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großes technisches Geschick, das besonders der den Naturvölkern Fernstehende gerade dem Neger zuzutrauen kaum geneigt sein möchte; fernerhin eine bemerkenswerte Mannigfaltigkeit, die mit der hier gegebenen Skizze bei weitem nicht erschöpft ist; schließlich eine außerordentliche Vertrautheit mit dem Charakter und der Lebensweise der verschiedenen Wildarten. Der Neger gilt uns vorwiegend als der zünftige Ackerbauer, als der Besitzer und Begründer des Hackbaus in seiner durchgebildetsten Form; daß er gleichzeitig auch ein so gewitzigter Jäger ist, weiß selbst die Völkerkunde viel zu wenio: zu würdigen. Für
diesen Zug im Wesen des Afrikaners haben wir hier einen vollgültigen Beweis; gleichzeitig wird uns durch die Mannigfaltigkeit und den Reichtum an Nachstellungsmitteln für die umgebende Tierwelt sehr deutlich vor Augen geführt, daß der Neger trotz seines uralten Feldbaues doch noch immer mit der ihn umgebenden Natur in engstem Zusammenhang steht, und daß er sehr wohl befähigt ist, die materielle Basis seines Daseins angemessen zu verbreitern. In welcher Weise sich dieser innige Zusammenhang mit der Natur in seiner Kunst betätigt, werden wir später sehen.
Spielzeug und Spiele.
Von allen Gebrauchsgegenständen der Naturvölker ist nach meinen Erfahrungen nichts so schwierig zu sammeln wie alles das, was zum Spiel gebraucht wird; man muß in jedem einzelnen Fall erst die Aufmerksamkeit der Leute auf diese Dinge lenken. Zu einem Teil mag das daher rühren, daß es der Forscher für gewöhnlich mit Erwachsenen und nicht mit den Kindern, den eigentlichen Eigentümern dieser Dinge, zu tun hat; zum andern kommt es auch daher, daß, genau wie bei uns, jedes Spiel seine Zeit und auch seine Jahreszeit hat. Wie in Deutschland der Kreisel im ersten Frühling, der Drache im Herbst sichtbar wird, so ist es auch bei den Kindern der Natur; für die Regenzeit sind zum Zeitvertreib andere Dinge geeignet als für die Trockenzeit.
Auf den kulturhistorischen Wert des Studiums gerade der Spielzeuge haben bereits ältere Ethnologen hingewiesen. In der Tat haftet im Gebrauch der Jugend so manches Jahrhundert und Jahrtausend hindurch, was bei den Erwachsenen längst als überflüssig und unpraktisch beiseite gelegt und über den Haufen geworfen ist; unser Flitzbogen als letzter Rest der alten Bogenwaffe, unser Waldteufel als letzter Ausklang des alten Schwirrholzes sind ja Beleg genug. Anderseits ist die Jugend in mancher Beziehung auch wieder fortschrittlicher als das Alter ; sie nimmt auf, was diesem als unnütz und zwecklos erscheint oder woran sie aus anderen Gründen achtlos vorübergeht. Gerade für diesen Charakterzug des menschlichen Kindheitsalters fand ich in meinem Forschungsgebiet ein paar recht hübsche Belege.
Einer oberflächlichen Beobachtung kann die Negerjugend leicht als gänzlich bar aller Spiele und Spielsachen erscheinen; schon Livingstone klagt vor einem Menschenalter über die sichtliche Langeweile, ja man möchte sagen die Blasiertheit, mit der
Wanjamwesikinder sich in Straße und Hof herumdrückten; nichts von Begeisterung, nichts von jener alles vergessenden Hingabe, wie sie unseren Kindern so erbeigentümlich ist. Auch Paul Reichard weist auf die gleiche Ideenarmut und den Mangel an jeder Phantasie beim Negerkinde hin; er ist gleichzeitig geneigt, diesen Mangel auf die vielbesprochene Frühreife des Afrikaners, dem mit 6 Jahren nichts Menschliches mehr fremd sei, zurückzuführen.*) Im großen und ganzen kann auch ich dem Urteil der beiden genannten Reisenden zustimmen, jedoch mit der sehr wesentlichen Einschränkung, daß freilich die Ausdauer und Hingabe beim Spiel fehlt, daß aber das Spiel und vor allen Dingen Spielzeug in nicht einmal geringer Fülle vorhanden ist. Was die Beobachtung und die Feststellung dieses Spielbesitzes erschwert, ist ein Umstand, auf den sicherlich mancher frühere Forscher nicht geachtet hat, auf den auch ich erst im Laufe meiner Reise durch die Ungunst der Umstände gestoßen wurde, und den man späteren Forschern gar nicht nachdrücklich genug als Anregung mitgeben kann: man muß nach allen Arten von Spielzeugen, die Gemeinbesitz der Menschheit sind, direkt fragen, selbst auf die Gefahr eines negativen Ergebnisses hin. Unter den zahlreichen ethnographischen Gegenständen, die mir von allen Seiten gebracht wurden, befand sich zunächst kaum ein Spielzeug, so daß ich schon geneigt war, mich der älteren, oben genannten Ansicht anzuschließen. Erst als ich anfing, der Reihe nach auf jede einzelne Kategorie unserer Spielsachen hinzuweisen, auf Puppen, Kinderwaffen, Kreisel, Musik- und Lärminstrumente usw., änderte sich die Sachlage in erfreulichster Weise von Grund auf; jetzt zeigte sich, daß der Besitz der Jao,
*) P. Reichard, Deutsch-Ostafiika. Leipzig 1892. S. 357.
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