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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
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hatte ich es vor meiner Reise nie gesehen. Der Rota­tionskörper ist eine schwere, 13 cm lange und 5,5 cm Durchmesser haltende Holzwalze, deren Peripherie in der Mitte durch eine tiefe Rille in zwei gleiche Teile zerlegt ist. Die Schnur ist ziemlich derb und aus Pflanzenfaser gedreht; mit ihr arbeitete der glückliche Besitzer besser als ein mittelmäßiger europäischer Spieler mit seinem raffinierten Apparat.

Eigentliche Kinderspiele scheinen nicht vor­

handen zu sein. Das kommt wohl daher, daß die Jugend, sobald sie bewegungsfähig ist, ohne weiteres an den Tänzen und Festen der Erwachsenen teil­nimmt; man kann keiner Ngoma beiwohnen, bei der nicht winzig kleine Knirpse, die kaum erst laufen gelernt haben, mehr oder minder graziös in dem eigenartigen Rhythmus dieser Reigen höchst vergnügt in der Reihe der Erwachsenen dahinschweben.

Musikinstrumente.

Reicher als das Instrumentarium der Kinder ist das der Erwachsenen. Des Gebrauchs der Trommeln beim Tanz und der einsaitigen Geige der Barden bei ihren Vorträgen ist bereits gedacht worden; auch den Ton der übrigen Instrumente hört der Reisende häu­figer und andauernder als ihm oftmals lieb und an­genehm ist.

Die Trommeln unseres Gebiets haben alle­samt einen Zug gemeinsam: sie sind ausgehöhlte Baumstämme, entweder rein zylindrisch oder auch oben verjüngt und unten abgesetzt (Taf. 29 Abb. 1, 2, 3), oder sie haben die Gestalt einer Sanduhr (Taf. 37 Abb. 6); vereinzelt ist der Unterteil zu Beinen aus­gearbeitet worden (Taf. 29 Abb. 2). Die größeren Arten werden ganz allgemein in der Weise gehand­habt, daß der Spieler die Trommel im Stehen zwischen die Beine klemmt; die kleineren werden auf die Brust gesetzt oder unter den Arm genommen. Besondere Schlägel sind nicht üblich; Schlaginstrument ist die Hand. Je nach der gewollten Höhe und Stärke des Tons schlägt oder streicht der Trommler das Fell mit der Handfläche oder den Fingerspitzen, oder aber der letzten oder mittlem Knöchelreihe. Bei den Jao wird eine bestimmte Art von Kriegstrommel geschüttelt (Taf. 29 Abb. 1 a b). Die verschiedenen Trommel­formen führen bestimmte Namen; nach der beim Tanz gebrauchten Trommelart werden dann auch die Tänze selbst benannt. So ist die in die Literatur eingeführte Bezeichnung ngoma für jede Art ostafrikanischen Negertanzes nichts anderes als der Suaheliname für die am häufigsten gebrauchte Trommelart. Ikoma hieß in Akutschikomu der Frauentanz, weil die vom Trommler gespielte, lange, schlanke Trommel so heißt; andere Formen führen im Kijao die Bezeich­nungen: chinganga, lingaka, luloma, lirombe etc.; im Kimakonde: nakandunda, mhijondo, nganga, ligoma usw. Schon dieser Namenreichtum weist darauf hin, daß die Trommel das Hauptinstrument der Neger ist.

Die Saiteninstrumente zerfallen in solche

für Schlag und Strich. Jene sind das uralte Bogen- instrument des Afrikaners, das uns als gubo bei den Kaffern, als ndono bei den Wanjamwesi, unter anderen Namen anderswo entgegentritt; chirombo heißt es bei den Makua, lugombo bei den Ntschi- tschira-Wangoni. Es ist nichts als ein schwach ge­spannter Bogen, auf dessen Sehne ein Resonanzkasten geschoben worden ist, ein Flaschenkürbis, eine hal­bierte Baobabfrucht, das Segment einer Kokosnuß (Taf. 29 Abb. 5, 6, Taf. 30 Abb. 2). Beim Spielen setzt der Neger den Resonanzbehälter auf die Brust, nimmt ein zierliches Stäbchen zur Hand und schlägt die Saite damit.

Die Geige der hiesigen Neger führt im Kijao den Namen Chimwenjumwenju (chimwenjewenje). (Taf. 29 Abb. 7a, b). Sie ist einsaitig und wird mit einem Bambusbogen gestrichen, dessen Gnuhaarsehne von Sulila und den anderen Barden statt mit Kolo­phonium mit Speichel bestrichen wurde. Ländlich, sittlich.

Viel verbreitet ist die Kümper ulimba (Taf. 29 Fig. 8); sie entspricht der westafrikanischen Sansa. Ihrem Bau nach ist sie ein Holzkasten.- mit darauf befestigten Schlagtasten aus Eisen, Raphia oder Bam­bus. Ich habe sie in meinem Forschungsgebiet stets mit 7 Eisentasten besetzt gefunden. Deren Enden werden beim Spiel mit den Fingern heruntergedrückt; der Ton ist meist sehr voll und ansprechend; gleich­wohl kann die stundenlange Wiederholung ein und derselben Tonfolge, wie sie vom Neger geübt wird, den schwer arbeitenden Forscher rasend machen.

Ein Novum in der Ethnographie Ostafrikas ist das Xylophon mgoromondo oder ongolöndo (Taf. 30 Fig. 5). Unterbau des eigenartigen Instruments sind zwei derbe Baumstämme. Auf ihnen ruhen die Tasten nicht direkt auf, sondern als Polster dienen ein Paar Strohbündel, auf denen die Tasten mittelst dünner Pfriemen lose befestigt werden. Gespielt wird das mgoromondo zwei- und vierhändig; einer der Künstler