Druckschrift 
Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
Entstehung
Seite
78
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Siedlung und Wohnung.

Das Makondeplateau ist eine natürliche Festung. Während in den tief gelegenen Landschaften im Nor­den und im Westen, in der Lukuledisenke und in der weiten Ebene nördlich vom Rowuma, die seit Jahrzehnten bestehenden, verhältnismäßig innigen Be­ziehungen mit der Küste und der Suahelikultur be­sonders die Siedlungsweise stark beeinflußt haben, so daß sich in den wohlhabenderen Dörfern Wohnbauten von derselben Stattlichkeit und Größe wie an der Küste erheben, ist das nach fast allen Seiten steil und un­vermittelt ins Tiefland abstürzende Plateau auch in dieser Beziehung noch ziemlich unberührt geblieben. Nicht ganz unberührt, denn wo irgend nur ein Suaheli sich niederläßt, sei es als Beamter, sei es aus anderen Gründen, da findet ohne weiteres eine Beeinflussung statt: neben die altüberkommene Rundhütte mit weit­ausladendem Kegeldach tritt sofort das viereckige Haus mit dem schweren Satteldach. Die Orte Newala, Henderera, Jumbe Mtschauru, auch Mahuta sind ge­gebene Beispiele für diese Art der Beeinflussung.

Doch auch ein ethnischer Unterschied besteht in diesem Siedlungswesen. Zwar besitzen auch die Makua hier oben die Rundhütte; aber diese Hütten scheuen zunächst nicht, wie die der Makonde, die freie Lage; ferner liegen sie auch nicht so regelmäßig um einen freien Platz gelagert wie das bei den Ma- kondeweilern die Regel ist; man findet sie innerhalb ihrer Felder ebenso zerstreut und weit voneinander entfernt wie unten im Tiefland (Taf. 57 Abb. 2). Der Unterschied gegen dieses Tiefland besteht lediglich darin, daß die Hütten hier oben noch Urform und Urgröße bewahrt haben und sich demgemäß neben den stolzen Bauernhäusern der Ebene recht kümmer­lich ausnehmen; statt der drei, vier oder fünf Zim­mer enthalten sie nur einen einzigen Raum, der zu­dem noch beengt wird durch die architektonisch not­wendige Mittelsäule und ein großes, das ganze Hütten­rund ausfüllendes Trockengerüst. Statt des einen großen findet man zuweilen auch mehrere kleine Ge­rüste (Taf. 11 Abb. 1). Zwischen deren Tragstangen bauen sich noch Vorratsbehälter verschiedener Art und Größe auf; außerdem aber so viele Bettgestelle wie die Hütte Einwohner hat, sofern diese Bewohner schon auf jenen Fortschritt herabblicken können. Zwischen dem allen sind dann endlich die nie feh­lenden Herdstellen über eine dicke Aschen- und Staub­schicht verteilt, die den Boden der Hütte in seiner ganzen Ausdehnung überlagert.

In einem merkwürdigen Gegensatz zu der Arm­seligkeit der Hütten selbst und ihres kümmerlichen Innern stand in der Gegend von Newala die tech­nische Höhe des Türverschlusses. Taf. 14 Abb. lai

zeigt einen solchen Verschluß in allen seinen Einzel­heiten, so daß keine Worte der Erklärung notwendig sind. Auch hier wieder befindet sich das eigent­liche System diesmal e i n Pfeiler als Träger des ,,Schlüssels" im Innern der Hütte, doch erfolgt im Gegensatz zu dem früher geschilderten Stangen­verschluß das Schließen durch ein Loch in der Wand von außen. Der in den Riegel eingeführte Schlüssel hebt nacheinander die im Pfeiler verborgenen, in Nuten laufenden drei Stäbchen; dann ist der Riegel, der vorher fest gegen die Tür gesperrt war, zurück­ziehbar.

Das System des Beratungshauses ist auch hier oben beibehalten worden; Tafel 57 Abb. 1 stellt die Barasa von Mlipa dar, einem kleinen Makuadörf- chen südöstlich von Newala. Es ist fast genau die­selbe Bauart wie wir sie bei der berühmten, großen Barasa Matolas kennen gelernt haben, nur daß die innere Ausstattung mit peripherischen Bänken hier fehlt oder doch nur angedeutet ist.

Die Makonde wohnen niemals in großen, weit­läufigen Dörfern, sondern in kleinen, enggeschlosse­nen Weilern (Taf. 60 Abb. 2). Es wurde schon er­wähnt, daß diese Weiler nicht leicht zu finden sind; an der breiten Barrabarra liegen nur ganz wenige, die übrigen sind im dichtesten Busch versteckt. Die zu ihnen führenden Wege sind außerordentlich schmale, dem ungeübten Auge kaum bemerkbare Pfade, die sich zudem an möglichst unauffälligen Stellen von der großen Straße abzweigen. Und sogar wenn man ihnen bereits folgt, gilt das Erreichen des Zieles noch durchaus nicht als ganz sicher, denn diese Pfade führen innerhalb der kompakten Buschmasse hierhin und dorthin. Stößt man endlich auf die Siedlung selbst, so ist man überrascht von der Regelmäßigkeit ihrer Anordnung: stets findet man einen freien Platz, um den sich vier oder auch wenig mehr Hütten peripherisch herumgruppieren. Die Hütte ist die schon skizzierte Rundhütte mit Kegel­dach ; ihre Ausführung verrät fast immer geringe Sorgfalt; ungehindert kann man durch die Wände ins Innere schauen, und fast ebenso ungehindert blicken von oben Sonne, Mond und Sterne hinein. Ein Beratungshaus habe ich nirgends bemerkt; es scheint den Makonde zu fehlen.

Auch die stattlichen, fast unseren Bauerngütern gleichenden Gehöfte der Ebene sucht man hier oben vergebens; weder existiert der sorgsam um­zäunte Hofraum, noch die Kochhütte, noch der Taubenschlag; noch auch die vielen Vorratsbehälter größerer Abmessung, die für die reichen Gegenden