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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
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mit jedem Schuß. Aber sichtlich nimmt der Bogen auch hier den Weg, den er bei uns in Europa schon seit Jahrtausenden genommen hat: er verliert den Charakter als Kriegswaffe und sogar auch als Jagdgerät mehr und mehr und wird zum Kinder­spielzeug, ganz wie unser Flitzbogen.

Beim Zurückziehen der Sehne waltete der Zug nach dem Auge vor.

Im Gegensatz zu der geringen Schießfertigkeit der heutigen Generation der Schützen ist der Bogen selbst immer noch recht brauchbar und kräftig. Traf der Pfeil sein Ziel, so drang die scharfe Eisenklinge stets so tief in das Holz ein, daß man viel Mühe hatte, das Geschoß wieder herauszubringen.

Auch die Kunst des Speerwerfens ist gegen­wärtig nur noch sehr gering, zweifellos, weil sie nur noch wenig geübt wird. Ganz wie bei meinen Bogenschießveranstaltungen, hatten alle anwesenden Männer auch beim Speerwerfen zunächst das Be­streben, sich von dieser Übung möglichst fern­zuhalten, ja sie zeigten eine förmliche Scheu davor. Diese war allerdings insofern berechtigt, als jeder Fehl­wurf, wenn ich die einzelnen später doch zum Werfen brachte, gewaltiges Hohngelächter der Umstehenden hervorrief. Auf größere Entfernung als 10 Meter hat überhaupt niemand sein Ziel, einen meist 20 bis 30 cm starken Baum, getroffen; auf kürzere Ent­fernung geschah dies in wechselndem Prozentsatz, je nach der Geschicklichkeit, ohne daß man indes den Eindruck hätte gewinnen können, es sei noch von einer wirklichen Fertigkeit die Rede.

Recht interessant war für mich der technische Gang der Pfeilherstellung bei den Makonde. Es handelt sich in diesem Fall um einen Vogelpfeil aus einem Stück, mit ausgesparten Widerhaken. Das Material war Holz. Der Künstler begann mit der Herstellung der Flugsicherung; er nahm einige Federn und wickelte sie spiralig um den Pfeilschaft, um sie geschmeidig zu machen. Sodann knüpfte er eine Schnur um das untere "Schaftende, schob die Feder­enden mit den Posen unter diese Schnur und wickelte die Federn mit kleinen Bastfäden am Pfeilschaft fest. Die Fahnen beschnitt er zunächst bloß an ihrem "untern Ende. Die Federn lagen tangential zum Schaft, nicht radial. Ein weiterer Schritt war das Fest­wickeln der oberen Federenden mit Bastfäden, und das Beschneiden der Fahnen auch an dieser Stelle. Die Herstellung der Kerbe war recht einfach: durch zwei rasche, einander und der Schaftseele parallele Schnitte plattete der Künstler zunächst das untere Schaftende ab; sodann begann er sehr vorsichtig und mit viel Geschick die Kerbe selbst auszu­höhlen, was bei der Derbheit seines Messers und der Dünne des Pfeilschaftes recht schwierig war. Leichter war die Arbeit an der Spitze, wo die Ver­schärfung und Verlängerung der einzelnen aus­gesparten Widerhaken mit geradezu bewunderungs­werter Geschwindigkeit vor sich ging. Überhaupt dauerte die Herstellung eines ganzen Pfeiles kaum länger als 10 Minuten.

Jagd, Fischfang, Ackerbau.

Großwild ist nach allem, was ich gehört habe, auf dem Makondeplateau selten; der Mangel an stehendem und dauernd fließendem Wasser und die Ungunst des für jedes größere Lebewesen nur schwer oder gar nicht durchdringbaren Busches lassen seine Seltenheit sehr wohl erklärlich erscheinen. Lediglich der Buschbock soll häufig sein; von kleineren Tieren dann besonders das Litotwe. Unter diesen Umständen sind die Hochlandbewohner darauf angewiesen, ihren Jagdgelüsten in den wildreichen Niederungen des Lu- kuleditals, des Rowuma und des zerklüfteten Hügel­landes am Westfuße des Plateaus zu frönen, was sie, wenigstens soweit sie Makua sind, auch in aus­giebigster Weise tun.

Über den Wert und die Klugheit ihrer Haupt­jagdtiere haben die Plateaubewohner folgende An­

sichten. Der Elefant gilt als das intellektuell am höch­sten stehende Tier; stets weiß er, wenn die Jäger hinter ihm her sind; dann versperrt er ihnen wohl den Weg, indem er einen Strauch nimmt und diesen hinter sich in seine Fährte steckt. In gleicher Weise weiß er auch, ob des Jägers Frau während der Jagd mit einem anderen Ehebruch treibt; dann nimmt er den Jäger an und tötet ihn, oder aber das Gewehr des Jägers zerplatzt. Diese nach unseren Be­griffen völlige Verkehrung des natürlichen Gerechtig­keitsbegriffs kam mir zunächst sehr zweifelhaft und merkwürdig vor; sie ist mir aber von so vielen Seiten übermittelt worden, daß wir sie wohl oder übel als authentisch hinnehmen müssen. Knudsens Diener Wanduwandu, der im November 1906 auf der Jagd verunglückte, wurde von dem Elefanten nur deshalb