Druckschrift 
Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
Entstehung
Seite
80
Einzelbild herunterladen
 

8o

den Jao zu sehen bekommt, besteht aus ganz gleich­mäßig" gearbeiteten, zierlichen, bis zu stricknadel­starken Holzstäbchen, die am Griffteile des Kammes mit glänzend schwarzen Haaren aus Mähne und Schweif des Zebras oder mit Antilopenschwanzhaaren durchflochten sind. An den von diesen Haarmustern freien Stellen lagert eine Stanniolschicht, die ganz un- afrikanisch aussieht und die nach meinen Erkundi­gungen auch auf europäische Einfuhr zurückzu­führen ist. Eine Auswahl von Mustern zeigen die Abbildungen 9, 1623 auf Tafel 26.

Noch sauberer gearbeitet, in ihrem ganzen Aus­sehen auch noch zierlicher und feiner ist die von gewissen Makuahandwerkern gefertigte andere Kamm­sorte. Die Zinken bestehen bei ihnen aus feinen, mit dem Messer rund geschabten Bambusstäbchen, die nicht durch Flechtwerk, sondern durch einen un­gemein stark leimenden Pflanzensaft zusammen­gehalten werden. Die Stelle des Stanniols vertritt bei ihnen auf beiden Kammseiten ein Belag buntfarbigen Strohes, das mit seinen zierlichen geometrischen Mustern von Quadraten, Rauten, Kreisen und Drei­ecken den Eindruck einer guten Intarsiaarbeit vor­täuscht. Ich habe versucht, die Technik selbst zu studieren, widrige Umstände haben mich indessen keinen Meister bei der Arbeit finden lassen. Eine Auswahl dieser Kämme zeigt Taf. 26 Abb. 1015.

Der übrige Körperschmuck ist weniger nach der Stammeszugehörigkeit verschieden als nach Stellung und Besitz der Trägerin. Im allgemeinen zeigt er überall die gleichen Züge: dicke, buntfarbige Peiien- drademe im Haar, eben solch dicke und meist sehr bunte Perlenwulste um den Hals, zuweilen auch gewichtige, sauber und geschmackvoll gestrickte Perlengürtel und Perlenwulste um die Hüfte. Diese

hübschen Hüftgürtel waren besonders häufig bei den Wamuera des mittlem Lukuleditals; weiter westlich und südlich traten sie zugunsten des übrigen Perlen­schmucks zurück. Weit verbreitet fanden sich sodann perlenbestickte Armbänder aus Faser- und Bast­geflecht. Ein paar Belege für diese Art von Körper­verzierung geben die Bilder auf Tafel 53, 54, 55.

In allem, was mit Perlen zusammenhängt, waltet also der Ringschmuck vor. Das gilt nun auch von den übrigen Materialien; ob die Negerin den schlanken Hals mit selbstgeflochtener Schnur um­schlingt oder ob sie die Fußknöchel, den Ober- oder Unterarm mit Zieraten versieht, stets verfolgt sie den Zweck, die Rundung dieser Glieder zur Geltung zu bringen. Behangschmuck ist wenig beliebt hier zu Lande; die Leute müssen zu viel und zu schwer arbeiten, als daß sie sich mit langen Ketten u. dgl. behängen dürften. Beim Halsschmuck ist die Grenze zwischen Schmuck und Amulett nicht immer zu ziehen; gar zu gern knüpft man in die Schnur ein paar heil- und zauberkräftige Wurzelstückchen aus dem Pori. Lediglich Schmuckstücke sind hingegen die schweren, wuchtigen, massigen Messingringe, die um Unterarm und Fußknöchel getragen werden. Sie sind der Traum jeder Frau, die etwas auf sich hält und werden erstrebt um jeden Preis. Ein solcher Satz von 4 bis 6 Stück sieht aber auch gar zu gut aus zu der braunen, glänzenden Haut der Trägerinnen (s. Taf. 3 Abb. 2 u. Taf. 5 Abb. 2); selbst dem Europäer imponiert eine dergestalt mit Messing schwer belastete Schöne, wenn sie sich mit dem wiegenden Gang, wie er der Afrikanerin eigentümlich ist, langsam durch das Dorf bewegt. Über die Herstellung dieser Ringe siehe Seite 53.

Künstliche Verunstaltungen.

Während meines mehrmonatigen Aufenthaltes auf dem Makondeplateau habe ich einen großen Teil seiner eingesessenen Bevölkerung besichtigen und studieren können; ich bin dadurch in den Stand ge­setzt worden, wohl ein ziemlich richtiges Bild auch von allen den Eingriffen zu entwerfen, die diese Völker ihrem Körper zufügen, um dem allgemeinen Schönheitssinn zu genügen und gleichzeitig doch auch wieder die eigene Persönlichkeit aus der großen Masse der Stammesgenossen hervorzuheben. Es gibt in Afrika eine ganze Reihe von Zentren vielseitiger und abenteuerlicher Körperverunstaltungen, aber so ge­häuft und nach unseren Begriffen entstellend und

scheußlich wie hier im Südosten unseres Schutz­gebietes treten sie anderswo wohl kaum auf.

Auch das männliche Geschlecht bleibt auf dem Plateau nicht ganz ohne Eingriff, doch tritt es in dieser Beziehung weit hinter die Frauenwelt zurück. Gemeinsam sind beiden Geschlechtern zunächst Zier­narben in gewissen Teilen des Gesichts; sodann Zier­narben auf Brust, Bauch und Arm. Auf das männliche Geschlecht beschränkt ist die Beschneidung und die Zuspitzung gewisser Zahngruppen. Dahingegen sind Besonderheiten des weiblichen Geschlechts vor allem das Tragen großer Holzklötze in der durchlochten Oberlippe, und kleinerer Scheiben in den durchlochten