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Genußmittel.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Teilen Ostafrikas tritt hier im Süden der Tabak als Genußmittel schlechthin zwar nicht zurück, wohl aber seine Verwendung mittels der Pfeife; es ist mir nur bei schärfstem Nachforschen gelungen, einige Exemplare solcher Rauch Utensilien aufzutreiben; zudem wurde bei den meisten Exemplaren auch noch betont, daß sie Hanfpfeifen seien. Dieses Genußmittel muß also auch gebräuchlich sein. Gesehen habe ich nichts davon.
Alle diese Geräte sind Wasserpfeifen; das den Kopf tragende Rohr ragt in dem mit Wasser gefüllten Saugbehälter bis auf den Boden hinab. (Taf. 30 Abb. 3, 4, 6). Die beliebteste und ganz allgemein von Groß und Klein geübte Art des Genießens ist das Schnupfen; auch das Kauen des Tabaks wird vielfach geübt. Auf die künstlerische Ausgestaltung der Tabaksfläschchen wird viel Wert gelegt; Taf. 24 Abb. 8 und Taf. 25 Abb. 1 und 17 liefern den Beweis dafür.
Der Tabak ist im Lande nicht selten; besonders wo die Makua etwas zahlreicher angesiedelt waren, wie im Zuflußgebiet des Mwiti, sah man prachtvolle, ausgedehnte Felder dieser Pflanze. Vielleicht ist eine der Ursachen für die Geringfügigkeit des eigenen Konsums, daß der Tabak an der Küste hoch bewertet wird (die Spiralrolle von 1—2 Pfund Gewicht 1 / 2 Rupie); die Produzenten bringen ihn deshalb lieber an die Küste, als daß sie ihn selbst verzehren. Handelspackung ist eine dicke Flechte, die spiralig in sich zusammengerollt wird. Betel, der auf Sansibar und auch an unserer Küste ganz gewohnheitsmäßig gekaut wird, ist nur vereinzelt bis ins Innere gedrungen.
Von Getränken kommen als Genußmittel nur verschiedene Biersorten in Frage; die Banane ist zu selten im Lande, und die Kokospalme kommt fast gar nicht vor. Das ursprüngliche Braumaterial ist die Hirse; erst in neuerer Zeit ist der Mais hinzugetreten. Nach den Schilderungen, wie sie mir in Tschingulungulu, wo eine ganz ausgezeichnete Pombe gebraut wird, gemacht wurden, ist der Vorgang bei der Herstellung folgender. Mapemba, Likutwe oder
Mais (Imanga) wird von Mittag bis Abend in kaltem Wasser eingeweicht; dann wird das Wasser durch ein Sieb oder durch die Finger abgegossen. Das Korn kommt darauf in eine große Chiwiga, einen rundbodigen Tonkrug von bedeutenden Abmessungen. Diese Chiwiga deckt man mit Blättern vom Baum mtomoni zu, die man tief in die Öffnung hineindrückt. Der Topf steht 3 bis 4 Tage, während deren das Korn keimt. Haben diese Keime diejenige Größe erreicht, die ihre Verwendung als Malz (chirungo) am besten gewährleistet, so unterbricht man den Keimungsprozeß und breitet die Masse in der Sonne zum Trocknen aus. Für den Gebrauch wird das Malz zu Mehl eingestampft.
Zur Einleitung des eigentlichen Brauprozesses nimmt die Hausfrau — denn deren vornehmste Obliegenheit ist die Herstellung des Bieres — einen Krug mit kochendem und einen anderen mit kaltem Wasser. In diesen letztern wird gewöhnliches Mehl getan und umgerührt. Dann gießt man das heiße Wasser unter stetem Umrühren zu dem kalten hinzu. Dieses alles wird zu einem dicken Brei verkocht, der vom Feuer genommen und, auf mehrere Krüge verteilt, mit warmem Wasser verdünnt wird. Ist der gewünschte Grad der Verdünnung erreicht, so stellt man die Töpfe zum Kaltwerden hin. Erst wenn sie kalt sind, tut man Malz hinein. Am nächsten Tage wird die Masse noch einmal aufgekocht, wieder zur Seite gestellt und zugedeckt. So steht das Gebräu wiederum einen Tag. Am vierten Tage wird es unter weiterm Mehlzusatz noch einmal gekocht. Nach dem Kaltwerden erfolgt ein neuer Malzzusatz. Am fünften Morgen endlich wird das nunmehr fertige Bier durch ein Sieb (lisun- gulo) gegossen (kumunda); es kann jetzt getrunken werden. Genau wie bei uns sind auch dort die Biere ungleichwertig; die eine Hausfrau hat Geschick, die andere bringt ein abscheuliches Gemisch zustande; getrunken wird aber trotzdem alles. Offenkundige Folgen des Mißbrauchs dieses geistigen Getränkes sind mir weder zu Gesicht, noch zu Ohren gekommen.
Geld und Wertmesser.
Heute ist auch im ganzen Hinterlande die Rupie und der Heller die offizielle Währung. Ich bin sehr gut mit den Münzen durchgekommen, um so besser, als ich fast immer frisch geprägte Stücke, die direkt aus der Berliner Münze kamen, in Umlauf bringen
konnte. Nur in entlegenen Gegenden hatte ich mit der halben oder der Viertelrupie zuweilen geringe Schwierigkeiten zu überwinden, da die Leute diese größeren Stücke anscheinend noch nie in Händen gehabt hatten. Doch wenn man ihnen zuredete und