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Haustiere.
Verhältnismäßig sehr gering ist der ursprüngliche Besitz der Eingebornen dieses Gebietes an Haustieren. Das allgemeinste von ihnen ist das Huhn, das dem ganzen Erdteil und der Wirtschaft seiner Bewohner gleichsam den Stempel aufdrückt. Man kann mit leichter Mühe zwei verschiedene Rassen unterscheiden: die Nambuta, eine kurzbeinige, sehr fruchtbare Rasse, und eine andere mit langen Federn auf dem Kopf als Kamm. Die Eier werden, im Lande wenig gegessen; meist läßt man sie ausbrüten, um später die jungen Hühner verspeisen zu können. Der Hühnerstall (msinga ya nguku) hat dieselbe Form wie der mehrfach geschilderte Taubenschlag; es besteht aus denselben Rindenzylindern, die man auf hohen Gerüsten übereinandertürmt und zu denen eine primitive Leiter den Zugang gewährt. Ob die Taube (ngunda im Kijao), die in wohlhabenderen Gehöften nirgends fehlt, in diesem Teil des Kontinents autochthon ist, weiß ich nicht; heute scheinen viele Subspecies zu existieren. Die Eier bleiben stets ungegessen; um so höher schätzt der Neger dafür die Kandi, die Jungen. Gefüttert werden die Tauben ebensowenig wie die Hühner; sie sind ausgesprochene Feldflüchter, die sich ihre Nahrung selber suchen.
In dem wasserreichem Gebiet am Westfluß des Makondehochlandes ist hier und da auch Entenzucht zu Hause; es ist eine Spezies von wahrhaft riesiger Größe. Tagsüber halten sich die Tiere in den Tümpeln der Bäche auf; nachts sperrt man sie in Ställe von der Art des auf Taf. 37 Abb. 3 wiedergegebenen ein. Den Verschluß des rohen, aber festen Bauwerks bildet eine Steinplatte, ein Brett oder dergleichen, die man in der auf dem Bilde sichtbaren Weise festkeilt.
Zu den Haustieren gehört auch das Perlhuhn (ganga); man sucht seine Eier im Busch und läßt sie von Hühnern ausbrüten. Beginnen dann die Jungen flügge zu werden, so werden sie vom Eigentümer selbst verspeist oder aber verkauft.
Vom Hund (mbwa) kommen mehrere Rassen vor; die nach meinen Erfahrungen stark vorherrschende ist der mittelgroße, spitzschnauzige, glatthaarige Köter, der in ganz Ostafrika allgemein ist. Als Wachthund taugt er wenig; besser soll er zur Jagd geeignet sein. Diese Hunde bekommen auch Namen, die manchmal ebenso witzig sind wie die ihrer Herren selbst. „Wakongo masika" (Kijao) oder „nkongonchero" (Kimakonde) lautet zum Beispiel so ein Name. Das bedeutet: ,,Mädchen in der Erntezeit," und will besagen: du taugst nur, wenn es was zu essen gibt, sonst nicht. Ein anderer lautet
Mitteilungen a. d. D. Schutzgebieten, Ergänzungsheft 1.
„kwakaneyao", d. h. er beißt andere Hunde weg, wenn er Beute gemacht hat; er ist unduldsam. Oder: Yau- yaupe, er ist der Beste (im Tierfangen). Der Name Taiger oder Taigar scheint mir nicht afrikanischen, sondern englischen Ursprungs zu sein, wie so manches in den modernen Sprachen Ostafrikas.
Rassenzucht des Hundes ist bekannt; man paart einen guten Hund mit einer guten Hündin. Zum Apportieren wird der Jagdhund nicht angehalten, doch berichtete Knudsen von einem Fall, bei dem ihn sein Hund zu einem von diesem gefangenen Waldhasen geholt hat. Er war so lange an seinem Herrn herumgesprungen, hatte ihn angewedelt und war ihm vorangelaufen, bis Knudsen schließlich auf die Absicht aufmerksam geworden und mitgegangen war. Diese Hunde sollen auch ein bestimmtes Ehrgefühl besitzen, indem sie nach Schlägen das vorgesetzte Futter verschmähen, sich schämen usw. Gegessen wird Hundefleisch nicht.
Nach übereinstimmender Aussage fängt kein Hund ein Stück Wild, wenn er nicht vorher Medizin bekommen habe. Das seien vielerlei Wurzeln, je nach der Art des Wildes, und Fleisch von der betreffenden Wildsorte selbst. Mit den Wurzeln werden ihm die Zähne eingerieben; auch macht man ihm kleine Schnitte in die Nase und reibt in die Wunde etwas von der Wurzel hinein. Dies tut man, so oft der Jagdeifer des Hundes nachläßt. Nach dem Einreiben soll dieser Jagdeifer dann zuweilen so groß sein, daß der Hund auf eigene Faust in den Busch rennt, um zu jagen, falls sein Herr nicht gleich mit ihm geht. Für jede Wildart besteht eine bestimmte Hundemedizin. Allzu scharfe Jagdhunde werden übrigens kastriert. Das tut man auch, damit sie nicht so zweck- und ruhelos umherlaufen sollen.
Ob die Ziege und das Schaf zum alten Haustierbestande der Eingebornen gehören, vermag ich nicht zu sagen. Beide waren in meinem Forschungsgebiet verhältnismäßig selten und kamen deswegen für die Wirtschaft der Eingebornen kaum in Betracht. Ganz neu waren hingegen das Rind und das Schwein; von dem erstem besaß der Akide von Massassi, ein Küstenmann, ein oder ein paar Exemplare, während Matola über eine ziemlich zahlreiche Herde verfügte. Beide Mal war es das typische ost- afrik'anische Buckelrind. Nach seiner Herkunft gehört es entweder an die Küste oder in das Gebiet am Njassa, zu den Wangoni. Seine Milch dient nur wenig zum Genuß, und auch nur, nachdem sie sauer geworden ist. Das Fleisch kommt als Genußmittel lediglich in Frage, wenn ein Tier durch Krankheit oder Unglücksfall aus dem Leben geschieden ist.
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