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heit gehabt, mich bei arglos des Wegs kommenden Individuen jungern Alters durch Augenschein vom tatsächlichen Bestehen dieser Sitte zu überzeugen. Wie in einem Nest, so lagen die glitzernden Kiesel unter der rosigen Zunge. Nach allen mir gewordenen Angaben sind diese Namanghalu das nur dem Geliebten gezeigte Symbol der Treue gegen ihn; andere Leute bekommen die Steine nicht zu sehen. Ob die
Sitte allgemein verbreitet ist, habe ich nicht feststellen können; in der Gegend von Newala ist sie jedenfalls noch gang und gäbe. Auch über die Beweggründe für die Wahl gerade eines solchen Treuezeichens habe ich nichts erfahren können; die Männer wußten es nicht, und die Weiber schwiegen sich, wie leider bei so vielen interessanten Sachen, aus.
Waffen.
Das Makondeplateau liegt nicht entlegen genug, als daß nicht auch schon das Vorderladegewehr seinen Einzug in ausgedehntem Maße gehalten hätte. Dennoch lassen sich noch ganz hübsche Studien über die ursprünglichen Verhältnisse machen. Die frühere Hauptwaffe der Makonde sind Bogen und Pfeil; für Elefanten hatte man sehr große und schwere Speere. Schilde sind nach den mir gemachten zahlreichen Aussagen zu keiner Zeit verwendet worden, der beste Beweis dafür, daß wir es hier mit reinen Bogenschützen zu tun haben. Auch die Keule und die Axt seien keine eigentlichen Waffen gewesen. Die Maküa behaupten, ihre ursprüngliche fiauptwaffe seien zugespitzte Holzlanzen ohne jede Eisenwehr gewesen; in Metho seien derartige Waffen noch heute gebräuchlich. Gegen diese Urwaffe gäbe es keine Medizin, kein Schutzmittel, wie gegen die heutigen Gewehre und gegen den Bogenschuß. An Stelle der heutigen, sehr gut gearbeiteten, langen, schmalen Messer habe man ursprünglich sehr primitive Geräte gehabt: man habe ein zurechtgeklopftes Stück Eisen in ein Stück Bambus geklemmt; das sei alles gewesen. Die Schleuder war nirgends vorhanden ; ebensowenig hatte man von ihrem Bau und ihrem Zweck die geringste Vorstellung. Als mir von einem meiner Suahelimänner ein Exemplar, wie es an der Küste zum Vertreiben von Affen und anderen Schädlingen aus den Feldern dient, geliefert wurde, schauten die Eingeborenen den Gegenstand selbst ebenso verständnislos an wie seine Gebrauchsart.
Meine ersten Eindrücke von der Art des Bogenschießens haben auch in der ganzen spätem Zeit ihre weitere Bestätigung gefunden. Einheitlich im ganzen Gebiet ist nur die fast senkrechte Haltung des Bogens beim Schuß und die Lagerung des Pfeils links vom Bogen auf der geschlossenen Hand. Für die Spannweise selbst läßt sich hingegen nicht einmal für jedes einzelne Volk eine Regel aufstellen; bei den Makonde walteten im allgemeinen die Sehnenspannung mittelst Zeige-, Mittel- und Ringfinger und das Halten des Pfeiles zwischen Zeige- und Mittel
finger vor (Taf. 37 Abb. 1), doch gab es auch viele andere Schützen, die mittelst Zeige- und Mittelfinger spannten, wobei der Daumen den Pfeil nur zu Beginn des Spannprozesses leise an die Sehne drückte. Lag die Sehnenmitte schon weiter zurück, so verließ der Daumen die Pfeilkerbe, die sich dann lediglich infolge des Zeigefingerdruckes in ihrer Lage auf der Schnur erhielt (Taf. 37 Abb. 2). Bei den Maküa herrschten im großen und ganzen dieselben Spannverhältnisse. Möglich ist es, daß vor dem Aufeinandertreffen beider Völker jedes seine eigene, vom andern verschiedene Spannmethode gehabt hat, die sich dann ebenso vermischt haben wie es heute die beiden Völkerschaften selbst tun. Gegenwärtig hält sich keine von beiden Völkerschaften mehr an eine bestimmte Methode, sondern jeder spannt seinen Bogen, wie er es gelernt hat oder wie es ihm am rätlichsten erscheint. Bei manchem Schützen habe ich feststellen können, daß er zunächst die eine Spannweise anwandte, um bei späteren Schüssen auch die andere zu probieren. Bezeichnenderweise erfolgte dieser Übergang von der Spannung mit Zeige- und Mittelfinger zu der allerdings auch weit praktischem sogenannten Mittelmeerspannung, d. h. dem Zurückziehen der Bogenschnur mit den drei Mittelfingern.
Mit der Treffsicherheit war es im allgemeinen nicht weit her; die größte von mir geforderte Entfernung waren dreißig Meter. Bei dieser trafen nur einzelne meiner Sudanesensoldaten das Ziel, einen 60 cm dicken Baum, und zwar bei Anwendung unserer europäischen Spannung mittels Daumen und Zeigefinger; von den Negern traf keiner. Auch bei den kürzeren Entfernungen von 10 und 12 A^eter, auf die ich meist schießen ließ, einen 20 bis 25 cm starken Baumstamm als Ziel, erschienen mir die Leistungen nicht übermäßig glänzend. Zu Anfang war jeder der Schützen unsicher, einerlei ob er jung oder alt, Makonde, Makua oder Mgoni war; später, wenn die Leute sich eingeschossen und etwas Vertrauen in ihre Waffe gewonnen hatten, wurden auch die Leistungen besser; einzelne trafen dann