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Meteore gelten den Jao als böse Vorbedeutung; wenn man sie platzen hört, so sagen die Leute: dieses Jahr wird ein großer Häuptling sterben, oder aber es werden viele Leute zugrunde gehen.
Mondfinsternisse gelten als eine persönliche Begegnung von Sonne und Mond; beide fassen sich dabei gegenseitig und ringen miteinander. Beide gelten für gleich stark. Um die beiden Ringer auseinander zu bringen, nehmen die Jao Beile und Hacken her und schlagen damit gegeneinander, wobei sie rufen: mlekangane, mlekangane; mwesi na liyuwa mkamullene. Mlekangane mlekangane sambano (geht auseinander, geht auseinander, Mond und Sonne! Ihr habt einander gefaßt. Geht auseinander, geht auseinander, jetzt gleich). Dieselbe Anschauung gilt auch bei Sonnenfinsternissen; auch das Verfahren ist dabei das nämliche.
Über die Rolle des Vollmondes habe ich folgendes in Erfahrung gebracht. Wer Zaubermittel besitzt und die Absicht hat, ihnen eine möglichst große Wirkungskraft zu verschaffen, versieht sich zur Zeit des Vollmondes mit Ubani, einem Harz, und geht an einen Kreuzweg oder an eine Weggabelung. Dort
macht er ein Feuer und legt, sobald es ordentlich brennt, sein Harz darauf, damit auch dieses verbrenne. Sobald der Rauch des Harzes in die Höhe steigt, nimmt der Mann seine Zaubermittel, hält sie in den Rauch hinein und spricht: „Du Mond, soeben warst Du noch nicht da; jetzt scheinst Du wieder. Alle Tiere und Pflanzen freuen sich und haben (durch Dich) neue Kraft; auch meine Medizin möge neue Kraft bekommen." Darauf betet er: „Möge die Medizin meinen Körper schützen vor Löwen, Schlangen, Zaubermitteln und allem, was mir schaden kann. Auch möge ich neue Kraft in meinen Leib bekommen."
Über die Gestalt der Erde hatte keiner der von mir befragten Eingebornen eine bestimmte Vorstellung; nur der Prediger Daudi, der seine Ausbildung in der englischen Missionsschule auf Zanzibar bekommen hatte, war imstande, sich über diesen Gegenstand zu äußern; er hielt die Erde für eine Scheibe, die im Wasser schwimmt. Über Europa und Deutschland bestanden auch bei den Intelligentesten noch verworrenere Vorstellungen als bei den Küstenleuten ; im besten Falle war Afrika ein großes Land, Uleia (Deutschland) aber eine kleine Insel.
Geschichte der Jao.
Auch für die Geschichte der Jao halte ich es für am besten, die Berichte meiner Gewährsmänner an dieser Stelle genau so wiederzugeben, wie ich sie aus ihrem Munde überkommen habe.
Nach dem alten Häuptling Akundonde und seinen etwa gleichaltrigen Dorfgenossen kommen die Sajao von Kuisale Kuchechepungu. Kuisale ist nach ihm ein Hügel (Hügelland?), wo der Häuptling Kuche- chupungu herrschte. Mataka liegt, von Tschingulun- gulu aus gerechnet, rechts, also nördlich, Mtarika links, also südlich vom Hügel Kuisale. Von dort wurden die Jao durch Krieg vertrieben und zogen nach Matschinga in der Nähe des Makuahäuptlings Mtarika. Das ist sehr lange her; Akundonde weiß es nur von älteren Leuten. In Matschinga wurden die Jao von den Makua des Mtarika angegriffen und nach Malambo verjagt. Dies liegt hinter Mkula. In Malambo saßen die Jao lange, bis Mtarika sie von neuem verjagte. Jetzt ziehen sie zum Fluß Lumesule im Dondegebiet. Von dort sind sie nach Massassi weiter gezogen, als Akundonde ein großer Junge war. Da Akundonde gegenwärtig etwa 60 Jahre alt sein kann, so wäre dieser letztgenannte Zug um annähernd
ein halbes Jahrhundert zurückzudatieren. Bei Massassi seien sie dann von den Wangoni überfallen worden, gegen die sie aber siegreich gefochten hätten, so daß diese auf Kü^a-Kiwindje weiter gezogen wären. Die Jao aber seien auf das Makondeplateau gezogen, wo sie in späterer Zeit bei Mahuta von den Wangoni wiederum angegriffen worden seien. Das sei unter der Herrschaft Matolas des Älteren gewesen. Dann kam Bakiri von Zanzibar und das große Schauri von Nkunja an der Südecke des Makondeplateaus. Das sei kurz vor dem Beginn der deutschen Herrschaft gewesen.
Über dieses Schauri von Nkunja ist mir mehr als einmal berichtet worden. Ich will zunächst Matolas des Jüngeren Darstellung wörtlich wiedergeben und daran den Inhalt gelegentlicher Äußerungen anderer Gewährsmänner schließen. Nach Matola dem Jüngeren hat der alte Makua-Häuptling Mtarika von Metho die Jao im steten Wechsel mit den Masitu überfallen, sie zu Sklaven gemacht oder getötet. Das sei geschehen, als der ältere Matola ein ganz junger Mann war. Über seinen Vorgänger berichtet Matola, er sei vor etwa einem Dutzend Jahren (1894)