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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
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wirklichen Handwerk geworden wäre, zur Angelegen­heit und Aufgabe des Fundi (wie man an der Küste sagt), der dort für jede Einzeltechnik längst vor­handen ist. In der Tat beginnt die Neigung zur Ar­beitsteilung schon tief unten in den Schichten der Menschheit.

Mit der Treffsicherheit der Bogenschützen und der Speerwerfer scheint es bei den Jao, trotz ihrer entschieden kriegerischen Veranlagung, nicht über­mäßig viel besser zu sein als bei den Einwohnern von Massassi, wenngleich es hier einzelne Schützen gab, die nur selten ihr Ziel verfehlten. Andere waren dafür ganz hilflos, wofür sie bei ihren verlegenen Versuchen von ihren Stammesgenossen weidlich aus­gelacht wurden. Größer als die Zielsicherheit war dafür die entfaltete Kraft des Geschosses; wenn es das Ziel wirklich traf, dann drang der mit furcht­barer Kraft geschleuderte Speer tief in den Baum­stamm. Auch die eisernen Pfeilspitzen waren dann nur mühsam wieder herauszuziehen.

Eine ethnographische Überraschung allerersten Ranges wurde mir zu Anfang meines Aufenthaltes in Tschingulungulu zuteil. Ich wollte gerne wissen, ob die Schleuder hier in Gebrauch sei und machte demnach eine entsprechende 'Wurfbewegung' mit dem rechten Arm. Schon nach kurzer Zeit erschien ein Eingeborner mit zwei merkwürdigen Geräten. Eine Schleuder war keins von ihnen, wohl aber war das eine eine Art Wurfstock, das andere eine wirkliche Wurfschlinge. Bei dem Gebrauch des Stockes wickelte der Besitzer den Wurfstein in eine am Wurf­stock befestigte Schnur und klemmte sodann den Stein mitsamt der Umwicklung in die Gabel, in welche der Stock oben auslief (Taf. 28 Abb. 3). Dann schwang er mit einer ähnlichen Wurfbewegung wie der, mit der man einen Stein aus der bloßen Hand schleudert, den Stock nach vorn. Mit stark surrendem Geräusch sauste der Stein davon, erst in sehr beträchtlicher Entfernung den Boden erreichend. Beim Gebrauch der Schlinge befestigte der Werfer diese zunächst mittels einer Schleife am Zeigefinger. Dann wickelte er den Stein in die Schnur selbst und klemmte Stein

und Umwicklung zwischen Daumen und Zeigefinger, die also hier genau die Rolle der Stockgabel ver­traten (Taf. 28 Abb. 2 a b). Auch hier flog der Stein erheblich weiter als man ihn mit der Hand allein hätte werfen können. Besondere Namen haben die beiden Geräte heute nicht mehr; man nennt sie ein­fach mcheso, Spielzeug. Dieser Umstand spricht da­für, daß sie schon fast gänzlich der Vergangenheit anheim gefallen sind; ich habe überhaupt gefunden, daß man nach allen Dingen fragen muß, sofern man sie herbeigebracht sehen will. Auch die Schleuder selbst war im Lande vorhanden, aber sie erschien doch auch erst, nachdem ich an den ver­schiedensten Stellen und durch die verschiedensten Gesten auf sie aufmerksam gemacht hatte. Das eine Exemplar, in dessen Besitz ich gelangt b,in, stellte sich dann zwar als ein den Suaheli zukommender Gegenstand heraus, aber der Umstand, daß ich ihn durch Vermittlung der Eingebornen des Binnen­landes erlangt habe, bestätigt doch nur die von mir betonte Notwendigkeit, wo es auch sei in der Welt, grundsätzlich nach jedem der Menschheit überhaupt eigentümlichen Gebrauchsgegenstande zu fragen.

Im Kampf wollen- die Jao sich eines besonderen Kennzeichens bedienen oder doch bedient haben. Neuerdings sei es ein weißer Streifen Merikani ge­wesen, den sie um ihre Stirn gewunden hätten. Der Zweck sei, Freund und Feind voneinander zu schei­den. Eine besondere Kriegsbemalung ist wohl nie üblich gewesen; um so üppiger blüht dagegen das Wesen der Kriegsamulette, die ihren Träger oder Besitzer gegen Tod, Verwundung oder Krankheit schützen sollen. Steinwaffen oder -geräte irgend welcher Art sind gänzlich unbekannt. Ich habe immer wieder nach solchen Dingen gefragt, habe meinen Gewährsmännern Steinbeile, wie sie aus den ver­schiedensten Örtlichkeiten Zentral- und Westafrikas, vom Kapland und aus Somaliland bekannt sind, in natürlicher Größe vorgezeichnet; aber alles war er­folglos. So etwas hätten sie selbst nicht im Ge­brauch, und so etwas würde auch im Boden nicht gefunden.

Die Jagd.

Alle Völker des Südens von Deutsch-Ostafrika sind ihrer Wirtschaftsform nach ausgesprochene Feld­bauer, ohne indessen die Jagd irgendwie zu vernach­lässigen ; ja, eins von diesen Völkern, nämlich das der Makua, nimmt in unserer Afrikaliteratur geradezu die Stellung eines Jägervolkes par excellence ein. Doch

mit Recht nur bis zu einem gewissen Grade, denn auch die Makua sind ihrer großen Masse nach Acker­bauer, die sich von den benachbarten Stämmen nur dadurch unterscheiden, daß es unter ihnen mehr Berufsjäger gibt als unter den anderen. Auch unter den Jao soll es früher sehr viele und auch gute Jäger