auch Abb. 7 derselben Tafel weist als Inhalt lediglich verschiedne Rinden- und Holzstücke auf. Bei Abb. 4 könnte man an eine Nachahmung der bekannten Koranamulette denken, die ja in ähnlicher Form gehalten sind; bei Abb. 7 fehlen alle Anhaltspunkte für den Gedankengang des Tragens. Vielleicht stammen alle diese Flolzteile von den heiligen Mtollo- oder den Grabbäumen; wir hätten dann in ihnen den Beleg für eine Art Analogiezauber zu sehen, indem schon ein winziger Teil des Baumes die gleiche Schutzwirkung hervorbringen soll, die man sonst vom ganzen Baum erhofft. Gleichzeitig wären diese Amulette dann auch ein verstärkter Hinweis auf die Bedeutung des Ahnenkultes der hiesigen Völker, denen in ganz ähnlicher Weise wie den Jao die Seelen der Abgeschiedenen zu Helfern und Schutzgottheiten werden. Nicht selten stößt der Wanderer auf der Barrabarra auf sauber gekehrte Stellen, in deren Mitte Mehl in seltsamen Figuren auf den Boden gestreut ist; in einem Kreise von etwa 30 cm. Durchmesser sind Mehltupfen in verschiedenen Reihen angeordnet (Taf. 46 Abb. 6). Dann weiß der Kundige, daß hier in der Nähe jemand krank ist; der Patient oder aber seine Freunde sind dann an die Barrabarra gegangen, möglichst dorthin, wo sie sich mit einer andern Straße gabelt oder kreuzt. Dort sind die Seelen des Verstorbenen am ehesten zu erwarten auf ihrem Schweifen durch Busch und Feld; dort bringt man ihnen demnach das Opfer mit der größten Wahrscheinlichkeit des Erfolges dar.
Die Stammeseinteilung.
Was bei den Jao bereits in raschem Verschwinden zu sein scheint: die Einteilung der großen Gruppen in kleine, exogamische, matriarchalische Makosyo, steht bei den Makua und mehr noch bei den Makonde noch in höchster Blüte. Ich kann es ruhig gestehen, nichts hat mir trotz, vielleicht auch gerade wegen der Mühe der Erforschens soviel Freude bereitet wie dieser umfangreiche Teil meines Arbeitspensums. Gleichwohl bin ich mir
sehr wohl bewußt, auch hier 'nur Anfänge geliefert zu haben; mögen andere das Werk weiterführen.
Meine Quellen sind, wie immer im Lande, die alten Herren der betreffenden Stämme gewesen. In Newala verfügte ich über ganze Scharen wissender und auch unwissender Männer, die Tag für Tag zu meinen Füßen saßen. In Mahuta war der Kreis nicht so groß; dafür aber war der Lehrer Ningachi äußerst rührig und entgegenkommend; er hat mir